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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Aug. 2010 - Das SABA 600 SH - zwischen Traum und Albtraum

Als 17jähriger hatte ich zum ersten Mal solch ein Tonbandgerät gesehen. Sicher, das Braun TG 60 stand auch (in einem Braun Studio) im Schaufenster, doch das hatte ja NUR !! die kleinen Spulen. Dieses hier hatte gewaltige Ausmaße und im Prospekt stand "Studiotonbandgerät" mit drei Motoren und 5 Köpfen.

Zu der Zeit war ja noch alles wahr, das da schwarz auf weiß geschrieben stand und so glaubten wir angehenden Hifi Jünger (fast) alles, das uns die Werbetexter vor die Nase gesetzt hatten.

Es sah toll aus und fast jeder infizierte Betrachter fing an zu träumen, ...

was man damit alles machen könnte, wenn man solch Eines hätte. Reinschaun wäre vielleicht irgendwie gelungen, aber Ahnung hatten wir damals doch wirklich keine. Wir hatten und hätten alles geglaubt. Mit einem Abstand von 40 Jahren kann man die Marketingleute bei SABA im Nachhinein nur beglückwünschen, solch tolle Prospekte gestaltet zu haben und immerhin fast 2000 Stück verkauft zu haben. Denn 1998.- DM + Gema, das war ein stolzer Preis.

Das Konzept war leider nur vordergründig super.

Die Hauptargumente, ein Stereo-Mischpult mit sinnvoller Klangebeinflussung, hohe Qualität mit Halbspur Stereo, drei Motoren, Tipptasten mit Relaissteuerung, anschauliches optisches Design, die wunderschöne Edelholz-Schatulle handwerklich vom Allerfeinsten ähnlich dem Grundig TS 320 oder dem Uher 22 Spezial, das war damals alles toll und super und begehrenswert.

Beim Blick innen rein sieht der Ingeniuer bzw. der Fachmann, da hat sich jemand fürchterlich abgequält. Unter der Optik verbirgt sich massive Mechanik in robustester Bauform, mittelmäßige Elektrik und katastrophale Elektronik bzw. Logik.

keine Bandzugregelung
lose Hochlastwiderstände
die Wickelteller-Bremse(n)

Keine Ausrede, es war doch erst 1964.

Dem Betrachter fallen die diversen Hochlastwiderstände auf, die scheinbar den (Brems-?) Strom irgendwo begrenzen sollen und das alles in Wärme verbraten sollen. Ohne hier genauer einzusteigen, so machte man das auch 1964 schon nicht mehr.

Das 1966er Saba 600 hatte ja gar keine Bandzugregelung, genau wie das 1967er Revox A77, es waren Bandberuhigungs- rollen. Es hatte sogar fast die gleichen Pabst Aussenläufer Wickelmotoren für nur 22cm Spulen, nicht die 26,5er. Vermutlich datiert die Chassis Konstruktion bereits aus 1963 oder noch früher. Man könnte recherchieren, wann die eingesetzten Silizium Transistoren auf den Markt kamen. Doch auch die A77 wurde nicht 1977 im Jahr der Markteinführung entwickelt, sondern sicher mindestens 1 Jahr vorher.

Wenn die Telefunken Entwickler damals beim KL25 (1954) breits bei 15er und 18er Spulen eine (damals mechanische) Bandzugregelung für notwendig oder zumindest sinnvoll erachtet hatten, so wäre sie bei diesem Edel-Gerät mit 22 Spulen eigentlich zwingend notwendig gewesen.

Über die Art der Wickelmotoren-Bremsen ob mit Bremsband (Revox, Grundig, Braun, ASC usw.) oder Bremsfilzen an Umlenkhebeln kann man geteilter Aufassungs ein. Doch die große Menge an offenen Schaltkontakten oben auf dem Alu Chassis, das waren logistische Klimmzüge. Jeder einzelne Kontakt ist eine potentielle Fehlerquelle, offene Kontakte sowieso.

Betrachtet man dazu noch die mechanische Laufrichtungs- erkennung und die Speicherung der letzten Drehrichtung, dann fällt einem nichts mehr dazu ein. Da war der Konstrukteur mit seinem Latein völlig am Ende bzw. total überfordert. Es mag sicher so funktioniert haben, doch es war von Anfang an viel zu aufwendig und dazu richtig fehleranfälig entwickelt worden.

