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Diese Story basiert auf einer "Betrachtung" so um 1958 . . .

... jedoch einer sehr kritischen Würdigung. Somit können wir die damaligen Denkweisen und Daten mit den heutigen Erkenntnissen gegenüberstellen und kommentieren.
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Wer nicht tatkräftig mit macht, der muß gehen.

Max Grundig mußte sein Augenmerk auf Siegertypen und "Schaffer" (heute sagt man Workoholigs") setzen. Verlierer (oder nur Mitmacher) waren nicht lange geduldet, selbst aus der eigenen Familie nicht. Da war er stahl hart. Sein Finanzberater Schäfer übernahm bei den Adlerwerken und der Triumph AG die Gesamtdirektion, nachdem die beiden früheren Vorstandsmitglieder "beurlaubt" (besser gesagt entlassen) worden sind. Sie hatten sich mit der Grundig-Invasion und auch mit dem markigen Ton des erfolggewohnten "Bigbusiness"- Mannes nicht anfreunden können, zu dessen Standard-Redensarten schon vor Jahren der Satz gehörte: „Wichtig ist für mich nur eins, ob jeden Morgen 500 000 Mark auf meinem Konto eingegangen sind."

 

Um die Adlerwerke genauso wie die Triumph AG in seinen Griff zu bekommen, ließ Grundig vor Weihnachten weitere Adler-Aktien aufkaufen. Die Dresdner Bank nahm für ihn bereits soviel Adler-Aktien ins Portefeuille, daß er über mehr als 51 Prozent des Aktienkapitals verfügt. Mit Hilfe seiner Aktienmajorität kann Grundig jetzt bei Adler „triumphieren", so bezeichnen ausgebootete Adler-Leute Grundigs Bemühungen, das Produktionsprogramm von Adler und Triumph genau abzustimmen, einige Typen auszumerzen und andere in Massenserien aufzulegen.

Der größte Verkaufsschlager ist zur Zeit (also 1958) eine Triumph-Familien- Schreibmaschine, die Grundig nach seiner Enkelin „Gabriele" taufte. (Sie wird mit farbigem Anstrich (aber ohne Behälter) zum Preis von 298 Mark geliefert) Verkaufs-Slogan: „Wer seine Briefe mit der Maschine schreibt, gilt mehr!"

 

Die geheimsten Büromaschinenpläne Grundigs hat kürzlich das Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, Max Bardroff, mit ins Grab genommen. Ihm hatte Grundig anvertraut, mit welchem Großunternehmen er sich demnächst arrangieren will.

 

Säulen:

Triumph Adler und die Unbekannte X — seinen Großmachttraum zu verwirklichen: die Errichtung eines Elektro-Büromaschinenkonzerns, der mit rationellsten betriebswirtschaftlichen Mitteln ein breites Sortiment gängiger technischer Erfolgsartikel herstellt, vom Geigerzähler für Uran-Sonntagsjäger (den Grundig be reits liefert) über die traditionellen Grundig-Produkte (Radio- und Fernsehempfänger, Tonband- und Diktiergeräte, Musikschränke) bis zu elektrischen Schreibmaschinen und Büro-Robotern.

 

Je komplizierter die Büro-Technik wird, um so mehr Kapital muß für Neuentwicklungen zur Verfügung stehen. In Deutschland hat die AEG mit ihrer Tochterfirma Olympia Werke AG in Wilhelmshaven (Umsatz 1957: fast 150 Millionen Mark) die stärkste Position. Grundig dementierte nicht das Gerücht, daß bereits Kontaktgespräche zwischen ihm und leitenden Mitgliedern der Olympia AG geführt worden sind. Grundig: „Wir haben mit mehreren Firmen Kontakt aufgenommen."

 

Mit der AEG steht sich der neue Konzernherr besonders gut, seit er in den Kriegsjahren als handwerklicher Kleinproduzent und Zulieferant für den größten deutschen Elektrokonzern tätig war. Heute bezieht Grundig einen gewissen Teil der Rundfunk- und Fernsehröhren für seine Großproduktion (Jahresverbrauch rund fünf Millionen Röhren) von der AEG-Tochter Telefunken. Röhren gehören zu denjenigen Zubehörteilen, die Grundig nicht selbst herstellt.

