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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Das UHER SG 630/31 war 1976/77 das letzte große UHER.

Auch bei UHER ging es nach dem Höhenflug der Erfolgskurve erst langsam und dann steil bergab, genauso wie bei Grundig und Telefunken und Braun und all den anderen. Wenn Sie das Grundig TS1000 und das Braun TG1000 und das UHER SG 630 und das ASC 6000 vergleichen, die sehen doch fast alle gleich aus oder ? Ich habe jetzt bereits mit mehreren SG-630/631 Besitzern gesprochen, die gleichlautend sagen, es sei hier erschreckend viel Plastik sichtbar und vor allem anfaßbar "verbaut" worden, und es sei kein Vergleich mit der ASC 6000 oder dem Braun TG 1000. Wir haben jetzt ein SG-630 bekommen.

Es sieht wirklich toll aus.

So nach und nach kommen die brisanten (Hinter- grund-) Informationen zusammen, die wir bislang nur vermutet hatten.

Also, das SG-630 mit der Omega- Umschlingung hatte so gut wie nie auf Anhieb funktioniert. Die Konstruktion der Umschlingung des Capstans war mit solch engen (Reibungs-) Toleranzen "festgezurrt" = spezifiziert worden, daß sehr viele oder fast alle SG-630er Geräte nach wenigen Tagen oder Wochen wieder zurück kamen.

(Böse Zungen behaupten, nur Grundig sei da besser gewesen, da kamen wirklich "alle" VCR und Video 2000 Recorder wieder zurück, wirklich alle.)

Die Justage des 630 war extrem sensibel und kompliziert. Diese (neuen oder defekten) Geräte, ob bereits verkauft oder noch beim Händler, wurden in einer eigenen kleinen Halle modifiziert und hießen von da an SG 631. Die Leute (sogar die Chefs) vom UHER Service hatten gleich am Anfang der ersten SG-630 Rückläufer ganz laut um Hilfe geschrien. Aber es war bereits zu spät, die "Fehlkonstruktion" war am Markt und keiner durfte es laut sagen. Uher hatte da zu der Zeit schon immense Absatz-Probleme.

Versuchte Inbetriebnahme Jun 2010

Jedes dieser SG-630 Geräte hatte irgendwo seine Stärken und Besonderheiten, der Fachmann vom Marketing spricht von sogenannten Alleinstellungs- merkmalen. Die Uher Merkmale wollte aber zu der Zeit auch schon niemend mehr. Mehr über das Uher SG-630 und seine Interna finden Sie bei uns unter Einblicke.

UHER produzierte sogar mal für Braun das TG 1020 (Kommentar 1: stimmt aber überhaupt nicht und wurde vermutlich als dummes Gerücht gezielt gestreut - Kommentar 2: stimmt aber doch, wurde mir dann von den ehemaligen Braun Chefs bestätigt, das TG 1020 kam nach 1972 komplett aus München !!) und darum seien die Ähnlichkeiten so frappierend. (Mancher böser Mensch sprach nicht ohne Grund auch von abgekupfert oder geklaut.)

So weit bekannt ist, war auch die Entwicklung des SG630 so um 1976/1977 abgeschlossen, also fertig.  (Zu dieser "späten" Zeit war das TG 1020 bei Braun bereits komplett aus dem Programm gestrichen worden.) Das SG631 war also nicht eines der jüngsten und letzten SG630 Band-Geräte bei UHER, sondern die reparierte / modifizierte Version der SG630 Rückläufer oder Austauschgeräte. Die voll elektronisch/optische Bandzugregelung war angeblich schon recht ausgefeilt und voll IC transistorisiert und auch sonst wurden schon die modernsten ICs dieser Zeit verwendet. Geholfen hat es auch Uher nichts. Die Zeit der Boliden, und waren sie noch so imposant und gut, die war einfach abgelaufen.
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Es gibt ein UHER Buch im Handel. (Ankündigung vom Okt 2007)

Das Buch ist erschienen - siehe hier.

