Sie sind hier : Startseite →  Grundig→  Die Max Grundig Story→  Nachdenkliches

Am 26. März 1984 verkaufte Max Grundig seinen Konzern an Philips in Holland.

Hier also etwas mehr über die Wahrheit aus dem Jahr 1983 !! , hier also die Fakten:
.
Das große Grundig Schiff schwankte (in 1983) bereits gefährlich im schwierigen Fahrwasser. Der Chef Max Grundig ist jetzt bereits 75 und hat überdies doch mehr mit seiner Krankheit (besser: mit seinen schweren Krankheiten) zu kämpfen, als damals nach draußen drang.
.
Der Konzern Jahresumsatz beträgt 1983 immer noch mehr als 2,5 Milliarden Mark.
Das wäre also der Kaufpreis (der Verkehrswert wäre ein Jahresumsatz) nach allgemeinen wirtschaftlichen Grundlagen laut den aktuellen Aussagen von Bänkern im Jahr 2006. Damals mag es vielleicht noch mehr gewesen sein.
.
Max Grundig verkaufte sein Imperium an den holländischen Philips Konzern (laut gewöhnlich gut informierter Kreise) für die Gesamtheit der Zahlungen von 20 (Jahren) x (je) 50 Millionen (manche sprechen von 45 Mio, andere von 52 Mio - also wie es jedem gefällt) und einem Rest- (Aktien-Rückkauf- ) Betrag von ca. 500 Millionen (oder 350 oder 450) nach 15 oder 20 Jahren. Wie auch immer, das sind zusammen irgendwie stolze ca. 1,5 Milliarden Mark, aber es sind eben "nur" 1,5 Milliarden DM (und nicht die marktüblichen 2,5 Milliarden.)
.

Da ist durchaus mal ein Vergleich angebracht:

Ascend wurde 1998 verkauft
an Lucent Technologies

Darum hier etwas über ASCEND und LUCENT : Mory Ejabat, der Boss und Mehrheits-Eigentümer von Ascend Communications hatte 15 Jahre später im Jahr 1998 seinen ebenfalls privaten "kleinen" 3000 !!! Mann Laden für stolze 23,9 Milliarden !!! Dollar - sie lesen richtig: über 48 Milliarden Markt und fast alles bar - erfolgreich an den weltgrößten Telekommunikations Konzern "Lucent Technologies" verkauft oder "verpokert". (Unbestätigte Gerüchte sagen, der Ascend Laden war damals schon nicht mal mehr eine Milliarde Dollar wert.)

Übrigens, Lucent ist inzwischen (oder war damals bereits) nahezu pleite und wird (in 2006) gerade bei Alcatel "eingemeindet". Inzwischen (2009) verschwindet der Name Lucent mehr und mehr.

In 2012 kennen den Namen Lucent nur noch die älteren unter den eingefleischten EDV Leuten. Gleiches gilt für Nortel und Bay-Networks oder Berkeley Systems und die vielen anderen ehemals Großen der Branche. Wer redet heute noch von SCO, der ehemals sehr bekannten und innovativen "Santa Cruz Operation".
.

Auch mit 75 noch pfiffig, der alte Max.

Bei Grundig war das mit den 20 Jahres-Raten "als Dividende" mit Sicherheit nur getarnt, also ganz sicher das Steuersparmodel seiner Berater (und er hatte bei den Finanzen immer gute Berater.) Bezüglich dieses "relativ niedrigen" Preises hatten vermutlich alle Beteiligten (außer ihm) eingesehen, daß der Zenith seiner Erfolge bereits überschritten war. Und darum war es für den mehrjährigen Kooperationspartner Philips "aus damaliger Sicht" immer noch ein attraktives preiswertes Schnäppchen auf Ratenzahlung.

Am 1.4.1984 musste der Patriarch weichen.

Und das tat (ihm) weh, sehr weh und das hatte er so nicht geplant und dann auch zeitlebens nicht mehr vergessen.