 

Ein Arrangement Grundig-Olympia würde beiden Firmen Vorteile bringen: Grundig braucht — wie er selbst sagt — eine Firma, die hochentwickelte Rechenaggregate mitbringt; sie sind das Kernelement für zahlreiche moderne Büromaschmentypen. Olympia hat in dieser Beziehung bereits vorgesorgt: Die AEG-Tochter übernahm 85 Prozent des Aktienkapitals der Rechenmaschinenfabrik Brunsviga Maschinenwerke AG, Braunschweig.

 

Grundig wiederum kann mit dem bisher am meisten gefragten Diktiergerät, der „Stenorette", aufwarten; außerdem produzieren Triumph und Adler bereits marktgängige elektrische Schreibmaschinen, Die Tauschhändler drängten Grundig, nicht nur Hilfsmittel für den Radiohandel, sondern komplette neue Rundfunkgeräte zu bauen, um Ersatz für die vielen von der Besatzungsmacht beschlagnahmten GeGeräte zu beschaffen.

 

Rundfunkapparate waren stärker gefragt denn je. Die alte Rundfunkindustrie war völlig ausgeschaltet; ihre Betriebe lagen zu 80 Prozent in Berlin oder in Mitteldeutschland und waren dort demontiert oder enteignet worden. In dem größten konzernfreien westdeutschen Rundfunkwerk Saba in Villingen hatten sich französische Besatzungssoldaten eingenistet.

Über die Person Max Grundig

Über die unwahrscheinlich anmutende Nachkriegskarriere Max Grundigs entstanden inzwischen (1958) ein rundes Dutzend Legenden, die das "Hinter-Grundige" zu erklären versuchen. Konservativen Unternehmern war es unbegreiflich, wie sich der ehemalige Radio-Einzelhändler ohne entscheidende Mitwirkung anonymer Gruppen eine wirtschaftliche Machtposition erobern konnte, vor der mancher Produzent der Rundfunk- und Fernsehgeräte-Industrie und zahlreiche Großhändler heute zittern.

 

Zumal man heute (2006) weiß, daß Max Grundig bei weitem nicht die super- hyperintelligente Leuchte war, für die er sich natürlich gerne ausgeben wollte. In manchen Umgangsformen war er regelrecht primitiv. Und mit seiner eigenen Art, das zu einer enormen Größe gewachsene Unternehmen zu führen, mußte er irgendwann Schiffbruch erleiden, so vermutete man .....

 

Die Fama behauptete deshalb nicht nur, Grundig sei der Strohmann großer Konzerne. Unter Rundfunkhändlern zirkuliert auch heute noch (1959) das Gerücht, der Nachkriegsindustrielle sei vielleicht der Schwager eines noch berühmteren Fürther Bürgers: des Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard. Der habe Grundig durch politische Beziehungen die notwendige Starthilfe verschafft und sei heute stiller Teilhaber des Fürther Unternehmens.

 

Diese Legende veranlaßte Grundig auf einer der letzten Industrie-Ausstellungen, den Bundeswirtschaitsminister mit einem Seitenblick auf die von Berufs wegen herumstehenden Reporter zu fragen, wann er endlich gedenke, den ihm nachgesagten Gesellschaftsanteil bei der Grundig-Radio-Werke GmbH einzuzahlen.

 

Sicher ist eines, Ludwig Erhard war der Mann, der brilliant logisch denken konnte. Und er hatte nahezu unendliche Beziehungen in den Wirtschaftsapparat. Auch war es sein ureigenstes Interesse, die eigentlich arme Region um Nürnberg irgendwie wieder aufzuwecken. Denn Ludwig Erhard wollte den Erfolg des Deutschen Wiederaufbaus, er wollte ihn fast erzwingen.

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