Ein "besonderes" Konzept, dieses SG 630

Auf der "Hoch-" zeit der Tonband- Boliden (also der Blütezeit), da brauchte ja jeder seinen Rolls Royce, und da mußte man außer den 26er Alu Spulen samt 3 oder 4 Motoren Laufwerk noch irgend "etwas Besonderes" bieten.

UHER bot die Omega-Umschlingung der Capstan- Welle anstelle der Gummi-Andruckrolle. Ob dieses Konzept wirklich aufgegangen ist ? Also "allein selig machend" war es auch nicht.

Die SG630/631 Besitzer mailen uns haufenweise, je nach Bandmaterial seien die Aufnahmen immer verschieden schnell. Was für ein Schmarren, wenn ein so edles Gerät so bescheiden oder mit nur einem Band-Typ (von hunderten) funktioniert.

Die Band-Start Zeit verlängerte sich doch auch noch um Einiges. Und so war gegen den simplen und problemlosen Aufbau einer Revox A77 kein Stein zu gewinnen. Wieder wie damals beim UHER Royal eine wunderschöne, alles könnende, super tolle, typisch deutsche "Spezial-" (Fehl-) Konstruktion mit allen ihren Macken und Problemen.

(Ich möchte trotzdem solch ein 630/631 noch mal haben. Wer meldet sich ? Vielen Dank, wir haben 2 Stück 631 bekommen.) Die 630er in Lindenfels darf ich nämlich nicht auseinander nehmen. Wie gesagt, wir haben zwei geschenkt bekommen, ein fast neues Gerät sogar. Mehr über das Innenleben kommt im Bereich Einblicke.

Was war so toll an diesem UHER 630 Logic ?

Es sollte das Spitzenmodel von UHER werden, das Aushängeschild wie bei Merzedes der 600er, der eigentlich nur da ist, um die kleinen (Autos) in Mengen zu verkaufen. Von den technischen Daten war es das feinste UHER in der Palette. Und es war wie auch bei Max Grundig das TS1000 das erste mit 3 Motoren und 26,5er Alu Spulen.

Das UHER 630 ist eines der flachsten Bandgeräte in dieser Klasse und nutzt die zu jener Zeit modernste Elektronik. Auch die gut gestylte schwarze Optik vermag heute noch die Technik-Gurus zu überzeugen, es riecht ein wenig nach Braun TG1000 und ASC6000. Die Größe und die Anordnung der Tasten und Knöpfe wäre vielleicht verbesserungswürdig, doch das Gerät glänzt mit der absolut simplen Einfädelung des Bandes. Das hat es vielen vielen anderen teureren und bekannteren Geräten voraus.

Auch die Anzeigeinstrumente und die Regler und das Mischpult sind gelungen. Wenn man durch die Öffnungen rein guckt, erfreut vordergründig das typische UHER Druckgußchassis, das manchen anderen Geräten gut täte oder vielleicht doch nicht.

Doch die Wahrheit über das 630/631 ist sehr bescheiden.

Im Aug/Sept 2006 hat der Autor so nach und nach mehrere damals in die Fabrikation und in den Support involvierte Mitarbeiter am Telefon gehabt. Für das 630 bzw. die Massen der Rückläufer wurde alsbald eine eigene kleine Halle bereitgestellt und die Funktionalität wurde durch Ergänzungsplatinen und "spezielle Justagen" so gut es ging wieder hergestellt. Angeblich gingen die meisten 630er schon ganz kurz nach dem Auspacken nicht mehr, insbesondere wenn das erste beigelegte Uher Tonband durch andere Band- Fabrikate ergänzt worden war.

 

Das Problem der Omega-Umschlingung war "draußen im Feld" dermaßen prekär geworden, daß der Entwickler schon recht bald "verabschiedet" wurde, auf Nimmerwiedersehen, sagten mehrere der Gesprächspartner. Er wurde also gefeuert.

