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Eine Betrachtung über die maximal mögliche CC- Audio-Qualität

Beginnen wir mit der CC-Kassette von Philips. Das Band ist 3,8mm breit und wird mit 4,75cm/Sekunde bewegt / angetrieben.
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Das AGFA Erbe aus Köln

Wie wir von der Entwicklung der großen Spulenbandgeräte wissen, wurde die ursprüngliche Bandgeschwindigkeit von über 75cm/sec um 1950 herum auf 38cm/sec reduziert. Dabei spielte es keine Rolle, daß das alles noch Vollspur- Bandgeräte mit 6,35mm breitem Band waren. Die geübten und trainierten Tonmeister konnten keinen hörbaren Unterschied mehr feststellen. Die AGFA Studioband- Entwickler, die die Pulver- bzw. Bandmischungen mixten, saßen bei Bayer in Leverkusen zusammen einem Labor des Dr. Rindfleisch.

Die Reduzierung der Bandgeschwindigkeit basierte nämlich auf einem neuen Band mit neuen Magnetpigmenten. Die Verfahrens- (Hardware-) Ingenieure bei AGFA "perfektionierten" dazu auch handelsübliche Tonstudio- Bandmaschinen vom Typ Telefunken M5 und später Telefunken M10 sowie die zugehörigen Aufnahme- und Wiedergabeverstärker. Wenn Sie darüber mehr lesen wollen, hier ist die AGFA Story aus kompetentem Munde, was da alles hinter den Kulissen abging.

Die Grenzfrequenz für edle Studioaufnahmen wurde von 15.000 Hz (das UKW Limit der ARD-Sender) auf 18.000 Hz (die Forderung der Plattenstudios) erhöht. Auf den gleichen Maschinen konnte diese Grenzfrequenz mit 19cm/s aber nicht mehr erreicht werden (immer innerhalb der engen Tonstudio- Tolereanzgrenzen vom IRT). Und mit 9,5cm/sec und vor allem 4,75cm/sec war es dann ganz aus, die erreichbare Grenzfrequenz sank deutlich unter 8.000 Hz.
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Die Reduktion der Spurbreite änderte nichts (bzw. nicht viel)

Als dann um 1956 Stereo aufkam (zuerst in den Rundfunk- und Ton-Studios), wurde das 1/2" (6,35mm) Vollspurband halbiert. Die Hobby-Bandmaschinen waren zu der Zeit bereits auf 1/4 Spur übergegangen. Auch dort war die maximale Grenzfrequenz bei 19 cm/sec und 18.ooo Hz zuende. Die Informationsdichte mit dieser Kopftechnologie war ausgereizt. Als dann die mit allem Möglichen angereicherten Superbänder kamen, konnte man über noch feiner gemahlene Magnet-Pigmente die Daten- und Informationsdichte noch etwas steigern. Jetzt konnten auch Bandgeräte mit nur 9,5cm/sec bis dicht an die 18.000 Hz ran. Daß in den diversen Hersteller-Prospekten reine Phantasiewerte beworben wurden, hatte Karl Breh deutlich widerlegt.

Die maximale Grenzfrequenz wurde auch durch die veringerte Spurbereite nur unwesentlich beeinflußt. Die Spurbreite hatte fast nur Einfluß auf den Pegel des aufzuzeichnenden Signals im Verhältnis zum immer vorhandenen Grund-Rauschen des Bandes und dem bei Hochaussteuerung einsetzenden Klirrfator. Das wurde als Dynamik bezeichet und sank von oft deutlich über 58db auf 52dB bei 19cm/sec.
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Die Informationsdichte bei nur noch 4,75 cm/sec

Die Grenzfrequenz der maximal aufzuzeichnenden Nutz-Signale (bei uns Sprache oder Musik) ist abhängig von der Pigment-Größe der auf dem Band befindlichen Magnetpartikel und der Spaltbreite des Aufnahmemekopfes. Die genauen Zusammenhänge beschreiben Spezialisten von AGFA und BASF auf vielen hundert Seiten.
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Als das Philips CC-Bandgerät 1963 als Modell 3300 vorgestellt wurde, waren Sprachaufnahmen und irgendwelche Naturgeräusche spezifiziert. Viel wichtiger war den Entwicklern die Bedienbarkeit und die Laufzeit der ersten kleinen C60 und C90 Kassetten (pro Seite). Auf den (ersten) Philips-Prospekten habe ich nirgendwo eine Spezifikation des Fequenzganges gefunden.
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Der Gang der Geschichte war bislang nebulös, wie Philips die Japaner für sein System überzeugt bzw. "gewonnen" hatte. Jedenfalls haben sich die Japaner für die CC-Kassette entschieden und damit den Weg für die ganze Welt vorgegegeben. Dazu haben sie intensiv an der bislang bescheidenen Ton-Qualität weiter entwickelt.

In der Ausarbeitung des japanischen SONY Ingenieurs Masanori Kimizuka finden sie jede Menge Details aus dieser Zeit nach 1965. Die japanischen Ingenieure (aller Firmen) kämpften natürlich auch mit der maximalen Informationsdichte auf diesem schmalen Bändchen bei 4,75cm/s. Eine der Lizenzbedingungen von Philips war die Einhaltung der Rahmenspezifikationen der CC-Kassette, damit sie immer und überall austauschbar bzw. abspielbar sei.
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Dreifach- und Sechsfach-Spielband nur für Kassetten

Das Band wurde immer dünner und die mechanische Labilität bei den notwendigen Zugkräften der Wickelmotoren bzw. der Wickelteller war ein weiteres Problem.

Zumindest konnten die extrem schmalen Magnetspalte die Magnetschicht des Bandes jetzt voll durchmagnetisieren. Das brachte etwas mehr Rauschabstand. An der sich steigernden Randwelligkeit (nach vielfachem Durchlauf einer Kassette) und dem oft gerade noch ausreichenden Kopfkontakt der äußeren Spuren hatte das aber immer noch nichts geändert.
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Mit der weitergehenden Forschung der japanischen Bandhersteller wurden wieder neue Mixturen von magnetisierbaren Beschichtungen "in den Markt" eingeführt und diese Kassetten-Spezialbänder in Verbindung mit den neuen Spezialköpfen und wieder neuen Entzerrungskurven konnten meßtechnisch Audio-Signale bis zu 20.000 Hz aufnehmen und auch wiedergeben.
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Die akustische Kontrolle solcher Aufnahmen mit Spitzenkopfhörern zeigte aber, das war nur die halbe Wahrheit. Laut der Laboringenieure (bei Karl Breh im Labor der Hifi-Stereophonie) konnte man selbst exzellente CC-Kassettenaufnahmen nach wie vor deutlich heraushören.

Das reine Hochzüchten der Genzfrequenz mit sinusförmigen Signalen ist überhaupt kein Kriterium für die maximale mögliche Informationsdichte und die TIM Verzerrungen.
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Eine Meßreihe mit den Besten CC-Recordern ist in Vorbereitung

Für uns ist es essentiell wichtig, daß bewertbare Qualitärs-Messungen nur mit CC-Dreikopf-Maschinen Sinn machen. Die CC-Kombikopf-Maschinen sind sowieso nur Kompromisse gewesen.

Vor allem liegt mir persönliche viel daran, die teilweise ziemlich dämlichen und plumpem Werbesprüche der damaligen Anbieter zu entlarven.
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Ich verweise hier nochmal auf die von Karl Breh initiierte DHFI Testkassette mit saubersten Meßtönen, soweit man die Aufnahmen als Meßtöne bezeichnen kann.
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