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Diese Story basiert auf einer "Betrachtung" so um 1958 . . .

... jedoch einer sehr kritischen Würdigung. Somit können wir die damaligen Denkweisen und Daten mit den heutigen Erkenntnissen gegenüberstellen und kommentieren.
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Geheimnisse, Gerüchte und Legenden

Allerdings trug Grundig selbst sehr wenig dazu bei, das Geheimnis zu entschleiern, wie er es schaffte, seine gewaltige Produktion mit einer auch heute noch recht bescheidenen Kapitalausstattung, seine Unternehmen weisen kaum mehr als vier Millionen Mark Stammkapital aus, derart voranzutreiben, daß er im vergangenen Jahr einen Umsatz von 400 Millionen Mark erzielte (und das war enorm viel im Jahr 1958). Andere Unternehmen mit einer ähnlichen Umsatzquote verfügen mindestens über das zehn- bis zwölffache Stammkapital.

 

Grundig überläßt es meistens seinem Finanzberater Josef Schäfer oder seinem kaufmännischen Direktor Otto Siewek, dazu Erklärungen abzugeben. Er selbst stellt sich ungern dem Publikum. Repräsentationspflichten sind ihm verhaßt, und wenn er sich einer obligaten Party nicht entziehen kann, dann flüchtet er meistens unmittelbar darauf in ein unauffälliges Bürgerlokal, um sich dort derbe Hausmannskost (mit Vorliebe fränkischen Preßsack oder Brathering) servieren zu lassen.

 

Dieser gutbürgerliche Geschmack konnte ihn allerdings nicht daran hindern, aus dem Besitz der Luxemburger Großherzogsfamilie vor einigen Jahren das Schloßgut Hohenburg bei Lenggries in Oberbayern zu erwerben. (In anderen Biogrphien wird es ganz anders dargestellt.) Er kaufte es auf Wunsch seiner (zweiten) Gattin Annelie, der Tochter des Flensburger Weinhändlers Jürgensen, die (nach einem autorisierten Hofbericht der Münchner Gesellschaftskorrespondentin Lia Ave) "ein Jahr klassisches Ballett und mehrere Jahre hindurch singen gelernt hat". „Hernach trat Annelie Grundig", so vermerkt Lia Ave gewissenhaft, „hin und wieder als Operettenstar bei Theatergastspielen auf und bereitete sich darauf vor, ein Leben lang als Künstlerin tätig zu sein." Jedoch, „der Mann, der bald ihr Schicksal werden sollte", holte den angehenden Operettenstar 1938 als Ehefrau in sein damaliges Rundfunkgeschäft in die Fürther Schwabacher Straße.

Sein Werdegang

Dem Rundfunkhandel hatte sich Grundig schon mit 20 Jahren verschrieben, nachdem er bei einer Heizungsfirma die kaufmännische Lehre absolviert hatte. 1928 mietete er einen winzigen Laden, in dem er seiner Rundfunk-Leidenschaft besser nachgehen konnte als in der bescheidenen Wohnküche seiner Mutter Maria Grundig; die Fahrradfabrik Hercules (ein früheres Zweigunternehmen der Triumph Werke, die heute Max Grundig gehören) zahlte der Lagerverwalterswitwe nur eine schmale Pension.

 

Der junge Radio-Amateur schlug in der aufstrebenden Rundfunkbranche auch ohne den Befähigungsnachweis einer technischen Lehranstalt oder des Elektro-Handwerks so gut ein, daß er bald einen größeren Laden mieten konnte. In etwa zehn Jahren (also bis etwa 1938) entwickelte sich Grundig zu einem mittelmäßigen Einzelhändler, der Fußball spielte und sich mit den Freuden des bürgerlichen Lebens begnügte.

