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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Ein Einblick in das Tesla B115 von Autor ml

Ich möchte hier mal das Innenleben der Tesla B115 vorstellen. Und auf einige Details, die besonders gut oder schlecht gelöst sind, eingehen. Damit sich jemand, der dieses Gerät nicht kennt, vorstellen kann, was es taugt, will ich es hier und da mit dem Uher Variocord 263 vergleichen, das ich auch gut kenne.

Die Daten, der B115:

Ausstattung und Daten:

Bandgeschwindigkeiten: 9,5cm/s; 19,05cm/s

4 Spur Stereo, Monobetrieb möglich

Eingänge: Phono (mit Entzerrer), Radio, 2xMikrofon

Ausgänge: 2x10Watt/4Ohm Lautsprecheranschluss, Kopfhörer, Monitor

Bedienung der Pausefunktion über Fernschalter möglich (Remotecontrol)

2x Aussteuerungsanzeigen, getrennte Volumenregler für jeden Kanal, Bass- und Höhenregler,

Vor und Hinterbandabhörmöglichkeit

Frequenzgang: 50...15000Hz (mit gutem Bandmaterial sind 20000HZ drin)

3 Tonköpfe, Lösch-, Aufnahme- und Wiedergabekopf

Spulen: bis 18cm Durchmesser

Ein Motor

Stromaufnahme: 50Watt

Preis: 2300Ostmark (2-3Monatslöhne)

Produktion: 1981...1985

 

Das folgende Bild zeigt die B115 beim Wickeln von Angeberspulen aus Alu. Die Bremsen haben im Gegensatz zur Variocord 263 keine Probleme damit. Die Verkleidung der Frontplatte ist schon abgenommen. Man sieht auch eine weitere Besonderheit. Die Kontrolleinheit unten ist herausgeklappt. Um das zu tun, genügt es, eine einzige Schraube zu lösen. Die Idee ist genial, weil auf der Rückseite fast die gesamte Elektronik zu finden ist. Das Gerät wird dadurch enorm wartungsfreundlich. Das gilt übrigens auch für den mechanischen Teil.

Die folgende Abbildung zeigt das noch einmal deutlich. Durch Schönheit glänzt das ganze B115 im Allgemeinen und meines im Speziellen besonders nicht. Die Plastik ist extrem matt und vergraut. Typisch ist das nicht für die Tesla-Plastik. Die wird ohne Fremdeinwirkung bis zum jüngsten Tag hart, spröde und schwarz bleiben. Ich tippe bei meinem Gerät auf zu scharfe Reiniger.

 

Dabei ist das tragende Gehäuse aus anderer Plastik als die der spröden Verkleidungen. Das Zeug sieht so aus und fasst sich so an, wie die Plastik, aus der die zusammensteckbaren Komposthaufen im Baumarkt häufig sind.

 

Die Pegelanzeigen sind ziemlich träge, und nicht übermäßig informativ. Sie sind aber um Längen besser als alles, das Uher bei Variocords und Verwandten verbaut hat. Als Tontechniker weiß ich eine ordentliche LED-Anzeige zu schätzen.

Hier das ganze im Dunklen. Die Japanischen Instrumente von Akai sehen natürlich protziger aus. Sowas hatte Tesla nicht nötig. Wer ein Bandgerät haben wollte, musste ein Tesla kaufen, oder es bleiben lassen.

Die Elektronik auf der Rückseite besteht aus einer großen Leiterplatte und vielen Steckkarten:

Hier eine Karte von vorn und von hinten. Es handelt sich um einen Vorverstärker mit zwei Stufen und Impedanzwandler. Alle Verstärker bei diesen Gerät, bis auf das Endstufen IC, sind diskret aufgebaut. Das B115 wurde so bis in die Mitte der 80ger Jahre gebaut!

Eine kleine optische Besonderheit ist das senkrecht stehende Zählwerk, dass nicht mit einem Riemen sondern mit einer Zugfeder angetrieben wird. Die reißt wenigstens nicht.

Hier sieht man das ganze mechanische Gerödel der Frontseite. Die beiden Spulenteller sind aus Plastik und gerade stabil genug. Rechts sieht man die Feder, die das Rad des Zählwerkes antreibt. Der Riemen oben in der Mitte treibt eine Hauptwelle an, von der aus im Spielbetrieb der Wickelteller und die Kapstanwelle mit Riemen angetrieben. Dieser Teil der Mechanik ist auf der Rückseite. Die Reibräder werden zum Spulen gebraucht. So kommt auch das B115 mit nur einem Motor aus. Man muss bedenken, dass die B115 noch in der 80gern gebaut wurde. Im internationalen Vergleich war sie da schon längst überholt.

Die beiden Schalter für das Spulen und den Abspielbetrieb sitzen unter dem Zählwerk. Rechts ist der Spulknopf, links davon der für das Abspielen und Aufnehmen. Sie drehen Blechscheiben mit Haken und Rastungen, die dann ihrerseits Hebelchen, Stängchen und Bleche verschieben. Das ganze ist robuster als es aussieht. Jedenfalls gibt der Schaltvorgang ein beruhigend robustes Geräusch von sich. Die Knöpfe sind leider zu schwach um die Kräfte übertragen zu können. Sie gehen bei diesen Geräten oft kaputt, die Mechanik aber nie. Man beachte auch die schönen braunen Fettränder. Vom Geruch her tippe ich auf Faseline. Alles andere wäre auch wohl auch schon verharzt. Zum Glück hat sich das Fett in den letzten 25Jahren nicht im Gerät verteilt.

Die folgende Aufnahme zeigt die Mechanik der Bremse beim rechten Wickelteller, sie ist spiegelbildlich beim anderen noch einmal identisch aufgebaut.

