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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Highlights und Nachdenken

Das standard Holzgehäuse (in Echtholz furniertem Nußbaum) der ersten A77 von Studer war eine Wucht. Es war extrem leicht und dennoch sehr robust und hatte eine Paßgenauigkeit, von der träumen manche Möbelschreiner und Küchenbauer von heute noch immer.

 

Im Gehäuse waren 6 kleine "Rampen" eingeleimt, damit der Rippenrahmen auch wirklich saugend am Gehäuse anliegt und damit eine Verbundstabilität bekommt, die Ihresgleichen sucht. Von hinten hielten dann 4 lange Schrauben den Rahmen bombenfest im Holzgehäuse.

 

Und damit hatte die A77 wieder einen Vorteil mehr, ihr geringes Gewicht von ca. 15 Kilo als echte professionelle Dreimotorenmaschine.

 

Dazu gab es einen ganz tollen bequemen großen Tragegriff, der auch fast nichts wog und zudem unsichtbar einklappbar war. Also wirklich nur Stecker rein und los gehts, alles an Bord.

Die Feinheiten machen es

Es war wirklich schweizer Präzision und Ideenreichtum, diese A77 auf Anhieb so geschickt und erfoglreich zu plazieren. Da gibt es die Chassis- Verschraubung mit gewaltigen "Blechschrauben" in "Pseudo"-muttern. Ein deutscher Ingenieur rümpft sicher da die Nase, den man nimmt hier bei uns massive M8 Bolzen, die Schweizer machten es mit leichten Blechschrauben und Muttern aus einem Stückchen vorgebohrten U-Feder-Blech (die Waffenschmiede lässt grüßen, so baut man heute noch Gewehre!!) und es funktionierte blendend.

Die Laufwerksteurung war extrem simpel und funktionell. Und das Ganze mit nur 3 (drei!) Relais. Da konnte auch nicht viel kaputt gehen. Gut, die Platinensteckerchen sahen nicht sehr vertrauenserweckend aus, eher mikrig und billig, aber sie gehen erstaunlicherweise heute noch nach über 40 Jahren.

 

Die versilberten Stifte und Kontakte vom Max Grundig´s Produkten gingen ja schon wenige Jahre später nicht mehr.

 

Wie man sieht, baute Studer teure vergossene Folienkondensatoren aus seinen anderen Studimaschinen mit ein. Und es zahlte sich aus. Über die etwas wirre Verdrahtung und die "lustige" Kabelführung braucht man sich nicht zu wundern, Uher und die anderen Semiprofis machten es (damals) auch nicht besser, eher im Gegenteil.

 

Auch die "Preh" Potentiometer laufen heute noch kratzfrei, es ist erstaunlich. Jedenfalls unsere Muster A77 hat nach anfänglichem "Husten" das Kratzen aufgehört.

 

Eigentlich ist alles steckbar, hier der Hubmagnet für die Andruckrolle. Auch nach 40 Jahren zieht er mit voller Kraft die Gummirolle an den Capastan ran.

 

Alleine der Hubmagnet für das Bandbremssystem zeigte Mucken und löste die Bremsen nicht ganz. Bis ich das gefunden hatte, daß die Bremsen nahezu lautlos schleiften, hatte etwas gedauert. Doch dann halfen ein paar "ganz ganz kleine" !! Tropfen Öl an den Bolzen des Magnets, daß er wieder rutscht wie früher und jetzt geht er klack-klack von einem Ende zum Anderen.

 

Oh ja, da war noch etwas . . .

Das Bandzählwerk oh weh, das war dem Ganzen wirklich nicht angemessen, es war einfach nur primitiv. Das war sehr schade, primitiver Murks. Bereits bei der A700 hatte man es mit Minuten und Sekunden besser im Griff.

Und richtg moderne Elektronik

Wir Bastler schwärmten damals von den neuen selektierten Siemens BC108 Silizium Transistoren, die fast nicht rauschten (im Vergleich zu den Germanium Gurken bei Saba im SH600 zum Beispiel) und phantastisch verstärkten. In der A77 waren sie dann drinnen und gehen ebenfalls heute noch.

 

 

Daß die Steckkarten etwas "sehr aufgeräumt" wirkten, ist uns damals gar nicht so in den Sinn gekommen. Es funktionierte super und alle Module waren austauschbar. Heute sehen wir die Verschwendung von so viel Raum ganz anders. Mal abgesehen davon, daß der ganze "Quatsch" heute in zwei Chips drinnen ist, es war selbst damals schon arg weiträumig "designed".

 

 

Die ganze Technik war damals absolut progressiv modular und halt "diskret" aufgebaut, Stand 1966. Aus dem Buch über Studer wissen wir, "die Studers" taten sich anfänglich mit diesen komischen Transistoren schon ein bißchen schwer. (Kommentar damals aus dem Hause Studer: "Röhren waren doch sowieso viel besser.")

 

 

Und professionell kalibriert wurde die Maschine ganz einfach mit wenigen einfachen und Trimmpotis.

 

 

Da gab es einen modularen Wiedergabeteil und einen doppelten Aufnahmeverstärkerteil jeweils mit genauen Bezeichnungen der Trimmer. Unsere Revox A77 wurde zuletzt am 23.2.1989 auf Revox Band 641 eingemessen. Heutzutage kalibriert sich solch ein System selbst mit wenigen kurzen Zuckungen, aber damals . . . . . .


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Prüfen und Messen im Tonbandbereich

Hier finden Sie ein paar Tips aus unserer Erfahrung, wie wir semi Profi und Profi Bandmaschinen ausprobieren.

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