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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Max Grundig's Weg zum Welterfolg.

Es gibt also nicht nur eine Pfungstädter Geräte Sammlung mit vielen Exponaten und das Fernsehmuseum bzw. den Fernseh- fundus in Wiesbaden und den Tonband-Sammler in Lindenfels, es gibt auch das Braun Museum in Kronberg bei Frankfurt (wobei Sie bei dem Wort "Museum" immer einige Abstriche machen sollten). Dort sammeln sich die Experten (nicht nur die von Braun), die sehr viel erlebt und aufgeschrieben haben. So bekommen wir nach und nach die "wahre" Chronologie der Entwicklungen mit und können so diese Seiten korrigieren.

 

Also, angefangen hat die Grundig Tonband Story mit einem Herrn Kurt Bier aus Schliersee, der nach dem Krieg ein Bandgerät entwickelt hatte. Dieses Bandgerät wollte er mit Lumophon in Nürnberg als "Reporter 100" bauen, doch die Geschäfte bei Lumophon gingen scheinbar nur schleppend. Bei Lumophon war eigentlich nichts fertig, man war mitten in der Planung (zusammen mit Herrn Bier).

 

Und es gab noch eine Bremse. Die Spurlagen und Geschwindigkeiten waren bis 1951 noch nicht genormt. Das war in Deutschland enorm wichtig (eine Altlast von vor dem Krieg hieß - Hauptsache genormt), denn ohne Norm sollte/konnte nichts gehen. Diese Normierungs-Tagung fand 1950 in Genf statt, erarbeitete die Eckpunkte und diese Eckpunkte wurden dann 1951 von der Komission 10 des CCIR international (als Empfehlungen) beschlossen.

 

Jetzt konnte es endlich losgehen.

1951 - Grundig kauft Lumophon.

Man beachte, mit dem Kleeblatt fing es an, das Krönchen kam dann später.

Zu der Zeit war Max Grundig ab 1951 bereits der absolute "Shooting Star" des Wirtschafts- Aufschwunges im Nachkriegsdeutschland. Die Grundig Werke in Fürth waren damals bereits der größte Rundfunkgeräte- Hersteller Europas. Und die benachbarten Lumophon Werke in Nürnberg waren möglicherweise gerade in finanziellen Schwierigkeiten.

Das befügelte einen regen Max Grundig, dem Mann mit dem goldenen Händchen und dem immer richtigen Gefühl im Bauch, im Mai 1951 die Lumophon- Radio-Werke in Nürnberg für 1.7 Millionen Mark zu kaufen. Für unsere Vorstellungen von 1,7 Millionen DM ist es wichtig zu wissen, daß ein Angestellter wie der Vater des Autors damals ca. 260.- Mark im Monat nach Hause brachte und die Miete mit 49.- Mark für eine 45qm Neubau-Wohnung schon hoch war.

Max Grundig griff also diese "Gelegenheit" beim Schopf und es war ja sogar fast fertig, das erste Lumophon Tonbandgerät. Das geplante "Reporter 100" war diese Bier/Lumophon Entwicklung, das aber selbst nach der Übernahme durch Grundig nicht in die Produktion ging. Darum gibt es davon vermutlich auch keine Bilder.
Nicht überall hatten alle Chefs solch ein glückliches Händchen wie der Max und dazu entweder "reiche Schatten" hinter sich oder eine starke risikobereite Bank im Rücken. Und um eine Tonbandgerätefertigung "einfach mal so" aufzubauen, dazu bedurfte es auch damals 1951 schon eines immensen Kapitals.

So wurde dann mit dem Ingenieur Kurt  Bier ein für beide Seiten lukrativer Vertrag geschlossen, der ihm (Bier) 1,5% vom Umsatz (der Tonbandgeräte ab Werk) und monatlich 1200.- Mark Honorar zugestand. Und das war damals wirklich viel Geld.

Grundig Reporter 100 (Lumophon ?) wurde nie gebaut

Das Modell 100 war also das Entwicklungsmodell des Herrn Bier, das er nach dem Mißerfolg mit Lumophon (die kamen ja nicht zu Potte) dann Grundig angeboten hatte und vertraglich abgesichert hatte. Doch endlich in Serie gebaut wurden dann das Grundig 300 Chassis und das Reporter 500L.

Grundig Reporter 300L - (1951)

Das Reporter 300 war zu seiner Zeit (1951) erstaunlich "erfolgreich" und wurde als sowohl Chassis in große Radios und Grundig Konzertschränke (das waren diese häßlichen Musik Schränke) eingebaut und dann noch als Reporter 300L als grüner Koffer verkauft.

 

Die Geräte waren im Prinzip baugleich. Der Herr Bier mußte dabei ganz ordentlich verdient haben. Mehr steht auf den Grundig Stories. Im Museum Brunn steht eines der besonders gut erhaltenen 300L mit einem kleinen Schildchen dran.

 

998.- Deutsche Mark, das waren damals für "Otto Normalo" horrende Summen bei 150 Mark Monatslohn. Selbst angeblich betuchte "Kinobesitzer", zu den der der Vater des Autors guten Kontakt hatte, konnten sich so etwa snicht auf Anhieb leisten.

Grundig Reporter 500L - (1952)

Und Geld verdirbt die Freundschaft. Auch wenn der Max und der Kurt einmal Freunde waren, beim Geld hört die Freundschaft auf. Die Story geht weiter.

 

 

Hier ein seltenes Exemplar. Die Geschwindigkeit betrug 19 cm/s und der Frequenzgang ging von 50 Hz bis 10 KHz. Das war damals absolut sensationell.

