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Nachdenkliches über die Tonband-Qualität

Eine unglaubliche Qualität des AEG K4 in 1941

Als das uns bekannte Magnetbandgerät - das völlig neue AEG Magnetophon K1 - im Herbst 1935 vor- gestellt wurde, war dessen Qualität der Schall- plattenaufnahme der 78er Schellackplatten noch unterlegen. Und das, obwohl die Schellack-Qualität sowieso nicht gerade berauschend war.

Als dann die Hochfrequenz Vormagnetisierung der RRG (Reichs Rundfunk Gesellschaft) im Jahr 1941 in der Praxis eingeführt wurde und die AEG Demonstration im Berliner UFA Palast am Zoo stattfand, war die Begeisterung phänomenal. Die akustische Qualität des AEG K4 wurde bis etwa 1952 nicht nennenswert übertroffen, auch in den USA bei deren Tonbandfirma Ampex nicht.
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Telefunken M5 - lange Jahre Studio-Standard

Heutige "Umspielungen" der damaligen (deutschen) Masterbänder von 1950 bis 1958 auf die sogenannten "AAD" CDs lassen erahnen, was damals der qualitative Stand der Technik war. Dann erfand (bzw. realisierte) ein Ex-Mitarbeiter von Ampex, Ray Dolby, ein Kompressions- bzw. Filter- Verfahren zur Rauschunterdrückung und zusammen mit neuentwickelten modernen Magnetbändern wurde die Qualität der Studio-Bandaufnahmen nochmals erheblich gesteigert. Das war also das Maß der Dinge.

Mit der aufkommenden audiophilen Digitaltechnik (es war die PCM Technologie) ab 1978 änderte sich das Qualitätsdenken nochmal und die Japaner von Nippon Columbia zeigten den Anderen auf der Welt, daß man die Konzertsaal- Qualität wirklich 1:1 einfangen könne und konnte.
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Wie kann man die "Tonband"-Qualität messen ?

Revox A77 von 1969

Damals hatten wir weder die Quellen oder die Abhörtechnik noch den Ansporn, uns irgendwas zu beweisen. Wir waren froh, daß es überhaupt "soooo gut" ging. Mit meiner Revox A77 (19cm/s und Halbspur) war ich viele Jahre zufrieden, bis die CD kam. Ui, war das ein Unterschied zu den vom Plattenspieler aufgenommenen Musiken oder vom edlen UKW Radio bestmöglich aufgenommen.

Mit der neuen PCM-Digitaltechnik auf CD und den jetzt erst allgemein für fast alle verfügbaren Musik-Quellen kamen auch edle CD-Spieler und neue Verstärker und ganz neue Lautsprecher auf den Markt. Das Gehör wurde auf einmal sensibler und man hörte Dinge, die früher einfach nicht da waren.
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SONY K6A ES und DTC 55 ES

Die "Tester" und Redakteure in den Redaktionen der Hifi-Zeit- schriften hörten nach 1995 "selbstverständlich" und unwider- sprochen noch viel mehr von den unhörbaren Verbesserungen, die sie dann blumig in ihren Artikeln ausbreiteten.

Zu der Zeit um 1995 war das Spulen-Bandgerät schon 10 Jahre out und auch die CC-Kassettengeräte wurden "ausgetrocknet". Von den Marketing-Sprüchen der 1985er Jahre wollte auch keiner der "Urheber" (das waren die Werbetexter und Werbemenschen) mehr ein Wort hören. Das war auf einmal alles die nie dagewesene Vergangenheit
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Jetzt können wir aber mit geringstem Aufwand sauber hörbare Vergleiche anstellen

Die kleine Abhöranlage
2 JBL L90 und
der Beyer Kopfhörer

Chefredakteur Karl Breh schrieb einmal bei den Unterschieden von über 10 verschiedenen Vollverstärkern um die 1000.- DM :

"Wenn man so lange hören (und vergleichen) mußte bzw. müsse, bis das Blut aus den Ohren tropft, dann seien die Unterschiede absolut vernachlässigbar."

Die Hersteller stornierten daraufhin die Anzeigen, denn das wollten sie weder hören noch lesen.

Wir haben es heute besser. Die Abspielmöglichkeiten über den PC oder den CD-Spieler oder den DAT-Recorder und die angeschlossene Hifi-Anlage höherer Qualität sind so gut geworden, daß man durchaus 80 db (und mehr) Rauschabstand einschließlich einer extrem sauberen Wiedergabe von Klaviermusik sowie Solo-Violinen ohne großen Aufwand demonstrieren kann.

Auch die eigentliche Klangqualität läßt sich (für Jedermann) mit geringem Aufwand absolut deutlich präsentieren.

Bei mir zum Beispiel steht hier ein SONY DTC 55 ES mit einem Beyerdynamic DT 931 Kopfhörer, der (meiner Meinung nach) gnadenlos wiedergibt, was da an Sound und damit an akustischer Qualität angeliefert wird.
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Was vergleichen wir und wie ?

