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Einblick in das (in unser) Grundig TM 320 (aus 1966)

von Gert Redlich im Sept. 2017 - Um diesen hier zu sehenden Aufwand etwas zu erläutern, ist es wichtig zu wissen, daß hier bei uns im Tonband-Fundus in den letzen 10 Jahren seit 2006 eine ganze Menge Grundigs und natürlich jede Menge anderer Bandgeräte eingelandet waren.

Dabei sind sämtliche Preiskategorien und fast sämtliche Epochen vertreten. Leider haben wir nie ein AEG K1 oder ein AEG K4 in die Finger bekommen. Doch die Geräte nach 1950 sind alle schon mal hier gewesen (oder noch da).
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Das Grundig TM 320 (1966) ist eines der schönsten Bandgeräte dieser Zeit

Über Geschmack läßt sich trefflich streiten, doch Verkaufs- zahlen sagen mehr als viele tausend Worte. Max Grundig war mit den Bandgeräten sehr sehr erfolgreich. Keiner konnte ihm - bis zur Invasion der Japaner - das Wasser reichen. Und die Geräte hatten fast immer deutlich über 50% des Geschmacks der Kundschaft getroffen, denn solch einen unglaublichen Marktanteil hatte er sich erarbeitet.

Viele dieser Millionen Grundig Geräte (ich meine damit die einfachen Modelle) würden wir heute in 2017 als Consumerschrott bezeichnen, doch damals war ein eigenes Bandgerät für viele Lehrlinge, Schüler und Studenten überhaupt ein Traum und das TM 320 (sowie auch die TS 320/340 Modelle) war(en) der optische und auch technische Übertraum.
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Das TM 320/340 war 1966 fast "aus-entwickelt"

ein Grundig TK 42 offen

Wie auf der TM 320 Haupt-Seite bereits erwähnt, stammt das mechanische (Ur-) Laufwerk aus dem TK40 von 1961. Und das TK40 Laufwerk war von Anfang an für die 3 wichtigen Geschwindigkeiten ausgelegt. Das wurde fast 7 Jahre bis zum Ende der Modifikationen beibehalten. Kein Grundig Konzept wurde bei all den anderen Grundig- Produkten von Generation zu Generation so lange weiter entwickelt und auch noch in Stückzahlen gebaut.

Aus dem TK 40 (Mono) wurden das TK 41
(Stereo Wiedergabe) und das TK 42 (Voll-Stereo), später die deutlich größeren TK 45 bis TK 47 Typen. Dann gab es auch noch das TM 45 Chassis in der Studio 50 Edel-Hifi-Truhe. Aus der TK 46/47 Reihe mit den großen runden Koffern in Röhrentechnik wurden die optisch noch größeren TK 320 und 340 Typen teiltransistorisiert, die bis zu den TK 321/341 (Zeigerinstrumente) weiter entwickelt wurden.

nahezu neuwertig und blitz-sauber

Das gleiche Chassis im TM 320

Und um den frühen "Aufsteigern" mit Stil- und Designvorstellungen entgegen zu kommen, wurden die Chassis der TK 320/340 Koffer in diese wunderschönen Edelholz- Schatullen verpackt und als TS 320 / TS 340 angeboten.

Und das TM 320 ist noch eine weitere späte Abwandlung bzw. Ergänzung, um auch das Marktsegment Bandgeräte im Hifi- Anlagen-Bereich (auch noch !) abzudecken.
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Links und rechts "etwas" hinzugefügt

Diese Erweiterungstechnik gab es schon bei früheren Grundig Konstruktionen, bei denen einfach "ein paar Komponenten" angestückelt wurden. Angestückelt war damals der richtige Ausdruck für echten Knorz, das ist aber (zum Glück) 10 Jahre später nicht mehr der Fall.

Man sieht links vom Drucktastenblock die Mikrofoneingänge mit den Umschalt- Drucktasten und dem Aufnahmeregler.

Rechts vom Drucktastenblock sieht man die Klangregler und den Lautstärkeregler, alles in Stereo und man sieht die neu hinzugekommenen Köpfhörerbuchsen, die die anderen Modelle dieser Baureihe nicht hatten.

Da das TM keine Endstufen mehr eingebaut hatte, brauchte man auch noch eine kleine Kopfhörer-Endstufe, in Stereo natürlich. Dazu wurde eine weitere Röhre rechts neben dem Chassis untergebracht.

