Sie sind hier : Startseite →  Die Anderen (DE)→  Exoten 2→  Das Tefifon

Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Das Schall(film)band, genannt das Tefifon oder auch Tefiphon

Tefiphon - eine Entwicklung der Gebrüder Steidinger (DUAL) ? Die historischen Überlieferungen gehen hier weit auseinander. In dem Buch über das Tefifon von 1995 (von Herbert Jüttemann) steht nichts über die Firma Dual. Ob das nicht gepaßt hatte ? Andere Quellen (die Funk-Technik und die Funkschau um 1950 herum) sprechen etwas Anderes.

Mitte der dreißiger Jahre
erhielt das Unternehmen (war das wirklich DUAL ?) den Auftrag, Prototypen für ein neues Schallspeicher- system (mit) zu entwickeln. Doch bereits ein paar Jahre zuvor hatte ein Dr. Karl Daniel die schon existierende Idee eines Endlosbandes aufgegriffen und kombinierte sie nun mit der Gravur der Schallplattenschrift.

Er benutzte dazu 35mm Normalfilm mit Perforation, der mit einer schneidfähigen Schicht zur Tonspeicherung versehen ist. Die auf dem Band nebeneinander angeordneten Rillen ergeben zusammen mit einer im Vergleich zur Schallplatte minimierten Rillenaus- lenkung eine Spieldauer von mehreren Stunden!

Das endlose Kunststoffband
, auf welchem die Schallrillen eingepresst sind, läuft dabei an einem feststehenden Tonabnehmersystem vorbei. Es handelt sich also um eine Kombination von „Tonband und Schallplatte''. Das Gerät hört auf den Namen Tefiphon (für Aufnahme und Wiedergabe) bzw. Teficord (nur Wiedergabe). In St. Georgen werden Prototypen dieser Geräte entworfen. Zur Abtastung des Schallbandes wird ein magnetischer Dual Tonabnehmer eingesetzt. Ab 1938 wird die Fertigung der Tefifon geräte in das neue Werk der Dr. Daniel Gesellschaft in Köln-Porz verlegt.

Nach dem 2. Weltkrieg stellt die Tefi-Apparatebau Dr. Daniel KG im Jahr 1950 dann ihr "Tefifon" für den Heimgebrauch vor. Die Konstruktion wird vereinfacht: Das endlose (Film-) Band jetzt ohne Perforation befindet sich nun geschützt in einer Kassette und ermöglicht eine Spielzeit von ca. einer Stunde. Auch ein Kombigerät zur Abtastung von Schallplatten und Schallbändern ist im Programm. Später wird die Laufzeit durch größere Kassetten auf vier Stunden verlängert und Ende der fünfziger Jahre werden sogar Stereo-Schallbänder produziert.

Das System verspricht zunächst erfolgreich zu werden. Doch die neie 33er Langspielplatte und das Heim-Tonband entwickeln sich zur übermächtigen Konkurrenz. Anfang der sechziger Jahre verschwindet das Tefifon Schallband vom Markt. Heute spielen nur noch Sammler und Liebhaber mit diesen Geräten.

Es muß Weihnachten 1952 gewesen sein ??

Da wurde das M-540 beworben mit folgenden Eigenschaften : "Eingebauter Heimsender, UKW, 21 Kreise, 14 Röhrenfunktionen, Plastophonlautsprecher und 10 Klaviertasten und das alles für nur 598.- DM.

Das M-640 Abspielgerät (ohne Radio) wurde mit 74 ausgewählten Stücken auf 4 Stunden "Langspielband" beworben für nur 398.- DM.

 

Und beachten Sie, bis zu 20 Monaten Teilzahlung.

 

Na, war das nichts ?

 

Doch Achtung, 1950 waren 600.- Mark damals 3 Monatsgehälter, also nicht Monatslöhne aus der Arbeiterschaft, sondern die Gehälter von "höher Verdienenden".

Es gab das "nur" Laufwerk oder ganze Radios und Musikschränke.

Hier ein paar Eindrücke, was es damals alles gab. Es folgen später auch noch Informationen, warum Dual diese Entwicklung dann verkauft hatte und nicht selbst vermarktet hatte.

 

Da gab es die Modelle KC-1 Ra Laufwerk, T-541, T-574 und die Truhe HS-19. Das System war eine Zeit lang nur Mono, da war die Perspektive einer proprietäen Entwicklung recht schnell weg.

Doch mit dem Aufkommen der Stereoschallplatte, also der 33er Langspielplatte, die 45er Singles waren noch Mono, war dann die Platte auf dem Erfolgsweg.

Fahren Sie mal nach Lindenfels in den Odenwald oder nur bis nach Pfungstadt bei Darmstadt und betrachten Sie massenweise Tefifon Geräte, die alle noch gehen.

Ergänzender Komentar vom 22.12.2009

Hallo, erstmal vielen Dank für Ihr interessantes virtuelles Tonbandmuseum.

Zum Tefifon möchte ich noch die Anmerkung loswerden, dass es in den frühen Fünfzigern auch Modelle mit Magnetband gegeben hat. Für die Chassis TTS und HS gab es einen Magnettonzusatz. Dieser bestand aus einer Kopfeinheit, die zusätzlich am Chassis befestigt wurde, einem AW-Verstärker und einem Netzteil. Die Komponenten gab es freistehend und als Einbauversion - die lustigste Variante ist das Radio M540 mit dem Laufwerk HS und eingebautem Magnettonzusatz.

Die Magnetbandkassetten hatten das gleiche Gehäuse wie die großen Vierstundenbänder, das Band war ein Endlosband mit (ich glaube ) 21 Spuren, die jeweils etwa 20 Minuten liefen Zwischen den Spuren gab es Führungsrillen, in denen die Köpfe mit einer Art Messerblech geführt wurden.

Das System war nur kurz auf dem Markt, weil es genauso teuer war wie ein vernünftiges Grundig Bandgerät, und das bei deutlich schlechterer Handhabung. Es ist schwierig, die richtige Spur zu treffen, wenn man bei der Aufnahme nicht genau aufpasst, überspielt man den Anfang mit dem Ende, und eine Pause-Schnellstop-Funktion gab es nicht. Trotzdem ist es im Nachhinein gesehen ein interessantes Stück Radiogeschichte.
Gruß FN

- Werbung Dezent -
© 2001/2017 - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - Germany - Wiesbaden - Impressum und Museums-Telefon - zur RDE-Seite - NEU : Zum Flohmarkt