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Es ist ein Vergleich - Sony TC-KA6ES und Teac V-8030S

von Gert Redlich im April 2017 - Dieser Vergleich(s-Test) stammt aus 08/1995, als der Systemwettbewerb der alternativen Datenträger in vollem Gange war. Dann kam die moderne PC-Technik auch noch dazu und schon wurde es kompliziert.

Im April 2011 bekamen wir ein SONY TC-KA6ES (gekauft in 11/1996) geschenkt. Damals lief es noch, inzwischen nicht mehr. Da der Redakteur Ulrich Wienforth in 1999 eine so große Betonung auf die schier unendliche Lebensdauer des Sony KA6 ES legte, war es mir ein Muß, hier diesen Artikel zu veröffentlichen. Also : "Niemand und Nichts lebt ewig." Die Menge der inzwischen defekten Audio-Geräte der letzen 40 Jahre ist gigantisch.

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Ein Vergleich : "Samt und Seide" - STEREO 08/1995


TOP-DECKS VON SONY UND TEAC IM VERGLEICH

Beide kosten etwa DM 1.500.- - also gleich teuer.

Nur noch wenige Hersteller trauen sich, 1.500 Mark für ein analoges Cassettendeck zu verlangen, wo doch DAT und MiniDisc schon billiger zu haben sind. Doch Sony und Teac zeigen noch einmal, was mit entsprechend aufwendiger Technik an seidig glänzendem Klang aus guten Chrom- und Metallcassetten herauszuholen ist.

Bereits kein Vergleich mehr mit DAT oder MiniDisc

Nein, so gut wie DAT-Recorder klingen unsere beiden Analogdecks nicht. Und auch an die Qualität der MiniDisc in ihrer neuesten Variante kommen sie nicht recht heran. Aber es gibt nun mal Leute, die sich ungern von der Analogtechnik trennen, die hunderte bespielter Cassetten im Archiv haben und die lieber 1.500 Mark für ein professionell gebautes Analogdeck ausgeben als 1.000 Mark für einen abgespeckten DAT-Recorder.

Denn schließlich befinden wir uns hier in der Luxusklasse der analogen Aufzeichnungstechnik. Luxus nicht im Sinne von Ausstattungs-Mätzchen, sondern im Hinblick auf erstklassige Bauteile, langlebige Konstruktion und liebevolle Verarbeitung.

Der Studio-Ausstatter Teac ?? Nein - stimmt nicht

Vor allem der Studio-Ausstatter Teac fährt schwere Materialgeschütze auf :

Panzerplatten-Front, extrarobuste Cassettenklappe, beschwerter Deckel gegen Vibrationen, Aussteuerungssteller mit Dezibelskala und große, beleuchtete Laufwerks-Tipptasten wie bei Studio-Bandmaschinen.

  • Anmerkung : TEAC selbst hatte nie Studiogeräte im Programm, das war die TEAC Profi-Tochter "TASCAM", die sehr oft auf TEAC Geräte-Chassis aufsetzte und eine gänzlich andere Elektronik zusteuerte.

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Links vom Kopf sitzt Sonys Azimutschraube. Sie ist nach Abnehmen der Klappe zugänglich
Bei Teac wird der Azimut an der rot gelackten Schlitzmutter rechts außen justiert

Beide haben Doppel-Capstan-Technik

Einig sind sich die beiden Hersteller beim Laufwerkskonzept: Die Doppel-Capstan-Technik befreit den Bandlauf von Längsschwingungen, und der Direktantrieb läßt Gleichlaufschwankungen gar nicht erst aufkommen - auch nicht nach tausenden von Betriebsstunden.

Für die Ewigkeit gebaut ist insbesondere Sonys Gußlaufwerk: Da sind schiefstehende Capstanwellen oder Andruckarme ausgeschlossen, denn alle wichtigen Antriebsteile sind in einem einzigen Gußchassis gelagert. Gegen Cassettenvibrationen drücken Teac und Sony mit einem speziellen Mechanismus ein dämpfendes Kissen federnd an das Cassettengehäuse an.

  • Anmerkung : Das mit der Ewigkeit beim SONY stimmt leider auch nicht. Unser Sony KA6 ES hat in 2016 einen Laufwerks-Fehler und startet die Kassette nicht mehr. Also nichts mit Ewigkeit und so ......

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Ja, der Kabelverhau des SONY K6 ES ist veraltet

Enormer Aufwand steckt auch in der Elektronik unserer beiden Spitzendecks: vier Dolby-S-Chips und zwei zusätzliche Bausteine für Dolby B und C. Sony bringt dank SMD- und Flat-Pack-Technik die komplexe Dolby-Schaltung auf kleinstem Raum unter. Trotzdem leistet sich das TC-KA 6 einen veritablen Kabelverhau, während es im Teac-Deck ausgesprochen aufgeräumt zugeht.

Schade, daß beide Hersteller für die Aussteuerung ein einfaches Standard-Poti einsetzen. Vor allem hinter Teacs noblem Drehknopf mit der goldgefaßten Skalenscheibe hätte man ein besseres Poti vermutet.
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  • Anmerkung : Neben dem ungewöhnlichen Kabelverhau des SONY ist auch die gesamte Netz-Zuleitungsseite kritikwürdig. Erstens ist das Netzkabel bis zur Forntplatte durch das ganze Gerät durch geführt, dazu sind die Lötpunkte der 230 Volt führenden Pins nicht abgedeckt und dann ist auch der nicht geschirmte primitive Trafo so lange in seinem Montagefeld hin und her gerückt worden, bis die 50Hz Einstrahlung auf die Elektronik "minimiert" war. Das ist Bastelkram, so macht man das nicht bei Profis, schon gar nicht bei SONY. In dem deutlich billigeren Nakamichi BX-2 sitzt der Netzschalter direkt an der Rückseite und dort neben dem Trafo. Also es ginge schon. Der Kabelverhau ist dort jedoch genauso schlimm.