Nach einigen Zeitzeugenberichten haben an diesem 1.4.1984 die neu eingetroffenen Philips-Manager den alten Chef Max Grundig nach einem hitzigen Wortgefecht für immer des Hauses (seines "ehemaligen" Hauses) verwiesen. - Ein Satz von dem neuen Philips-Chef sollte ihm noch lange in den Ohren klingen:

"In diesem Zimmer sitzt der Chef und der Chef bin jetzt ich. Guten Tag Herr Grundig."
.

In einer (vermutlich letzten) Rede vor dem Aufsichtsrat sagte Max Grundig kurz vor dem Philips Deal sinngemäß:

Auf die Dauer wäre er alleine gegen die Japaner nicht angekommen. Wenn Philips es zusammen mit seiner Firma nicht schaffe, die Japaner zu stoppen, dann gehen hier in Europa reihenweise mehrere !!!! 100.000 Arbeitsplätze verloren. Dann finanzieren wir mit unserer Arbeitslosen- versicherung die japanische Unterhaltungs-Industrie.

 

Und wie Recht er damit hatte. Sie sind fast alle weg, die Grundig- Arbeitsplätze und fast alle anderen Arbeitsplätze in der Unterhaltungsgeräte- Industrie auch.

.

Was Max Grundig mit Henry Ford gemeinsam hatte . . .

Henry Ford wurde mal gefragt, warum er nicht auch automatisiere und Roboter aufstelle. So soll er darauf geantwortet haben, "jeder Arbeiter, der bei ihm Autos baue, werde irgendwann eines davon kaufen, die Roboter aber nicht".

 

Grundig wurde bei einem der Festakte in Bayern dafür gelobt, daß er in einer eigentlich ländlichen Gegend immense Mengen an Arbeitsplätzen geschaffen habe. Er sagte dazu ähnlich wie Ford, seine Leute sollen sich seine Produkte auch leisten können, darum würden sie gut bezahlt. Interne Quellen erzählen, daß Max Grundig in den späten 70ern stinke sauer darüber war, daß auch seine eigenen Leute zuletzt den billigen Kram aus Japan seinen Produkten, die sie ja selber entwickelten und produzierten und mit denen sie ja auch ihr Geld verdienten, vorgezogen hätten.

 

Und das ist scheinbar eines der Schlüsselerlebnisse auch eines Max Grundig gewesen. Die Mitarbeiter verdienten bei ihm wirklich gutes Geld und gaben es dann doch (unloyal) für billige (oder billigere) japanische Produkte wieder aus.

Der Niedergang dauerte bis über 1996 . . . .

Als Max Grundig ähnlich wie Willi Studer in der Schweiz den Niedergang seiner verkauften Werke nicht mehr aufhalten konnte und beide dann (manche behaupten: "daran") gestorben waren (Max Grundig starb 1989 im Alter von 84 Jahren), wurden und waren bei Grundig/Philips natürlich die vertraglichen jährlichen Kaufpreisforderungen nach wie vor fällig. Willi Studer hatte z.B. seinen Kaufpreis von (im Vergleich sicherlich überaus mageren) 30 Millionen Franken (die Firma Studer war damals mehr als 230 Millionen Franken wert) sofort nach dem Verkauf erhalten.

Die Grundig-Stiftung bekam diese jährlichen ca. 50 Millionen als "sogenannte" vertragliche "Dividende". Aber eigentlich war es eine Ratenzahlung (des Kaufpreises) von Philips an die Grundig Stiftung.
.

Die Firma Grundig sollte sich selbst "bezahlen"

Daß der Philips Konzern diese Zahlungen "aus den laufenden Einnahmen" der Grundig Werke bezahlen "wollte" und vermutlich auch eine Zeit lang gezahlt hatte, ist eigentlich ein gerne versuchter Trick von Philips (und von vielen anderen Firmen), daß der Milliarden-Kauf sich "aus sich selbst heraus" finanzieren sollte.

