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Ein Freund schreibt über einen Freund. Egon Fein für Max Grundig zum 75. Geburtstag.

1927 - wieder ein Meilenstein für Max Grundig

Max war im fünften Jahr bei Hilpert, 1927, als wieder mal etwas geschah, das sein Leben veränderte:

In Fürth plante die Stadt ein neues Krankenhaus, und wie die Fürther eben so waren, besonders den Nürnbergern gegenüber, vergaben sie die Aufträge nur an einheimische Firmen. An ein Fürther Krankenhaus ließen die nur Fürther ran.

Aber bei der Firma Hilpert in Nürnberg ließ man sich durch derlei kleinkarierte Mätzchen nicht beeindrucken. Eine Kriegslist wurde ersonnen, Vorbild: das trojanische Pferd. Der Schwager des Prokuristen Retzer hatte in Fürth einen Installations- und Elektroladen, C. Blödel, Blumenstraße 2. Nun war der Schwager gestorben, seine Witwe hatte kein Interesse an dem Geschäft, der Sohn sich für den Beruf eines praktischen Arztes entschieden.

Was also sollte aus dem Geschäft werden? Ludwig Hilpert und sein Prokurist wußten die Antwort. Sie kauften den Laden. Somit war die Firma Hilpert - via C.Blödel als trojanisches Pferd - auch ein Fürther Betrieb und konnte in den Bewerbungsreigen bei der Vergabe des Fürther Krankenhausbaus einsteigen. Mit Erfolg: Sie bekam einen erklecklichen Anteil der Installations- und Wasserversorgungsarbeiten zugesprochen.

Max Grundig wird zum Filialleiter ernannt

1928 - Mit diesen Hammerschlägen am 29. Mai wurde nicht nur der Grundstein für das Fürther Krankenhaus, sondern auch für die erste Karriere des Max Grundig gelegt. Der Herr mit der Amtskette war Fürths Oberbürgermeister Dr. Wild

Ludwig Hilpert nahm sich den frisch ausgebildeten Juniorkaufmann Max Grundig vor und zimmerte ihm - ohne daß beide es ahnten - wieder eine Sprosse seiner Karriereleiter.

»Bub, du gehst nach Fürth runter und übernimmst das Geschäft. Bist Filialleiter, mußt dich um alles kümmern, was da läuft. Natürlich in erster Linie um den Krankenhausbau.«

Max Grundig war hochgeehrt, nickte beflissen - und wurde Fürther, was das Geschäft betraf. Ob es sein Verhandlungsgeschick war oder die Tatsache, daß Chef und Prokurist in dieser Minute zu rechnen vergaßen, weiß niemand.

Jedenfalls sicherten sie dem Max neben 60 Mark Gehalt drei Promille Umsatzprovision zu. Mit dem Ergebnis, daß der Jüngling von knapp 20 Jahren im Durchschnitt 300 Mark im Monat verdiente, des öfteren auch 500 bis 600 Mark, manchmal sogar - dank der immer umfangreicher gewordenen Aufträge für das Krankenhaus - bis zu 1.000 Mark, Das war 1927/28 eine Unmenge Geld.

Die Firma C, Blödel in Fürth in der Blumenstraße 2

Hier residierte der Herr Filialleiter: Das Haus Blumenstraße 2 in Fürth. Der Laden im Erdgeschoß wurde zum »Stützpunkt« der erfolgs- und gewinnträchtigen Aktivitäten des jungen Grundig.

Der junge Herr Filialleiter klemmte sich vehement hinter seine neue Aufgabe, führte im Laden an der Blumenstraße 2 seine geliebten Radiodetektoren ein, womit die Firma C, Blödel in Fürth zu einem der ersten Radiogeschäfte wurde. Die Arbeiten am Fürther Krankenhaus gingen 1928 richtig los. Das Geschäft florierte. Gemeinsam mit dem Obermonteur Kraus sorgte Max Grundig dafür, daß nichts schief lief und alle Aufträge prompt ausgeführt wurden. Schließlich hatten sie 60 Monteure eingesetzt, und da durfte bloß kein Patzer passieren.

Der Erfolg der Firma C, Blödel in der Fürther Blumenstraße 2 war der Erfolg des jungen Max Grundig. Hier hatte er zum erstenmal in seinem Leben die Chance, ein Geschäft selbständig zu führen. Er zeigte, daß er es konnte, und sein Chef war sehr zufrieden. Die hohen Provisionsabrechnungen bestätigten den stets wachsenden Auftragsbestand. Womit wiederum die Tüchtigkeit des Fürther Filialchefs bewiesen war.

Mit 19 - wie ein vorbildlicher Vater »seine« Familie ernähren

Dieser glänzende Einstand beendete auch die Not in der Nürnberger Gertrudstraße 15. Der knapp 19jährige Sohn ernährte »seine« Familie wie ein vorbildlicher Vater, Mutter Marie und die drei Schwestern konnten jetzt öfter mal Fleisch essen, und für ein neues Kleid reichte es auch hin und wieder. Große Sprünge gab's bei Grundigs trotzdem nicht. Danach war ihnen nie zumute, dafür waren sie viel zu bescheiden. Und das blieben sie auch, wenn Max mal einen Tausender im Monat kassierte.
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Ein schweres Motorrad - der Übertraum musste her

Nur einen Luxus leistete er sich: Er kaufte sich ein schweres Motorrad, Marke Standard, rot lackiert, mit einem schicken Nickeltank. Ein dicker Brummer. Kostenpunkt: zwischen 900 und 1.000 Mark. Damit erfüllte Max sich einen lang verborgenen Wunsch, denn der Motorrad-Spleen hatte ihn, wie fast jeden Jungen in diesem Alter, schon längst gepackt, ohne daß er ihn hätte austoben können.

