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Aus der Zeitschrift "Funktechnische Monatshefte" Heft 4/1937

Nachfolgenden Beitrag verdanken wir Rolf Bürki (CRGS), der ihn "beim Blättern in alten Zeitschriften entdeckte". Es betrifft die Zeitschrift Funktechnische Monatshefte, Weidmannsche Verlagsbuchhandlung, Berlin, Heft 4, April 1937, Seite 129. Die Firma Tefi hat somit schon damals einen Tonträger in Endlos-Streifenform, sowie ein Aufnahme-Wiedergabegerät produziert. Der Streifen war nur noch nicht in einer Kassette verpackt und war auch noch breiter.

Anmerkung des Autors gr: Es fehlt jeder Hinweis auf die Mutterfirma "Gebrüder Steidinger", später als DUAL bekannt.

ELEKTROMECHANISCHE LANGZEITAUFNAHMEN:

Der grundsätzliche Nachteil der heute (1937!) im Handel befindlichen Schallplatte, nämlich die Beschränkung der Aufnahme- und Wiedergabezeit auf wenige Minuten, ist durch alle modernen Schallaufnahmeverfahren überwunden worden.

Die Lichttonverfahren des Tonfilms, die magnetischen Aufnahmeverfahren und schliesslich auch das mechanische Philips-Miller-Verfahren verwenden beliebig lange Filmbänder bzw. beliebig lange magnetische Schallträger und sind deshalb von der unangenehmen zeitlichen Beschränkung frei.

Sie sind dem elektromechanischen Aufnahmeverfahren, wie es bei der Schallplatte auch heute noch in Form der sogenannten Berliner-Schrift zur Anwendung kommt, ausserdem in klanglicher Hinsicht überlegen, so dass sich nach allen diesen Verfahren eine grundsätzlich bessere Wiedergabe erzielen lässt als mit der Schallplatte.

Das neue Aufnahmegerät "Tefiphon" wendet die allgemein bekannte Tonschrift der Schallplatte an, bei der die Schallschwingungen in Form einer gleichmässig tiefen, quer zur Bewegungsrichtung des Schallträgers hin- und herlaufenden Rille eingeschnitten werden. Als Schallträger wird ein perforierter Zelluloidstreifen in den Maßen des Normal-Kinofilms benutzt, der beiderseitig eine etwa 0,05 mm starke Aufnahmeschicht trägt. In diese Schicht wird nun die Tonrille eingeschnitten. Das Zelluloid bleibt unbeschädigt, es ist also nur der Träger.

Filme von 1 bis 100 m Länge

In das Gerät können Filme von 1 bis 100 m Länge eingelegt werden, und zwar werden die Enden des Films seitenverkehrt zusammengeklebt. Dadurch erreicht man auf einfache Weise, dass der Film pausenlos auf beiden Seiten bespielt werden kann. Auf jeder Seite lassen sich 100 Rillen unterbringen, so dass das Band insgesamt 200 Schallrillen aufweist.

Aus dieser weitgehenden Ausnutzung des Schallfilms ergeben sich für kleine Bandlängen sehr lange Spielzeiten. Da das Band bei Sprachaufnahmen 22,5 cm und bei Musikaufnahmen 45 cm je Sekunde vorwärts bewegt wird, lässt sich auf einem 1m langen Band eine Zeit von 15 bzw. 7,5 Minuten unterbringen. Die grösste Länge, die man in das Gerät einlegen kann - d.h. ein Film von 100 m - lässt demnach eine Spieldauer von rund 25 Stunden bei langsamer Bandgeschwindigkeit und von 12,5 Stunden bei hochwertigen Musikaufnahmen und schnellerem Bandablauf zu.

Zusammen mit dem Band wird eine Papierskala in das Gerät eingesetzt, die Platz für Eintragungen hat; in diese Skala kann man einzeichnen, in welcher Rille man mit einer Aufzeichnung beginnt und bis zu welcher Rille sie reicht. Nach den Eintragungen kann man später bei der Wiedergabe die Schallaufzeichnungen einstellen, die man hören will, um zu vermeiden, dass das Gerät den Film bis zur gewünschten Stelle durchspulen muss. Die Einrichtung ist lediglich jedes Mal in die Startstellung zu bringen, das ist die Stellung, die am Anfang des Bandes liegt. So wird der Beginn jeder Aufnahme grundsätzlich an den Bandanfang gelegt.

Das Tefiphon ist in mechanischer Hinsicht recht interessant, denn die Stichelführung stellt an die Genauigkeit sehr hohe Anforderungen. Aufgenommen wird mit einem Saphirstift, wiedergegeben mit besonderen Stahlstiften. Das Gerät verfügt über eine getrennte Schneid- und Abtastdose; die Schneiddose wird zwangsgeführt, die Wiedergabedose läuft frei.

Besonderer Wert wurde daraufgelegt, dass der Übergang von einer Rille zur anderen nicht ruckartig, sondern allmählich erfolgt. Ein eigenes Problem stellte die Abführung des Schneidspanes dar, desgleichen die schnelle und einfache Auswechslung des Schallfilms, die jedem Laien möglich sein muss.

Neben dem kombinierten Gerät, mit dem man beliebig aufnehmen und wiedergeben kann, wird auch ein reines Wiedergabegerät gebaut, das dem Abspielen käuflicher Schallfilme dienen soll. Dieses zweite Gerät verdient ohne Zweifel das grössere Interesse, ist es doch im Prinzip geeignet, die eingangs skizzierte Film-Sprechmaschine für Langzeitspiel zu bilden.

Dabei muss man natürlich die Voraussetzung machen, dass zum mindestens eine Güte der Wiedergabe erreicht werden kann, wie sie die besten handelsüblichen Schallplatten besitzen. Eine Wiedergabegüte, wie sie z.B. Selbstaufnahme-Schallplatten eigen ist, dürfte hierfür noch nicht ausreichen. Über die Selbstaufnahmeplatten hinauszukommen ist jedoch nicht ganz einfach, da die Bedingungen hier erheblich ungünstiger sind, als bei der in Wachs aufgenommen und später mit Metallmatrizen gepressten Schallplatte.

So ist im Hinblick auf die Film-Sprechmaschine noch längst nicht das letzte Wort gesprochen. Das Tefiphon ist ein neue interessanter Beitrag; welche Bedeutung es erlangt, wird man aber erst dann abschätzen können, wenn die Entwicklung aller Schallfilmgeräte noch ein gut Teil weiter getrieben ist. Wahrscheinlich ergibt sich dann eine ähnliche Sachlage wie auf vielen technischen Gebieten; solange man nicht die höchsterreichbare Güte verlangt, kommt man mit der mechanischen und infolge des viel kleineren Verstärkerbedarfs einfacheren Anordnung aus; fordert man aber das Höchste an Qualität, so muss man einen erheblich grösseren Aufwand treiben, d.h. vom Lichttonverfahren Gebrauch machen.

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