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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Hier eine kurze Willi Studer Mini-Story
und wie es einst anfing . . .

Willi Studer auf dem Gipfel

Es gab in dieser Branche nur ganz wenige Menschen, die (in Europa) als Personen erstaunliches geleistet haben. Neben Max Grundig (ca. 34.000 Mitarbeiter), den Gebrüdern Steidinger (Dual. ca.3.500 Mitarbeiter) und vielleicht noch den Brüdern Brunner-Schwer (Saba, ca. 4.500 Mitarbeiter) war dies vor allem Willi Studer (1912-1996) aus der Schweiz. Die anderen fähigen Personen sind meist unter einer Marke (z.B. AEG oder Telefunken) "begraben" worden. Wir sollten dennoch den Japaner Akio Morita, den Gründer von Sony, nicht vergessen.

 

Doch nun zu Willi Studer. Angefangen hatte es so um 1947 oder 1948, als der ehemalige Züricher Zahnarzt Dr. Caspar auf seinen Reisen um die Welt unter anderem wieder etwas völlig Neues aus den USA mitgebracht hatte. Dr. Caspar suchte nämlich immer nach Neuem, das er hier in Europa (natürlich zuerst in der Schweiz) gewinnbringend verkaufen konnte. Irgendwie wollte auch er möglichst bald reich werden. (Das probiert übrigens der Autor auch schon seit 35 Jahren).

Die Revox T26 - eine der ersten Studers - vormals eine Dynavox

So stolperte er 1947 über das Soundmirror Papier- Tonbandgerät BR40 von der Firma Brush Development Company of Cleveland, Ohio. Der erste Soundmirror (Draht Recorder) war zwar in den USA ab 1940 ein Hit, der spätere Papierband Soundmirror (ab 1944) dagegen ein Flop. Der basierte auf dem bereits damals völlig veralteten (sensiblen) Papierband (Konstruktion von Samuel Begun), der den Kontakt zu den Deutschen Kollegen von AEG nach 1936 verloren hatte. Er mußte nämlich flüchten.

 

Man spricht von 200 oder mehr Soundmirror Geräten, die Dr. Casper auf 50 Hz umrüsten ließ. Gleich beim Auspacken (1948) merkte Dr. Casper beim ersten Gerät, diese US Kisten vibrierten und plärrten ganz fürchterlich. Es war nichts mit den sagenumwobenen Schnäppchen und dem dicken Profit. Er hat das zwar bei Brush reklamiert, doch die meinten, das sei so in Ordnung. So war er stink sauer und packte die "Dinger" in seinen Keller, "er lagerte sie ein".

 

Irgendwann in 1949 kam ein Freund (Ernst M.Egli) zu Besuch, dem er von dem schlechten "Deal" erzählte (oder etwas vorjammerte). Der Freund wiederum knüpfte die Verbindung zu jenem jungen pfiffigen und intelligenten Willi Studer, der für seine Vorträge für Lehrlinge in der Berufsschule schon einige "Revire" und "Telefunken" Bandgeräte zerlegt hatte, ähnlich, wie es der Autor heute wieder macht. Bei Dr. Casper kam nach Jahren des Wartens Hoffnung auf und so wurde der 27jährige Willi Studer (angeblich) eingeladen, "doch mal zu gucken".

 

Der Autor vermutet, daß die Amis lediglich den (kleineren) 60 Hz Motorpulli gegen einen (größeren) 50 Hz Pulli ausgetauscht hatten und den Phasenschieber Kondensator des 60Hz Spaltpol Motors einfach so gelassen hatten. (W.Studer erinert sich anders.) Es gab natürlich noch andere mechanische Macken bei dem Soundmirror. Bei einem falschen Kondensator muß der Motor dann vibrieren. Jedenfalls bei den RCA 16mm Filmprojektoren (aus den USA) war es etwa 1960 auch noch so. Der Vater des Autors (Gerhard Redlich) hatte hunderte von Kondensatoren getauscht, dann liefen die. Ob der Willi Studer noch mehr modifiziert hatte und evtl. was, ist nicht mehr bekannt.

 

Erfahrung mit "Partnern"

Auf jeden Fall löste Willi Studer das Problem und die eingelagerten Brush Soundmirror BR40 wurden "verkäuflich" und wurden scheinbar auch verkauft. Es gab damals nichts (oder sehr sehr wenig) auf diesem Markt. (Grundig hatte ja auch erst 1951 mit seinem ersten Bandgerät angefangen und in diesem Bandgeräte- Vakuum sehr großen Erfolg).

 

Und Studer hatte vom ersten Moment an eine eigene Idee, wie solch ein Bandgerät aussehen sollte und konstruierte Tag und Nacht sein eigenes Bandgerät. Dr. Casper war begeistert, bestellte 500 Stück und übernahm die Vermarktung und nannte es Dynavox. Die Gewinnverteilung des Verkaufspreises war aber (mit 40% für den Händler und 40% für Dr. Casper und nur 20% für ihn) sehr unbefriedigend. Als er nach etwa einem halben Jahr für seine Arbeit (also die seiner Produktion) eine andere Quote besprechen wollte, kam es zum Streit mit Dr. Casper, denn der befand seinen Löwenanteil für durchaus in Ordnung.

Der eigene Weg

Willi Studer beendete die Zusammearbeit mit Dr. Caspar und dessen Firma Dynavox und entwickelte oder erdachte den später weltbekannten Namen "ReVox", die Stimme, die (aus dem Kasten) wieder raus kommt.