Berta Haag, Tochter eines Schreinermeisters

Unter den stattlichen Herren des Elferrats der Karnevalsgesellschaft »Fürther Kleeblatt« hatte die hübsche Blondine sich offensichtlich mit Vorbedacht den Max Grundig ausgesucht, einen sehr begehrten Junggesellen im Fürth der frühen dreißiger Jahre. Das hier war nicht Berta Haag.

Mit diesem röhrenden Hirsch imponierte der junge Herr Filialleiter unter anderem auch einem Mädchen aus der Gertrudstraße 15, zweiter Stock, genau über den Grundigs. Sie hieß Berta Haag, Tochter eines Schreinermeisters, und sie war hübsch.

Trotzdem hatte Max eigentlich nie ein Auge auf die Kleine geworfen, die im übrigen zwei Jahre jünger war als er. Erst als er sich mit seinem damaligen Gspusi im Cafe Wegemann an der Fürther Straße traf und die ihre Freundin Berta mitbrachte, fiel dem Max das Fräulein Nachbarin auf.

Wie sowas eben geht, und das war früher nicht anders als heute: Man verliebte sich. Zudem zog die Freundin Nummer eins mit ihren Eltern in eine andere Stadt. Ältere Nachbarn aus der Gertrudstraße 15 behaupten heute noch steif und fest, daß die Liebe heftig gewesen sein muß, denn Max sei waghalsig an der Dachrinne ins zweite Stockwerk geklettert, wo das Zimmer der schönen Nachbarin Berta lag.

Auch was dann geschah, war nicht ungewöhnlich, und auch daran hat sich bis heute nichts geändert: Das Mädchen wurde schwanger und Max über Nacht zum Ehemann, damit das Kind einen Namen hatte. Aber es blieb eine Ehe auf dem Papier, keine Hochzeit mit Schleier und so, keine gemeinsame Wohnung. Max wollte nur für eine Jugendtorheit geradestehen. Er war erst 21 Jahre alt - und damit gerade eben volljährig geworden.

1930 - Tochter Inge Grundig wurde geboren

Tochter Inge Grundig wurde am 18. Januar 1930 geboren, die Ehe kurz darauf wieder geschieden, der junge Vater übernahm alle Verpflichtungen. Zunächst blieb Inge bei ihrer Mutter. Als sie 15 wurde, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, nahm Max Grundig seine Tochter zu sich. Die Mutter war damit einverstanden.

Zurück ins Jahr 1930.

Der Krankenhausbau in Fürth war zu zwei Dritteln beendet, die Installationsarbeit so gut wie fertig. Max fuhr jeden Samstag mit seiner schweren Standard nach Nürnberg zum Bergauer Platz 8, um seinen Chefs Bericht zu erstatten und abzurechnen.

Bei einem seiner Samstag-Besuche erfuhr er wie aus heiterem Himmel, daß Hilpert das Geschäft in Fürth verkaufen wollte. Die Arbeiten am Krankenhaus waren ja, wie schon gesagt, fast abgeschlossen, und der Laden hatte damit für Hilpert keine Existenzberechtigung mehr. Ein Ingenieur Gustav Locker, gebürtiger Thüringer und lange Jahre bei der AEG, war der Käufer. Am 1. November 1930 sollte er das Geschäft übernehmen.

Max Grundig fällt eine Entscheidung - er kündigt

Das gefiel dem Max Grundig allerdings gar nicht. Erstens wollte er weder bei einem neuen Inhaber arbeiten noch seinen schönen Filialleiterposten aufgeben und als kleiner Angestellter ohne Provision zurück nach Nürnberg gehen, und zweitens kam es just an diesem 1. November 1930, einem Samstag, wie gesagt, am Bergauer Platz 8 in Nürnberg zu einem handfesten Krach zwischen Max und seinem Chef Ludwig Hilpert.

Es ging um den Zahlungsmodus, wieviel über die Bank, wieviel per Postscheck, wieviel bar bezahlt werden sollte. Max forderte Geld für die nächsten Lohnzahlungen, der Chef machte Einwände, die Stimmen wurden lauter, schließlich brüllte Ludwig Hilpert: »Bin ich jetzt der Chef oder du?«

Max, der sich trotz seiner erst 22 Jahre mit Hilpert duzte, was für einen Jungfilialleiter sonst kaum üblich war: »Natürlich bist du der Chef, aber ich brauche das Geld, und du überweist es!«

Es gab noch ein paar saftige Worte hin und her, dann nahm der Max seine Mütze in die Hand und sagte: »Ich kündige!« Das wiederholte er vor dem Prokuristen Retzer und ging. Am Montag, 3. November 1930, kam er noch einmal zur Übergabe. Die Sache war für ihn gelaufen.

Es geht weiter mit Kapitel III

Gleich nebenan in der Sternstrasse 4 stand nämlich ein Laden leer

Und das aus gutem Grund, denn Max Grundig hatte ganz andere Pläne: Er wollte sich selbständig machen, das Risiko auf die eigene Kappe nehmen. Und er wußte auch schon, wo er dieses Vorhaben verwirklichen konnte. Weil er abends hin und wieder zum Billard-Spielen ins Cafe Fürst an der Fürther Sternstraße 2 ging, erfuhr er, daß nebenan auf Nummer 4 ein Laden leer stand...

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