Ein M15A Promotionbild
Die TASCAM 8 Spur Maschine
unser Consumer Programm

Ausschlaggebend war eine Aussage von unserer Qualitäts-Koryphäe Willi Studer, das mit diesen CC-Kassetten sei Unsinn, die können das doch gar nicht können. Darum wollen wir die damals machbare Qualität mal ganz realistisch vergleichen.

Dazu haben wir eine Bandmaschine Telefunken M15A, eine TASCAM 8 Spur 1/2" Maschine mit 38cm/s, eine ASC 6002 mit 19/38, eine Revox A77 (19/38), eine Revox B77 (19/38) sowie eine UHER Royal Halbspur, eine (funktionierende) UHER SG 631 (von insgesamt 6 Stück) bis zur Grundig TS1000, dazu eine TEAC A-3300SX und eine AKAI GX 625 und weitere Spulen- geräte - aber unterhalb dieses qualitativen Niveaus. Sogar eine Revox G36 (ein frühes edles Röhrengerät) stände zur Verfügung.

Weiterhin haben wir im letzten Jahr fast ein Dutzend 3-Kopf Kassettengeräte eingesammelt und repariert. Die 3-Head Geräte waren die technologische und qualitative Spitze dieser Entwicklung. Mehr und besser ging es (angeblich) nicht mehr.

Für die ersten Messungen hatten wir von Karl Breh die restlichen der einzeln durchnummerierten Referenz CC-Kassetten des DHFI übergeben bekommen.

Bei den Meßgeräten sind zwei Sennheiser UPM 550 verfügbar und natürlich diverse Oszilloscope und Generatoren. Der neueste digitale Sinus-Ton- Generator hat 0,02% Klirrfaktor von 1 bis 100.000 Hertz. Das kann sowieso keines dieser Bandgeräte.
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Ein frappierendes Erlebnis mit reinen Sinustönen

Beim Reparieren einer Revox A77 fiel es auf. Der 1.000 Hz Sinuston "Vorband" aus dem Kopfhörer war glasklar und absolut rein - wie Meister Proper. Der Ton aber "Hinterband" war erstaunlich unsauber mit einem ganz leichten Zischen sowie leichten Aussetzern. Bei einem reinen Sinus fällt das sofort auf.

Es sind natürlich nur leichte Schwächen, die aber mit dem Beyer Kopfhörer ganz deutlich zu hören sind. Und das unabhängig vom Audio-Pegel, also ob 0dB Vollaussteuerung oder -20dB oder sogar -40dB, man hört es beim Umschalten von Vor- auf Hinterband ganz deutlich.
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Ein Blick auf Dreikopfmaschinen
hier der Kopf im Detail

Jetzt werden ja ganz bewußt die TIM Verzerrungen mit 2 reinen überlagerten Sinusfrequenzen (oft 400 und 8.000 Hz) gemessen. Das Ohr ist da aber noch kritischer als die Meßgeräte und man hört mit einem guten Kopfhörer jeden "Pfurz", also kleinste Aussetzer und vor allem unerwünschte Oberwellen.

Das Gleiche habe ich mit einem SONY K6A Kassettengerät gemacht, so ziemlich das letzte der teuren 3-Kopf CC-Geräte von SONY mit allen nur möglichen Rausch- Unterdrückungs- verfahren. Die Hinterbandwiedergabe der diversen Testfrequenzen war erschreckend unsauber. So ist die Entscheidung gefallen, wir sollten dem mal auf den Grund gehen. Inziwschen steht hier ein "Stapel" von hochwertigen 3-Kopf CC-Recordern aller Hersteller.
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Außer Sinustönen auch konzertante Musik vergleichen

Daran hatte es bislang gehapert. Wir Normalos - selbst die Profis wie Karl Breh und Jürg Jecklin und Jörg Wuttke - kamen ja an die superqualitativen Quellen gar nicht so einfach ran. Sie mußten sie "selber machen". Inzwischen hatten wir von Karl Breh auch seine (damals) allerersten edlen PCM Aufnahmen auf Betamax-Kassetten und auch auf VHS Kassetten bekommen und von anderen Spezialisten die zugehörigen PCM-Wandler SONY F1 und SONY PCM 701 ES, sowie diverse Video-Recorder zum Abspielen dieser Audio-Aufnahmen.

Jetzt zum Ende September 2019 bin ich in Norddeutsch- land durch Zufall auf einen großen Schatz gestoßen, eine ganze große Kiste voller DAT- Kassetten, die Masterbänder der Teldec Plattenproduktion.
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Das wären dann die Super-Quellen, auf die wir so lange gewartet hatten.
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Das Gehörte in eine Wave-Datei schreiben

An die Line-Out Buchsen des jeweiligen Probanden hängen wir den DTC-55 ES als Wandler dran und dort an den Glasfaser-Out Toslink den PC, auf dem wir dann das Stereosignal in eine Wave-Datei schreiben.

Das Umschalten von Vorband auf Hinterband erfolgt ja sowieso am Prüfling/Probanden und mit dem Ansage-Mikrofon kann man noch einen Text zwischen die einzelnen "Takes" sprechen. So kann dann auch der Laie nachvollziehen, was es mit unserem Qualitätsdenken so auf sich hat.
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