 

Das Dynavox war bei Willi Studer das (einmotorige) T26, das bis etwa 1955 gebaut wurde. Dann kam das erste Gerät der legendären G Serie, die ReVox A36 und jetzt als 3 Motoren Konzept. Davon wurden auf Anhieb 2000 Stück verkauft. Und 1960 kam die erste D36 in Stereo und später ab 1963 die legendäre ReVox G36 und von da an ging es bergauf mit dem genialen Tüftler und Bastler Willi Studer. Im Prinzip wurden alle Maschinen, vor allem auch die großen Studers, in Kleinserie in nahezu Handarbeit hergestellt. Erst mit der A77 mußte Studer zwangsläufig in industrieller Großserie fertigen (und er beschäftigte dann etwa 4.000 Mitarbeiter in der Schweiz und in Deutschland). Davon sollen dann ca 470.000 Stück gebaut worden sein.

 

Nach einem Höhenflug (der Firma) nach dem anderen kamen auch Tiefs, als z.B. die wichtigen Studer Tonköpfe monatelang nicht gebaut werden konnten bzw.nicht oder nur kurz funktionierten oder als ein guter Mann frustriert zu Sony abgewandert war.

Im Zenith des Erfolges.

Doch auch Willi Studer (genannt "Vater Studer") wurde älter und so nahm er 1990 (er war da 78 Jahre alt) die Gelegenheit beim Schopf, sein Unternehmen für 30 Millionen Franken an einen an der Unternehmens-Nachfolge interessierten Investor und Landsmann zu veräußern. Jetzt rächten sich sowohl die Versäumnisse der Vergangenheit als auch die Unkenntnis dieses neuen Mannes und es ging steil bergab. Der wollte (so kam es nach dem Kauf erst raus) eigentlich nur abkassieren und rammt das Unternehmen Studer in Grund und Boden, also in die Insolvenz.

 

Die selbstbewußten guten Leute gingen in atemberaubendem Tempo zum Wettbewerb oder ganz woanders hin und die Potenz in der Entwicklung blutete zu einer Zeit aus, als die Japaner auch den weltweiten Tonstudio-Bereich übernahmen und diese Entwickler dringend gebraucht wurden.

 

Das gab dem Betrieb fast den Todesstoß. Dann wurde die Firma Studer in einer dramatischen Rettungsaktion gesplittet in Studer (Schweiz) und ReVox (Deutschland). Sicher waren auch vom alten Chef Fehler bei der Vorbereitung einer Nachfolge gemacht worden, wie man hinterher immer feststellen kann.

Der Abschied

Doch die eigentliche Ursache war, man konnte einen Willi Studer einfach nicht ersetzen. Eine lebende Lokomotive für die Motivation, die Tag und Nacht unermüdlich gearbeitet hatte, war irgendwann ausgebrannt. Und die Mitarbeiter hatten das ja gesehen, wenn der Chef sie Jahr um Jahr Morgens um 7.oo Uhr mit Handschlag begrüßte und wenn er dann Abends um 8 immer noch in seinem Labor werkelte. Wenn der mal weg wäre, so unkte man, das wäre das Ende.

 

Auch hatte Willi Studer nicht oder erst sehr spät realisiert, wie die moderne Chip-Technik das Preisgefälle von seinem super Studio- Equipment zu nahezu gleich gutem Semi Profi-Equipment rasant auf Null setzte. Die Erträge brachen "unter dem Hintern" weg. Die Preise auch im (eingermaßen geschützten) Studiobereich verfielen rasant.

 

Ein Beispiel: Der Autor hatte sich 1992 einen Sony DAT Recorder DTC-55-ES gekauft für etwa 1600.- Mark. Die damit gemachten Aufnahmen von einem Streichquartett (nur zwei edle dynamische Neumann Mikrofone) in einer kleinen Wiesbadener Kirche konnten von der Tonqualität mit allen vorhandenen teuersten Platten der Deutschen Grammophon und von Decca locker mithalten.

 

Wie habe ich bei Max Grundig geschrieben :

 

Und die Moral von der Geschicht - vergiß dein eigenes Alter nicht.

 

Da gibt es ganze Bücher drüber, die den Willi Studer und sein Lebenswerk verklären wie einen unfehlbaren Gott, wie auch in manchen Foren ein ganz anderes Bild vom Willi Studer dargestellt wird. Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte.

 

Willi Studer war immer ein ganz einfacher Mann geblieben, der sein ganzes Leben mit den Füßen auf dem Boden blieb und der auch noch Nachts und an Wochenden am liebsten in seinem Labor gearbeitet hatte. Egal, wie es woanders dargestellt wird, er war völlig konträr zu einem Max Grundig, der ja mit fortschreitendem Alter recht weit abgehoben hatte.

 

Die, die ihn persönlich kennen, werden ihn nie vergessen und immer sehr schätzen.

 

Es gibt da einen Film vom Schweizer Fernsehen von 1994, also etwa 2 Jahre vor seinem Tod, in dem Willi Studer zu den alten Zeiten befragt wurde und freizügig Auskunft gegeben hatte.

 

Der Film mit dem Titel "Spulen der Zeit" abgewandelt aus der Serie "Spuren der Zeit" wurde damals auch in 3SAT gezeigt. Wir haben von einem Freund eine Kopie bekommen. (Und dazu auch noch einen Film über Max Grundigs Lebenswerk, der in 2006 in der ARD gezeigt wurde.)

 

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