Außen sieht man es - das Gehäuse hat keinen Griff

Die TM Schatulle hat keinen Griff

Eigentlich sehen sie alle gleich "schön" aus (je nach Geschmack) und von oben waren die Unterschiede fast so gering wie bei dem BRAUN TG 60 und BRAUN TG 500. Man muß schon genau hinschaun. Dann aber sieht man, da gibt es zwei Kopfhörerbuchsen (Bilder unten drunter). Die hatte das Tk und das TS nicht. Auch die Beschriftung der drei Tasten über dem Aufnahmeregler war irgendwie etwas anders. Doch auch das mußte man wissen.
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Kopfhörer beim TM 320
hier das TS 320

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Keine Schlitze für Lautsprecher

Das TS links, das TM rechts

Wenn man nicht genau drauf achtet, fällt auch das nicht auf. Das TM 320 hat keine Lautsprecher und keine Schlitze in den Seitenwänden (links im Bild) - so wie die TS Typen (rechts) - und es hat natürlich auch keine Leistungsendstufen. Es ist ja eigentlich nur das verkleidete Einbauschassis. Auf die Idee wie Willi Studer mit der ersten Revox A77 mit den steckbaren Endstufen kam man entweder nicht oder es war zu teuer.
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Halb- oder Viertelspur

Halbspur beim TM 320

Grundig konnte sich nicht für diese Zwitter mit beiden Magnetspur- Systemen erwärmen. Der Interessent oder Kunde mußte sich entscheiden, ober er jetzt Halbspur oder Viertelspur haben wollte. Eine Umrüstung war nicht vorgesehen.

Da hier bei uns jede Menge an UHER Variocord und UHER Royal Geräten angekommen sind, die teilweise sogar den zweiten (jeweils alternativen) Kopfträger mit der anderen Spurlage mit dabei hatten, kann ich erkennen, daß immer einer der beiden Kopfträger nahezu neu ist, also fast nie benutzt wurde. Entweder war der Verkäufer ein Genie oder Kunde hatte zuviel Geld. Gebraucht wurden die anderen Kopfträger demnach so gut wie nie.
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Dafür 3 Geschwindigkeiten, immer

Die Einstellung für 19cm/s

Eigentlich ging es ja gar nicht besser und auch nicht viel billiger, den Motorpully und die Reibrad Hebemechanik von 3 auf 2 Geschwindigkeiten zu verringern. Also hatten alle auf dem TK40 Chassis basierenden Typen immer 19cm/s und 2 x abwärts. Diese Antriebstechnik mit den 3 Stufen war unverwüstlich. Das gummierte Zwischenrad übertrug die Motor-Kraft auf die große Schwungscheibe und das war genial stabil. Unser TM 320 hat nämlich wirklich gut erhaltene Gummiräder und auch Riemen. Unsere älteren TK45/46/47 waren innen schon arg lädiert, die Gummis gerissen, warum auch immer. Die Temperatur der (End-) Lagerung kann bzw. muß da eine Rolle gespielt haben.
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Jetzt die Besonderheiten unseres speziellen Gerätes "7467"

Diese TM 320 ist ganz besonders gut erhalten, ja beinahe als neuwertig zu bezeichnen. Unsere beiden TS 320 und TS 340 Geräte sind dagegen in einem leicht verbrauchten Zustand. Dieses TM 320 hat die Serienummer 7467.

Anfänglich hatte Grundig die allermeisten Magnetband- Typen mit mindestens 10.000 Stück aufgelegt und am Stück produzieren lassen. Das war bei den hochpreisigen Schatullen so nicht mehr zu realisieren, insbesondere bei den TM 320/324 nicht mehr.

Diese Geräte waren ja (auch nur) als Ergänzung zu vorhandenen oder neu anzuschaffenden Hifi-Anlagen gedacht. Und wir hatten erst 1966. Da war der Hifi-Gedanke noch lange nicht angekommen.
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Unser TM 320 ist innen erstaunlich sauber . . .

In dem Bild rechts von unten in das TM 320 sieht man, daß das TK40 Chassis gut in das TM Gehäuse rein paßt, übertrieben gesagt ist das TM Gehäuse aus optischen Gründen sehr größzügig bzw. wirklich reichlich bemessen.

Der offensichtlich notwendige Schaumstoffring, der für eine funktionierende Luftansaugung durch den immer laufenden zentralen Motor sorgen soll, ist nahezu neu - und noch nicht zerbröselt oder versifft - wie bei vielen vielen unserer TK46/47.