 

Die normalen Menschen waren nur (aus heutiger Sicht) die insgesamt mäßige Qualität der Mittelwelle gewohnt. UKW gab es ja überhaupt erst seit 1950 und diese komische "Ultra Kurz Welle" war ja eigentlich eine (wenn auch geniale) Notgeburt durch den Entzug (verlorener Krieg) der Sendefrequenzen auf der Mittelwelle. So war das Tonbandgerät anfänglich nur langsam im Kommen.

 

Von den angepeilten Massen-Konsumenten konnten verhältnismäßig wenige diese neue Errungenschaft wirklich beurteilen und auch nutzen.

 

Die Eltern des Autors präsentierten erst im Dezember 1956 den staunenden Kinderaugen ein großes Grundig 3D Klang Radio unter dem Weihnachtsbaum, das sogar richtige Musik wie im Kino (einer der damals wenigen möglichen Vergleiche) wiedergeben konnte. An ein Tonbandgerät war bei einem Einkommen meines Vaters (des alleinigen Hauptverdieners) von DM 310.- im Monat gar nicht zu denken. Selbst uns bekannte Kinobetreiber im Rheingau schoben die Anschaffung eines Bandgerätes Jahre lang vor sich her.

 

Rechts noch das magische Auge, eine Errungenschaft, die uns Kindern ganz besonders gut gefiel, leider aber unerreichbar weit weg lag.

 

Grundig Reporter 600 (wurde auch nie in Serie gebaut)

Die Story geht weiter, als Grundig das 600L plant. Aber abgewandelt, also vermeintlich lizenzfrei in Bezug auf Biers Tantiemen. Das gefiel dem "Freund" Kurt gar nicht. Jetzt sprachen die Gerichte und Max Grundig entschied, das Reporter 600L überhaupt nicht zu bauen. (Gebaut wurden vermutlich nur 2 Stück.) Denn bereits zu Weihnachten 1952 schreibt Max Grundig persönlich an seine Händler, das Reporter 600 werde nicht verfügbar sein und werde im Frühjahr durch das TK 700 ersetzt. Das TK 700 habe dann auch 2 Geschwindigkeiten, um Band zu sparen. Zur Erinnerung, es war damals noch alles Halbspur Mono.

 

Jetzt war der Krieg zwischen den ehemaligen Freunden erst richtig angefacht. Der erste Prozess wegen des Nachfolge- Reporter (dem Reperter 600) wurde kurzfristig und einvernehmlich auf der Basis zwar reduzierter aber weiter laufender Lizenzzahlungen beigelegt. Offensichtlich mußte selbst Max Grundig (bzw. seine Fachleute) eingestehen, daß die Unterschiede marginal waren.

 

In dem zweiten späteren Prozess ging es dann um das TK9 und die Gerichte brauchten 5 Jahre bis 1959, um die Artverwandschaft mit der Bierschen Konstruktion (also die Verwendung des Bierschen Patentes) zu prüfen. Es ging hin und her und diese Freundschaft war dann auf dem Altar des Mammon geopfert oder besser verbrannt worden.

Grundig TK 700 / TM 700 - (1953)

Das Reporter 700 sollte also so weit (technisch) abgewandelt sein, daß Kurt Bier keine Provisions- ansprüche mehr stellen konnte. Es hieß von nun an "TK 700" und war der Anfang der TKs = "Tonband Koffer". Eigentlich hatte es ja nur eine zweite Geschwindigkeit bekommen, 19 und 9,5cm/s. Der Krieg dauerte an und Max Grundig mußte mehrmals Sicherheitsleistung bei Gericht hinterlegen, wenn er im Prozess um die Urheberschaft der Konstruktion unterlegen wäre.

 

So war der Max auch gar nicht mehr daran interessiert, dieses Modell 700 richtig zu forcieren. Es war eigentlich nur noch ein Lückenbüßer auf dem Weg zum völlig eigenen Grundig Produkt.

 

Das (wenn es an ist) grüne Auge in der Mitte sticht hervor und auf dem Bild vom Chassis scheinen die anderen Röhren ihre Liebhaber gefunden zu haben.

 

 

 

Rechts außen sieht man jetzt ganz deutlich den kleinen Hebel für die Umschaltung der 2 Band- Geschwindigkeiten. Das war damals ein erstaunliches Alleinstellungsmerkmal, das die folgenden Geräte dann schon nicht mehr hatten. Es war schlicht weg zu teuer und nur wenige brauchten es (bei der damals möglichen Qualität bei 9,5cm/s). Insgesamt ist das 700er ebenfalls richtig massiv gebaut. Der dicke Papst Motor macht auch hier einen sehr urigen Eindruck, als sei er gerade der Schmiede entronnen.

 

So sah anscheinend das Ur-chassis des bei Lumophon entwickelten Bandgerätes aus, das bis zum Reporter 700 weiter entwickelt wurde.

Wir haben eines bekommen. Einblicke kommen dann hier.


Jetzt kamen die neuen Grundigs mit Macht

Durch diese Querelen um Geld (und es ging scheinbar um verhältnismäßig viel Geld für die damalige Zeit) scheint der Max schon so ab 1953 die eigenen Entwickler auf ein eigenes Produkt aus dem Hause Grundig gelenkt zu haben. Er wollte von den "Bier und Lumophon Erblasten" und den "vereinbarten!" finanziellen Verpflichtungen los kommen. Ob das die feine englische Art war, so mit Freunden umzugehen, das ist eine andere Story.

 

Das Grundig TK9 wurde geboren und darum . . .

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