Das hatte aber nicht mehr funktioniert. Philips mußte am Ende aus Holland das (Kauf-) Geld an die Grundig Stiftung überweisen und noch viel mehr rein buttern, denn Grundig war ganz kurz nach dem Verkauf schon wieder (oder immer noch) in den roten Zahlen. Nach diversen internen Quellen aus den Jahren 2006 bis 2009 soll das Grundig Experiment mehr als 1,5 Milliarden Mark Verlust für Philips gebracht haben. Mehr steht in der Chronik.

 

Als sich dann die noch die verbliebenen Mitarbeiter auf einmal lautstark um ihre Arbeistplätze "sorgten" und sowohl der (betriebsblinde) Betriebsrat als auch der (zugereiste) Obergewerkschaftler von einem ungeheuerlichen Vorgang des Ausblutens und Aussaugens seitens der Grundig Familie sprach, war für die Grundig Erben sicher das Maß endgültig voll.

 

Der Autor vermutet, daß Max Grundig an seinen letzten Tagen seinen Erben mit Sicherheit eingetrichtert (eingebleut) hatte, wenn die Leute (also seine ehemaligen Mitarbeiter) das Zeug da aus Japan kaufen, sollen sie auch ihr Geld in Japan verdienen.

-

Die Presse, die Medien, die Lügen und Halbwahrheiten.

Die Medien schwammen natürlich auch auf der sensationsgeilen Meinungsmache mit und lancierten alle möglichen "Wahrheiten" und Slogans in die deutschen Wohnzimmer auf die verbliebenen "Grundig-" Bildschirme. Insbesondere wurde auf der Witwe Chantal Grundig bösartig rumgehackt.

 

Und so könnte der Spruch in einer sehr bekannten deutschen Primitiv- Billig-Zeitung gelautet haben:

 

"50 Milionen im Jahr. Die soll die Witwe (Chantal Grundig) gefälligst wieder in die Firma stecken."

 

Aber in wessen ?? Firma bitte ?? Und natürlich kein Wort davon, daß die Arbeiter dann von ihrem Lohn (für die Produktion der unverkäuflichen Grundig Geräte) überhaupt nicht loyal auch wieder nur billige Geräte aus Japan oder Taiwan gekauft hätten.

 

Denn das war das eigentliche Übel des langen Niederganges: Der Mensch ist dumm (dazu geil und geizig) und natürlich (nicht) blöd, er kauft das Billigste von seinem im Hochlohnland Deutschland erarbeiteten hohen Einkommen.

 

Kein Wort der (abgehobenen) Gewerkschaftler und Betriebsräte wie zum Beispiel in den USA (Slogan: Buy an American car !) :

 

Kauft endlich wieder deutsche Geräte.

 

Da wurde von "interessierter Seite" einseitig genörgelt, gehetzt und diffamiert und vor allem gelogen, daß sich die Balken biegen.

 

Alle Biographen ohne Ausnahme attestieren der Vorsitzenden der Grundig Stiftung, Chantal Grundig, sie sei intelligent und sympatisch. Darum wohl kam aus dieser Richtung selten ein Kommentar zu den damaligen Vorgängen, zumal Max Grundig bereits verstorben war.

 

Aus heutiger Sicht kann der Autor nur ergänzen, wenn Chantal Grundig jemals in die maroden Restbestände der ehemaligen Grundig/Philips Werke 50 Millionen oder mehr reingesteckt hätte, sie hätte es eigentlich gleich im Fürther Stadtwald vergraben oder nach Japan, Taiwan, Korea oder China überweisen können.

 

Ein trauriges aber hausgemachtes Ende der größten Deutschen Vorzeige- Firma. Die nahezu vollständige Chronik der Grundig Werke finden Sie hier.

 

Und wie war es mit dem extrem billigen rumänisch bulgarisch littauischen Gammelfleich im Sept. 2006 ? Geiz ist eben geil (und leicht "schimmlich") und natürlich vergesslich.

Wir sind doch nicht blöd . . . . . oder vielleicht doch ???

- Werbung Dezent -
© 2001/2017 - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - Germany - Wiesbaden - Impressum und Museums-Telefon - zur RDE-Seite - NEU : Zum Flohmarkt