 

Erst die Kriegsrüstung weckte in Grundig den Ehrgeiz, sich als Kleinproduzent zu betätigen. Er spezialisierte sich auf das Wickeln von Elektrospulen und auf die Herstellung von Transformatoren für Wehrmacht-Nachrichtengeräte. Mit einer Zubringertätigkeit für AEG und Telefunken machte sich Grundig so unentbehrlich, daß er - nach kurzem Wehrdienst - seine militärische Laufbahn als Oberfunker im Heimatdienst abbrechen konnte und u. k. gestellt wurde.

 

Zwangsverpflichtete Ostarbeiterinnen und Kriegsgefangene wickelten fortan Grundigs Spulen im Tanzsaal des Landgasthofes von Vach, einem Dorf bei Nürnberg. Konstantin Prinz von Bayern rühmt in seiner Biographiensammlung „Die großen Namen" dem Max Grundig nach, er habe für seine ukrainischen Zwangsarbeiterinnen freundliche Worte und Blicke gehabt, "und, was noch wichtiger für sie war, immer Brot".

Der Aufstieg

Diese Zwangsarbeiter bewachten auch sein Hab und Gut vor Plünderungen, bevor er mit Handkarren seine Werkzeugmaschinen und seine Vorräte im Frühsommer 1945 nach Fürth zurück schaffte. Es gab in deutschen Haushalten damals fast nur noch defekte Rundfunkempfänger (viele intakte Geräte waren von den alliierten Militärbehörden beschlagnahmt worden, denn für die meisten amerikanischen Soldaten, also nicht nur für die Russen, war das Hightech, das sie da 1945 in den deutschen Wohnzimmern vorfanden), und den Radiohändlern fehlten nicht nur Ersatzteile für die Reparatur, sondern vor allem Fehlersuch- und Röhrenprüfgeräte.

 

Solche Prüfgeräte stellte Grundig nun in Serien her, nachdem er in einem Hinterhofgebäude der Fürther Jacobinenstraße eine Art Waschküchenfabrik eingerichtet hatte. „Dort hatten vorher Polen gehaust", erinnert sich Grundig. Die Räume waren völlig verwanzt. Wir schrubbten die Wände ab und fingen an zu arbeiten."

 

Für seinen kleinen Fertigungsbetrieb konnte Grundig sieben arbeitslose Fachleute gewinnen, darunter seinen heutigen kaufmännischen Direktor Otto Siewek, der mit den Entnazifizierungsbehörden kollidiert war und seine frühere Stellung als Geschäftsführer einer großen Radiohandelsfirma hatte aufgeben müssen.

 

Siewek wandte sich an seinen Wuppertaler Bekannten Erich Rüsing, einen Radio-Großhändler, der sich nach 1945 als Großkompensator betätigte. Rüsing verstand es, mit offizieller Genehmigung die Lagerbestände der Ruhrindustrie in Lebensmittel und andere Konsumwaren des dringenden Bedarfs "umzuwandeln" und organisierte nun für Grundig einen systematischen Nachschub an Drähten, Kernblechen, Rundfunkröhren und Kohlen. Das Rohmaterial wurde zu Meß- und Prüfgeräten verarbeitet. Später beteiligten sich auch noch der Essener Rundfunkgerätehändler Egon Echt, der in Bochum einen Kompensationsstützpunkt hatte, und weiterhin ein ehemaliger Pferdehändler an dem Nachschubdienst.

 

Die Tauschhändler drängten Grundig, nicht nur Hilfsmittel für den Radiohandel, sondern komplette neue Rundfunkgeräte zu bauen, um Ersatz für die vielen von der Besatzungsmacht beschlagnahmten GeGeräte zu beschaffen.

 

Rundfunkapparate waren stärker gefragt denn je. Die alte Rundfunkindustrie war völlig ausgeschaltet; ihre Betriebe lagen zu 80 Prozent in Berlin oder in Mitteldeutschland und waren dort demontiert oder enteignet worden. In dem größten konzernfreien westdeutschen Rundfunkwerk Saba in Villingen hatten sich französische Besatzungssoldaten eingenistet.

 

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