 

  • 1. Das Band läuft rechts um den Stift unten links. Wenn Stop gedrückt wird, dann lockert sich das Band, denn die Zugkraft lässt nach. Die Feder zieht den schwarzen Hebel nach rechts.
  • 2. Nun bewegt sich dadurch dieses Ende des Hebels nach links. Und zieht die Blattfeder straffer
  • 3. Die Blattfeder läuft einmal um den Wickelteller und ist mit dem weißen Filz beklebt. Da sie sich nun strafft, bremst sie den Wickelteller, das Band bleibt stehen.

 

So primitiv das ganze ist, so gut funktioniert es auch. Selbst dicke voll gewickelte Aluspulen laufen nicht nach, der Filz nutzt auch praktisch nicht ab, was man von Uhers Gummiklötzchen nicht behaupten kann. Die Konstruktion des Variocord von Uher ist viel schlechter.

Man hat schon oben gesehen, dass alles auf einem großen Blech geschraubt ist. Dessen Rückseite sieht man unten.

 

  • 1. Der Netztrafo ist mit dem Kern Größe M102 sehr großzügig dimensioniert. Er brummt nicht und wird nicht einmal handwarm.
  • 2. Die Netzteilplatine ist ziemlich groß und trägt auf der Rückseite viele axiale Elkos.
  • 3. Der Motor ist auch ausreichend kräftig aber laut. Das liegt an den Strömungsgeräuschen, die die an der Achse aufgesetzte Luftschraube erzeugt.
  • 4. Ist die Schwungmasse, die direkt auf der Kapstanwelle sitzt. Das ganze dreht sich, wie alles drehbare der Maschine. in sehr guten Gleitlagern aus Sinterbronze. Beim Schmieren Vorsicht! Kein Fett. Es darf nur Sinterlageröl verwendet werden. Ich habe die Lager mittlerweile neu in Öl eingekocht. Der Kapstan samt Schwungmasse kann durch Lösen von zwei Schrauben ausgebaut werden. Riemenwechsel geht unheimlich schnell.

 

 

Hier sieht man, wie die Kraft von der zentralen Achse in alle Ecken des Gerätes verteilt wird.

 

  • 1. Ist das zentrale Rad, das seine Kraft über einen Riemen vom Motor bekommt. Durch Abschrauben der Schraube oben, kommt man an die Welle ran und kann die Riemen wechseln. Servicefreundlich!
  • 2. Ist die Schwungmasse, die auf der Kapstanwelle hängt.
  • 3. Die Haken dienen dazu, das Übersetzungsverhältnis des Kapstanriemens zu ändern, wenn die Bandgeschwindigkeit von 9,5cm/s uf 19cm/s umgestellt wird. Man sieht hier schön den Defekt, den ich repariert habe. Der obere Haken, der den Riemen wieder von der kleineren oberen auf die größere untere Laufscheibe drückt, schleift, obwohl der Riemen schon auf der größeren Scheibe liegt. das ist nicht nur laut, sondern hat auch den originalen Riemen zerstört. Mir wurde die Maschine gegeben, mit dem Hinweis, sie wäre bisher noch nie geöffnet worden. Der Haken war also schon ab Werk verbogen. Trotzdem hielt der Riemen das über zwanzig Jahre durch.
  • 4. Hier sehen wir die nächste Untat. Man sieht hier eine Stange aus Federstahl. Diese überträgt die Kraft vom Schalter auf die beiden Haken, die den Kapstanriemen umspannen, also auf den eben beschrieben Mechanismus. Die Stange ist etwa 15cm lang und muss eine nicht unbeträchtliche Kraft auf Schub übertragen. Zugkräfte sind diesen Stängchen zuzutrauen, doch bei Schubkraft biegen sie durch. Zum Glück ist es Federstahl, so dass sie nicht kaputt gehen. Doch die Stange schrammt beim Durchbiegen am Chassis. Der Schalter für die Bandgeschwindigkeiten ging deswegen elendig schwer. Deswegen habe ich den schwarzen Filz dort aufgeklebt. Die Stange gleitet jetzt geschmeidig über diesen. Die Lösung ist nicht ästhetisch, funktioniert aber prima.
  • 5. Dieses Rädchen ist auf der Rückseite ein Reibrad und treibt den Wickelteller von innen an.

 

 

Etwas weiter links sieht man den Antrieb des Wickeltellers noch genauer.

 

  • 1. Er ist, was man hier nicht sieht, ein Reibrad und wird mit diesem Federstahlstängchen innen an den Wickelteller gedrückt. Er ist darum schwenkbar gelagert. Diese Stange biegt auch durch und muss sie auch, denn sie muss die Federkraft, die das Reibrad andrückt, aufbringen. Sie schrapt weiter unten auch auf dem Chassis, das nötige Filzklötzchen war von Tesla schon ab Werk aufgeklebt.
  • 2. Hier sieht man noch einmal die Geschwindigkeitsumschaltung.
  • 3. Diese Platine ist die Endstufe. Neben dem Netzteil ist sie die einzige Platine, die nicht auf dem ausklappbarem Vorderteil sitzt.
  • 4. Dieser Magnetschalter wird beim Erreichen des Bandendes durch den bereits beschriebenen Hebel ausgelöst. Er beendet sowohl das Spulen als auch den Abspielbetrieb.

 

 

Die Endstufe ist nicht besonders gut, klingt aber wesentlich besser als beim Uher Variocord 263. Die beiden Ics (TDA2030) werden mit zwei Alublöckchen an das Dach des Gerätegehäuses geklemmt. Das ist nicht etwas aus Plastik, wie der Rest, sondern ein dicker fetter Strangkühlkörper. Vorn sieht man die beiden Buchsen für die Lautsprecherkabel.

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