So war der Verschleiß vorprogrammiert

Andruck im Ruhezustand
Hubmagnet aktiv

Die Gummiandruckrolle fährt auf einem 3-Punkt gelagterten Schlitten per Hubmagnet an die Capstanwelle. Die 3-Punkt Lagerung besteht aber nicht aus 3 Kugellagerkugeln in Laufrillen (wie das zum Beispiel die Ampexer aus USA und die Japaner gemacht hatten), sondern aus drei massiven Stehbolzen mit Gewindeschrauben und Abstandscheiben. Und diese Berührungsflächen schleifen sich durch Abnutzung ein und der Schlitten geht zunehmend schwerer oder wackeliger. Bei den Telefunken oder Studer Profis hätte man sich soetwas Primitives nicht getraut.

Irgendwann kommt der gedankenlose Radiotechniker auf die Idee, die Stehbolzen mal zu ölen oder zu fetten. Guck mal, wie schön leichtgängig das wieder geht, lieber Kunde. - Und jetzt ist das Desaster endgültig vorprogrammiert.
Grundig hatte damals so an die 120.000 VCR Videorecoder fabrikneu ausgeliefert und fabrikneu wieder zurückbekommen. Das (Schmier-) Fett hatte sich mit Staub und Bandabrieb auf den (Schrägspur-) Köpfen festgesetzt und das Band abgehoben. Hier an dieser 600 SH Maschine geht es schon sehr schwer (gut, es sind halt 40 Jahre), aber eigentlich ist auch das hier eine unsaubere Konstruktion.
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Ein riesiger Trafo ?? Warum ??

Dem Ingenieur fällt im Vergleich mit ganz vielen anderen Dreimotoren- geräten auf, daß Saba hier einen riesigen 200 Watt Trafo eingesetzt hatte. (Hier im Magnetband-Fundus stehen zur Zeit etwa 30 3-Motoren Geräte.) Warum also so viele Reserven ? Was stimmt denn da nicht ? Vergleichbare Geräte mit 26er Spulen wie die Revox A77 und B77 kommen mit 80 bis 100 Watt locker über die Runden. Und die Wärme muß ja auch irgendwie abgeführt werden. Zum Glück ist auch hier wie bei den meisten anderen Geräten der M-Kern Trafo ganz oben und die Aufnahme/Wiedergabe- Elektronik sitzt ganz unten.

Positiv fällt der riesige Pabst Capstan Motor auf.

Das sind die Erbschaften einer ganz speziellen Konstruktion für schlingernde und schaukelnde Unterseeboote. Man hatte im Schwarzwald also um ein ganz spezielles fertiges U-Boot Tonaufzeichnungs-Chassis eine optisch wunderschöne Schatulle mit einigen Spielereien herum gebaut.

Schwächen und die Abhilfe.

Von den eingeweihten Gurus hatte ich vernommen, daß es beim 600SH die internen Serien von A bis G gab, und das bei einer Gesamtstückzahl von nur 2000 Stück. Es wurde also fortlaufend verbessert und verändert. Die kleine Platine mit dem roten und dem grüne Draht kam bestimmt auch erst später an diesen Platz.

Unser Gerät wurde dazu mit drei deutlich besser plazierten Sicherungshaltern ergänzt. Offensichtlich wurden die Sicherungen öfter überlastet und der Ersatz verlangte früher das Zerlegen der ganzen Maschine. Auf anderen Saba 600SH Reparatur-Webseiten wurde die Plazierung dieser Sicherungen öfter bemängelt.

15 Relais für die Laufwerkssteuerung ?

Vermutlich hatte der Ingenieur, der das entwickelt hatte, die Grundlagen der digitalen Logik nicht verstanden und bei jeder neuen Anforderung (z.B. Laufrichtungsumkehr) neue Relais hinzugefügt. Es ist ja nicht zu bemängeln, daß 1964 noch keine ICs eingesetzt wurden, denn die gab es damals so noch nicht.

Doch eine solch simple Laufwerkssteuerung ist nunmal eine normale Semesteraufgabe an der Fachhochschule und von einem fertigen Ingenieur hätte man auch damals bereits erheblich mehr verlangen müssen und auch können. Die mit einer geringen zeitlichen Verzögerung entwickelte Revox A77 kam mit nur 3 (drei !!!) Relais aus. Und viel weniger konnte diese A77 Logik auch nicht.