Auch die Platinen sind erstaunlich sauber. Selbst die bei Grundig Geräten ehemals versilberten und jetzt sehr oft kohlrabenschwarzen Kontaktleisten und Schaltleisten sind noch silbern / blank.
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Die Konstruktion ist ausgereift und professionell

Die Befestigung des Holzgehäuses ist sehr präzise und stabil gelöst. Unter dem ALU-Druckguß Montageträger sind auch die vier rückseitigen Plastikfüße verschraubt - und zum senkrechten Stellen in einem Schrank zum Beispiel liegt die Last auf diesen Füßen.

Vier massive Stehbolzen für den normalen Betrieb

Bei vielen Bandgeräten - auch in den hochpreisigen Bereichen - und selbst Jahre später noch - hatte ich bemängelt, wenn das Gehäuse abgenommen oder offen ist, kann man die zu Servicezwecken nicht mehr stellen. Das große UHER SG630 ist leider eine von diesen unrühmlichen verkorksten Ausnahmen. Auch die ganzen UHER Variocord und Royal Geräte hatten sich in dieser Hinsicht nicht mit Ruhm bekleckert.

Hier ist es hervorragend gelöst - und das im Vergleich zu UHER bereits viele Jahre vorher. Das gesamte Chassis ist von oben und unten großflächig zugänglich und steht stabil auf dem Werktisch.
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Die Klangregler - offene Potis

Es gibt auch hier immer wieder Schwächen, die erst viel viel später zum Tragen kommen. Das sind die Potentiometer. Teilweise sind die von guter Qualität, teilweise leider viel zu billig. Aber das war der typische Grundig Kompromiss des günstigen Preises.

Rechts sehen Sie die beiden Stereo-Klangregler des TM 320 mit den auf der gleichen Achse sitzenden offenen Stereo-Potentiometern. Und gleich daneben den Stereo- Lautstärkregler mit einem gekapselten Preh-Poti.
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Dieser Regler wäre besser

Die gekapselten Preh-Potis leben angeblich einen Tick länger, kratzen aber in den anderen beiden TS320/340 bereits. Hier kratzt noch nichts, auch die beiden offenen Klangregler oben drüber noch nicht, ganz erstaunlich.
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Die (Stereo-) Aussteuerungsanzeige, eine Röhre

Ein großes Manko, wenn man das überhaupt als ein Solches bezeichnen darf, ist das magische Band für beide Kanäle. Es gab nämlich in den USA in einem viel größeren Markt auch 1966 noch Bandgeräte mit einer Glimmlampe als Aussteuerungsanzeige - bis die Japaner kamen.

Die Marktmacht eines Großabnehmers

Hier sieht man es ganz deutlich. Grundig nahm bei Siemens so viele Kondensatoren ab, daß da sogar der Kundennahme drauf gedruckt war.
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Damals üblich, das Datum

Damals war es allgemein üblich, das Produktions-Datum auf die Kondensatoren und später auf die ICs zu drucken. Hier ist es die Kalenderwoche 02 aus dem Jahr 1966. Unser Gerät wurde also nach dem Januar 1966 produziert.
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Die Geschwindigkeitsumschaltung

Bei der Geschwindigkeitsumschaltung werden 3 Funktionen mit dem senkrechten gerändelten Umschaltrad verbunden. Das Gummirad wird im Zustand "AUS" von der Motorachse und der Schwungscheibe weg gedrückt und schwebt jetzt frei.
Dann wird dieses Gummirad je nach gewählter Geschwindigkeit hochgehoben oder abgesenkt und schließt den Kraftschluß zwischen Motorachse und Schwungscheibe wieder. Gleichzeitig wird im Zustand "AUS" auch die gesamte Elektronik abgeschaltet bzw. eingeschaltet. Es gibt damit drei "EIN" Positionen und 2 "AUS" positionen. Weitere Kontake verändern noch je nach Geschwindigkeit die jeweilge Aufsprechentzerrung.
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Aus heutiger Sicht unglücklich

Hier ein Blick auf den "Netzschalter"-(Kontakt), der zusammen mit dem großen Rändel-Rad und der gewählten Bandgeschwindigkeit geschaltet wurde. Dieser Kontakt schaltete das Gerät in den Zwischenstellungen stromlos. Den Entstörkondensator und den Funkenlöschkondensator und vor allem einen Abdeckung oder einen Berührungsschutz habe ich vergebens gesucht.
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Ein Blick auf Gummiräder und Riemen

Völlig unerwartet und verblüffend sind die guten Zustände der Reibräder und der Gummi-Riemen.