 

Es muß aber bei Uher dennoch mehrere Entscheider weiter oben gegeben haben, die die Produktion auf Grund des (funktionierenden) Prototypes genehmigt hatten. Und das hat sich als kapitaler Fehler herausgestellt. Konnte Grundig seinen TS 1000 Flop noch (eine Zeit lang) mit den Farb-Fernsehern ausgleichen, die Uhers hatten aber keine Fernseher oder sonstwas im Programm. Der Image Schaden wurde geschickt heruntergespielt, doch ganz unterdrücken konnte man das aber auf längere Sicht nicht.

 

Die damals Beteiligten berichteten regelrecht traurig, damals erkennen zu müssen, daß so etwas sogar bei "dem" Tonbandgeräte- Spezialisten wie Uher, also ihrer Firma, passieren konnte. Einer sprach sogar davon, daß diese 630er Konstruktion den Grundig Video 2000 Recorder Flop (120 Tausend defekte fabrikneue Geräte) getoppt hätte und das wollte schon etwas heißen, denn laut pensionierter interner Grundig Quellen waren die gesamten Grundig VCR und Video 2000 Konstruktionen ein einziges 10 jähriges mechanisches Dissaster.

Es gab aber noch mehr Gründe für den Flop und auch das Scheitern dieses so zukunftsträchtigen UHER Werkes.

Zum einen hatte offensichtlich keiner der Oberen bei UHER mitbekommnen, daß da draußen im Feld sich die japanischen Receiver zu Tausenden breit machten und das mit hoher Qualität zu unschlagbar günstigen Preisen. Dann in diesem Markt mit einer eigenen Stereoanlage als ausgewiesener Magnetbandspezialist mitmischen zu wollen, war wirklich völliges Verkennen einer abzusehenden und nicht mehr zu bremsenden Entwicklung.

Die Braun AG hatte später (1989) bei Hifi die Notbremse gezogen, bevor das Schiff zu sinken begann. Das UHER 630 hatte 1977 immer noch DIN Buchsen und DIN Pegel an Ein- und Ausgängen. Das war nicht mehr zeitgemäß.

Jeder Popelverstärker hatte Cinch Buchsen und die 3,5mm Kopfhörer-Klinke gratis an Bord. UHER hatte aber da auch (zwei) 5pol DIN Buchsen (Würfelstecker). Dafür gab es zu der Zeit (1977) aber schon keine Kopfhörer mehr, außer bei Uher.

Das Motorengeräusch bei der Omegaumschlingung sprengt alls Dagewesene. Meine Geräte hier röhren alle drei gar fürchterlich. Was bei der Revox A77 und B77, der AC 6000 und der Braun TG1000 und den meisten Japanern mit einem gedämpften sonoren satten Klack oder Plums startet, ist hier abschreckend.

Das Gerät hat nicht nur keinen Griff und auch noch eine zum Tragen ungünstige abgerundete Form. Also Tragen oder Transportieren ist mühselig, bereits das simple Aufstellen macht Probleme, wenn man die speziellen UHER Füße nicht mehr hat.

Mein eines Gerät hier ist noch sehr gut erhalten, die Köpfe sind (mit der Lupe beäugt) sehr sehr wenig eingeschliffen - im Prinzig gar nicht angeschliffen. Es hat wirklich nicht viel gelaufen, vor allem mit den wenigen Bändern, die der Besitzer hatte. Doch der linke Wickelteller schien sich bereits nach ganz kurzer Zeit locker zu rütteln. Die 26,5er Alu-Spule eierte !!, so etwas hatte ich noch nie gesehen, außer bei den vom Sperrmüll geholten TEAC und AKAI Schlachtschiffen (zum Ausschlachten gedacht).

Das Festziehen ist sehr mühsam, auch wieder mit einer Revox nicht zu vergleichen und man hätte doch solche lapidaren Techniken leicht abkupfern können.

Bereits diese wenigen Kriterien hätten mich bereits damals (wenn ich mir soetwas hätte leisten können) zur Rückgabe motiviert. Denn das mit dem eigenwiligen Omega Drive kommt noch.

Lesen Sie etwas über die Wiederinbetriebnahme nach 10 oder mehr Jahren.
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