Nach 40 Jahren rappelt sie

die Andruckrolle und neben dran die Capstan-Welle ist bereits stark korrodiert. Das Bandmaterial, also der Abrieb der Magnetschicht, der von der ehemals polierten und dann sandgestrahlten Welle nicht zügig entfernt wird, frißt sich langsam in das Metall rein und ist fast nicht mehr zu entfernen. Fängt der Abrieb dann an zu klumpen, wird das Bandmaterial zerdrückt und auch die Gummiwalze an der Oberfläche beschädigt. Die Klümpchen drücken sich in die Walze ein. Diese müsste mit einer speziellen Schleifmaschine absolut rund nachgeschliffen werden.

Solche Schleif-Maschinen sind rar und der Prozess geht auch nur wenige Male. Bei unserer Andruckrolle ist das Gleitlager innen auch bereits geweitet oder ausgeschlagen, die Rolle rappelt.
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Die Bandführung stimmt nicht mehr

Macht man ein hochauflösendes digitales Foto und legt auf dem Bild ein Lineal an, so sieht man, daß die Bandführung bereits seit langem verstellt war und ist. Die Köpfe sind schief angeschliffen. So etwas darf bei Profis nicht vorkommen. Bei meinen Revox Geräten aller Typen sowie bei der ASC 6000 und der Braun TG1000 ist der Einschliff symmetrisch.

Damit sind der Viertelspurkopf und diese Halbspur-Köpfe nur noch als Spielsystem verwendbar. Da aber die Qualität dieser Kombikopf-Konzeption sowieso nur Mittelmaß produzierte, ist es den Aufwand nicht wert, da noch etwas zu ändern.

Die Steckkontakte des Kopfträgers

Irgendwie haben alle Deutschen (Tonband-Entwickler) voneinander abgekupfert. Auch bei UHER waren diese Steckkontake der Kopfträger stark korrosionsanfällig. Meist waren die Kontakte versilbert, das war damals "in". Daß Silber korrodiert, wußten die Omas und Hausfrauen schon seit Urgedenken, mit dem historischen Silberbesteck in der Schublade, das nur Sonntags rausgeholt wurde. Auch hier sieht man, daß zwar Goldbahnen auf der Platine drauf waren, die korrespondierenden Kontakte aber schon völlig schwarz sind. Die Kopfträgerbefestigung mit den vier Stehbolzen ist dagegen "überstabil", selbst für ein deutsches U-Boot.

Das Gehäuse oder die Schatulle

In "Schatullen" wurde immer der teure Schmuck (der Hausdame) aufgebhoben, jedenfalls in begüterten oder betuchten Umgebungen. Darum bauten Saba, UHER und Grundig (Beispiel TS320) ihre Schätze auch in "Schatullen" ein. Bei Saba waren es möbeltechnische Edelgehäuse von Feinsten. Daß dabei die Physik der Wärmeentwicklung etwas zu kurz kam, war der Optik geschuldet. Die Luftzirkulation war deutlich gebremst und die Wärmeabgabe der Motoren und Hochlastwiderstände war den Gehäusebauern offensichtlich nicht bewußt oder wurde nicht entsprechend bewertet.

Eigentlich hätte ein separater, zum Beispiel mit 1 Sone leise laufender Lüfter dort hinein gehört, so wie er in den modernen PCs ab etwa 2005 eingebaut wird.
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Nach 40 Jahren hat das Gehäuse außen schon etwas gelitten.

Obwohl der Schatz in der Schatulle sicher besonders gehegt und gepflegt wurde, gegen Schweißfinger oder schwitzende Hände war auch mit Poliesterlack kein Kraut gewachsen. Beide Ecken, auf denen vermutlich die Hände aufgelegt waren, sind die Fronten stumpf bis abgegriffen.

Aber nach wie vor, auch in 2010 ist es ein optisch beeindruckend tolles Gerät.

Wie immer die Entwickler das damals gefühlt oder gewußt hatten, die asymetrische Aufteilung der Frontplatte und des schlanken Mischpultteiles war und ist gelungen. Es strahlt den gediegenen teuren Studiolook aus, auch wenn es im richtigen Ton- oder Rundfunk-Studio aus diversen technischen Gründen nie akzeptiert wurde.

Die Bedienbarkeit im Rundfunk- oder Ton-Studio war mit den rechts außen gelegenen Tiptasten einfach nicht gegeben. Bei der Bedienbarkeit und nicht nur dort setzen Willi Studer und AEG/Telefunken die Maßstäbe und die waren extrem hoch.

So blieb es quasi wie ein Van Gogh zum Ansehen auf der Kommode oder Anrichte stehen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch, würden die Märchenerzähler jetzt anfügen. Äußerlich leben sie noch, innen nagt jedoch der Zahn der Zeit.

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