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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Die Spuren auf dem Tonband, erst 1, dann 2, dann 4 . . .

ein AEG Vollspur-Kopf

Am Anfang (etwa 1934/39) war es wichtig, daß überhaupt irgend etwas auf dem Band drauf war. Denn dann brach richtiger Jubel und Begeisterung unter den Laboringenieuren aus. Man brauchte es auch nicht weiter irgendwie zu benennen, es gab ja nur eine Spur und da war endlich ein Ton drauf und fertig.

Heute sprechen wir von "Vollspur" (Bild rechts ein Telefunken M10 Magnetkopf). Denn es gab erst danach die sogenannte "Halbspur". Nämlich etwa ab 1941 experimentierte man bei der AEG mit 2 Spuren gleichzeitig, um diese blöden Bandfehler, also die "Dropouts", zu elemenieren.

Das Band (-Material) war noch so mäßig in seiner mechanischen Qualität, daß es immer mal wieder kleinste unbeschichtete Stellen oder (magnetische) Löcher gab. Es klappte aber nicht, den gleichen Ton auf zwei Spuren gleichzeitig aufzunehmen und bei der Wiedergabe einfach nur zu addieren. Sogenannte Phasenverschiebungen und damit hörbare Auslöschungen (also künstliche Schweigesekunden) waren die Folge.

Die (Mehr-) Spurlage - Die Hobbyisten hatten kein Geld.

Halbspurköpfe von Willi Studer
Viertelspurköpfe auch von Willi Studer

Dann experimentierte man bei der AEG schon 1942 (zusammen mit BASF Records) mit Stereo und hatte 2 Kanal Halbspur. Für die Profis alles kein Problem, die hatten ja sowieso Bandmaterial ohne Ende.

 

Doch nach dem Krieg ging es mit den Hobby- Tonbandlern erst mal mit Mono und Halbspur weiter und man wollte das Band umdrehen, um die "zweite Seite", also die andere Spur zu "bespielen". Es war damals ganz einfach eine Kostenfrage.

 

Doch mit welcher Spur fängt man an ? Oben oder unten ? Jetzt erst sind wir bei dem Begriff der "Spurlage". Als man auf die Idee kam, das 1/4" Band sogar mit 4 Spuren zu beschreiben, wurde die Lage prekär. Dem Hobby- Tonbandler war es eigentlich ziemlich egal, auf welcher Spur er was aufgenommen hatte, Hauptsache, bei "seinem" Gerät kam es auch wieder so runter. Alleine die Hersteller wollten in alle Welt exportieren und mußten irgendwie untereinander kompatibel sein. "Wer" sagt also, wie es gemacht werden soll ?

 

Das wurde erstmalig 1951 festgelegt bzw. "empfohlen". Die sogenannte internationale Spurlage (und auch die Geschwindigkeiten) wurde von einer CCIR Kommission in der Schweiz definiert und dann von den Herstellern, die in den Startlöchern standen, "implemeniert, also übernommen.

Die BASF schreibt 1955, daß auf der IEC Tagung im Sept 1954 in Philadelpia die neue internationale Spurlage festgelegt worden sei. Das ist verworreen, da in dem BASF Heftchen die Viertelspurtechnik noch gar nicht vorkommt.

Die alte deutsche und die neue internationale Schichtlage

alte deutsche Schichtlage
neue internationals Schichtlage
und im Home-Bereich

Dann gab es noch etwas zu beachten, insbesondere beim Rundfunk. Wie lief das Band an den Köpfen vorbei ?

 

Das Magnetband-Material bestand in der zweiten Generation (also etwa ab 1935) aus zwei Schichten, der eigentlichen Trägerschicht und der aufgebrachten Magnetschicht. Bei den alten deutschen AEG Magnetophones wurde das Band mit der Magnet- schicht nach außen aufgewickelt. Es muß triftige Gründe dafür gegeben haben, anscheinend in der Haftfähigkeit der Magnetschicht auf der Trägerschicht in Verbindung mit dem unterschiedlichen Biegeradius der beiden Schichten bei engen Biegungen.

 

Mit dem Umstieg von Acetyl Cellulose Bändern auf Type L PVC Bänder 1943 hatte man endlich auch einen flexibleren Träger und es hätte schon funktioniert, aber man blieb in Deustchland bis lange nach dem Krieg bei der alten deutschen Schichtlage.
Es gab noch einen zweiten Aspekt bezüglich der Schichtlage, den Kopiereffekt.

Ein Gast schreibt:

Mit der Deutschen Schichtlage hat es folgendes auf sich:

Wenn man ein Tonband lange Zeit lagert, kommt es zum sogenannten "Kopiereffekt" - der (laute) Inhalt einer Wicklung kopiert sich durch den eigenen Magnetismus auf die nächste Wicklung. Das führt dazu, daß man ein "pre-echo" bekommt: man hört die eigentliche Aufnahme in einer leiseren Kopie, bevor sie eigentlich einsetzen sollte. Wenn man das vermeiden will, muß man das Band "tailed-out"-lagern, also "auf Ende". Somit fällt das "pre-echo" IN die Aufnahme hinein, anstatt DAVOR - somit fällt sie nicht mehr auf. Das heißt jedoch, daß man erst das ganze Band zurückspulen muß, bevor man es abspielen kann.

Um diesen Umstand zu vermeiden, also die Bänder "auf Anfang" lagern zu können (schneller Zugriff ist im Rundfunk genauso wichtig wie lange Lagerbeständigkeit), wählte man damals noch sehr lage Zeit die sogenannte "Deutsche Schichtlage", die es erlaubte, Bänder "auf Anfang" gespult zu lagern und trotzdem keinen störenden Kopiereffekt als "pre-echo" zu haben.

Ein DLT Data Band auf der Spule
der Magnetkopf "guckt" von außen auf das Band

Bei DLT Data Bändern (in Kassetten) ist das jetzt anders :

Aber auch hier mußte man sich zuerst wegen des Exports (der Open Reel Geräte) in die ganze Welt dem neuen Weltstandard angleichen (oder beugen) und das Band wurde von allen Herstellern von jetzt an mit neuer internationaler Schichtlage, also mit der (empfindlichen Magnetschicht) nach innen (auf-) gewickelt.

 

Bei den DLT Kassetten-Bändern, die ja in geschlossenen "Behältern" wohnten, konnte bzw. mußte man das wieder ändern. Dort liegt die Magnet-Schicht wieder außen. Bei den Daten-Bandgeräten (mit Kassetten) der DLT und S-DLT und LTO Technik ist es ebenso.

 

Und bei den Data Magnetbändern so etwa ab 1994 (zum Beispiel DLT 4000) gab es dann ein Dreischicht Magnetband mit einer antimagnetischen Sperrschicht in der Mitte. Damit gab es keinen Kopiereffekt mehr und damit war das größte Problem in der sensiblen Datentechnik (zero Toleranz gegen Fehler) gelöst.

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