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Computer Hilfe zum Einmessen

Beim Bandeinmessen gehen Teac und Sony einen ähnlichen Weg: Mit Hilfe von Testtönen und Leuchtbalken werden Bias und Pegel manuell optimiert. Sony bietet sogar drei Testfrequenzen an: 400, 3.000 und 14.000 Hertz. An einem zusätzlichen Entzerrungssteller kann sogar die Mittendelle von Zweischichtbändern eingeebnet werden: Dieses Poti hebt den gesamten oberen Frequenzbereich ab rund 1 Kilohertz an - anschließend werden via Bias-Steller die Höhen wieder abgesenkt. Die beiden Leuchtbalken sind für Mitten und Höhen zuständig, und aufleuchtende Pfeile zeigen, in welche Richtung der Pegel korrigiert werden muß.

Die technische und klangliche Beurteilung

Tatsächlich liefert das Sony-Deck mit allen Bändern sehr natürliche Klangfarben, während der V-8300S mit Zweischichtbändern eher grundtonlastig klingt.

Baßimpulse steckt der Sony selbst bei kräftiger Aussteuerung klaglos weg - Teacs Stärke liegt dagegen in der offenen, unverwischten Aufzeichnung kräftiger Beckenanschläge. In Musikpausen rauscht der V-8300S etwas mehr als der TC-KA6 - was freilich bei Dolby S nur noch bei weit aufgedrehtem Lautstärkesteller hörbar wird.

Jene Begleitgeräusche aber, die sich über das Musiksignal legen - das sogenannte Modulationsrauschen - haben beide Geräte bestens im Griff. So kommen Frauenstimmen glockenklar und ohne Heiserkeit vom Band, und eine Mundharmonika klingt nach Mundharmonika und nicht nach Kazoo.

Macken im Alltagsbetrieb des TEAC Recorders

Nun gibt es freilich zwischen Klang und Konstruktionsqualität noch einige ganz profane Eigenschaften, die sich im Alltagsbetrieb bemerkbar machen. So löscht das Teac-Deck bei Wiedergabe von Eisenoxidbändern die Höhen geringfügig an. Es hat im übrigen eine träge Endabschaltung, die das Band unnötig strapaziert, und ein Zählwerk, das nicht immer genau zum markierten Nullpunkt zurückfindet. Und der hörbare Schaltknack beim Aufnahme-Einstieg ist für all jene störend, die häufig einzelne Musikstücke überspielen. Hinzu kommt, daß der Bandsortenfühler nicht immer zuverlässig in die Chromöffnung eingreift und mitunter auf „Normal" schaltet.

Wegen dieser Mängel muß sich die Teac-Maschine mit nur einem Sternchen zufriedengeben, obwohl sie klanglich mit dem Sony-Deck absolut gleichzieht und sogar noch besser verarbeitet ist.

Ulrich Wienforth (im Somer 1995)
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LABOR :

In Sachen Gleichlauf tun sich die beiden Spitzendecks nichts: Die Werte könnten kaum besser sein. In der Dynamik fällt die Teac-Maschine wegen des stärkeren Rauschens etwas ab. Die Frequenzgänge sind dank Einmeßschaltung weitgehend glatt - das Sony-Deck ebnet sogar die Mittendelle der Zweischichtbänder ein, Eine gewisse Selbstentmagnetisierung der Höhen haben wir bei Teac festgestellt. Nicht ganz Profilike sind auch Teacs träge Endabschaltung, der Zählerschlupf und der Aufnahme-Schaltknack.

AUSSTATTUNG :

Beide Hersteller setzen auf manuelles Einmessen mit Hilfe von Testtönen, bei TEAC für jeden Kanal getrennt, bei SONY sogar mit einstellbarer Entzerrung. Die Fernbedienung bietet Sony als Sonderzubehör an, Teac packt sie bei.

KLANG :

Eines bieten die beiden Kandidaten im Höchstmaß: seidigen Klang - weitestgehend befreit von jenen kratzenden Nebengeräuschen, die den Hörgenuß bei vielen billigeren Decks trüben. In Musikpausen rauscht das Teac-Gerät etwas mehr, dafür gibt es Hochtonimpulse bei Chromband noch etwas offener wieder als SONY. Bei Zweischichtbändern wartet der TC-KA6 allerdings mit natürlicheren Klangfarben auf. Und selbst bei kräftiger Aussteuerung läßt er sich nicht so leicht zu Verzerrungen hinreißen.

TESTPROFIL 1

Sony TC-KA6ES - ca. DM 1.400 (gold 1.500)
Sonys Gußlaufwerk ist jetzt wieder in Bestform: Es liefert geschmeidigen Klang ein Recorderleben lang. Die Elektronik dürfte noch etwas sauberer verarbeitet sein - ansonsten ist dieses Deck in Konstruktion und Klang erste Sahne.

TESTPROFIL 2

Teac V-8030S - ca. DM 1.500
Außen wie innen professionell verarbeitet und mit besten Zutaten bestückt - bis auf das Aussteuerungspoti und den nicht-vergüteten Löschkopf im Praxisbetrieb zeigt das Teac-Deck einige Unzulänglichkeiten, aber klanglich ist es erstklassig.

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