Während bei vielen anderen Geräten dieses Alters die Gummi-Riemen bereits gerissen oder gar "herunter"-getropft waren (Philips), hier ist alles nahezu einwandfrei, auch nach diesen 50 Jahren. Auch das Hauptreibrad hat noch keine Risse.

In unseren beiden TS320/340 sieht das alles gar nicht so rosig aus wie hier. Es muß als mit der Lagertemperatur zu tun haben. Dies Gerät stand im Wohnzimmer gegenüber einer großen Schrankwand und hatte damit sein Leben lang eine Temperatur von vermutlich oberhalb von 20 Grad.

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Die Bremsen und der Bandzug

Warum ich das TK40 Chassis als bewundernswert bezeichne ? Die Mechanik war bereits 1960 so gut ausgedacht, konstruiert und auch realisiert, daß damit eine Menge erfolgreicher Typen gebaut werden konnten. Die Typen TK 46 und TK 47 waren wahre Welterfolge.

Damit hatte Grundig den Grundstein für die TK 320/340 und folgenden Modelle gelegt. Es sprach sich nämlich ganz schnell rum bei den Tonband-Fans, welche Geräte problemlos liefen und welche nicht bzw. welche "Kisten" nur Macken hatten. Bei den UHERs rappelte viel zu oft der linke Bandzugregler und damit war diese Technik eben noch nicht reif oder nicht ausgegoren.

Das TK40 Chassis hatte aber gar keine Bandzugregelung wie bei UHER und Telefunken, es war viel einfacher gelöst, konnte dadurch aber nicht senkrecht betrieben werden.

Das Gewicht der beiden (allermeist gleich großen) Spulen mit mal mehr und mal weniger Band-Inhalt bestimmt den senkrechten Pressdruck auf die Filzscheiben.
Und das funktionierte auch nach 30 Jahren noch.
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Der Kern der Maschine, die Magnetköpfe

Grundig baute die Magnetköpfe im eigenen Werk. Er wollte sich nie auf andere verlasssen, und seien BOGEN und WÖLKE noch so gut. Telefunken war Wettbewerber und schied somit sowieso aus.

Und Grundig baute Millionen von Köpfen in 2-Spur und 4-Spur-Technik und hatte damit das Großserien Knowhow, das die anderen bei den oben genannten Tonkopf-Spezialisten einkaufen mußten.

Doch gegen Nachlässigkeit (oder Unwissenheit) bei der Pflege und der Reinigung waren auch die Grundigs nicht gefeit.

Verdreckte Köpfe mit verklebten Staubklümpchen konnten kein Magnetband beschreiben oder wieder lesen.
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Die Achse vom TM 320
und die vom TK42

Der Capastan war noch richtig blank

Bei vielen Grundig Bandgeräten (und anderen auch) ist dieser Bolzen bzw. diese polierte Achse teilweise angerostet oder angekrazt oder verschmutzt. Hier ist er noch blitzblank, und das bedeutet, das Gerät ist nicht so viel gelaufen.
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Unten drunter auf dem Bild sehen Sie, wie die ehemals blitzblanke Capstan Achse von einem TK42 nach 50 Jahren ausgesehen hatte. Es wurde vom Besitzer entweder nie gereinigt oder die Capstan Achse wurde mit Schmirgelpapier bearbeitet, beides ist schlimm. Und so war danach auch die Qualität bezüglich Gleichlauf und Bandverschleiß, schlimm.
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Hier noch ein Blick auf die Schrauben

Wie ganz oben angeführt, macht unser TM 320 einen hervorragenden Eindruck, innen wie außen. Wenn man mal eine Menge Bandgeräte dieser Art vor der Nase hat, lenkt man sein Augenmerk auf die Schlitze der Schrauben der Abdeckungen. Diese hier sind eben nicht verknorzt oder abgewürgt wie bei den anderen Geräten, bei denen die allermeist mit viel zu kleinen Schraubendrehern geöffnet wurden.

Das war der Einblick in einen Glückstreffer

der so nicht mehr so häufig zu erhalten ist. Unser Dank geht nach Köln.

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