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Herr Westpfahl erzählt - Der Anfang bei Dr. Volk . . .

Ich kam im fünften Stock an und dort empfing mich Dr. Volk. Er sah mich prüfend an und fragte, woran ich schon gearbeitet hätte. Auch ihm erzählte ich, daß ich mich seit einigen Jahren mit dem Rundfunkwesen und dem Verstärkerbau befaßte. Dr. Volk sagte mir, daß seine Abteilung ein magnetisches Aufzeichnungsverfahren entwickle, dafür sei ich der richtige Mann.

Anschließend stellte er mich Herrn Schüller vor. Denn Eduard Schüller war im August (1933) vom Heinrich-Hertz-Institut, in dem er einen ringförmigen Aufnahme/Wiedergabekopf (eine bahnbrechende Erfindung) entwickelt hatte, zur AEG gekommen. Die neuen Ringköpfe waren gegenüber den bisher benutzten Querstromköpfen eine wesentliche Neuerung.

Schüllers erstes "Tonband" war ein Filmgerät.

In Schüller's Zimmer war eine Endlos-Bandapparatur aufgebaut. Ein Motor, der auf dem Boden stand, trieb über eine Pese ein großes Schwungrad an. Über eine untersetzte Stufenscheibe, die eine Umfangsgeschwindigkeit von etwa 1 m/s hatte, lief die etwa 8m lange Bandschleife (der Tisch war rund 4m lang). Die Tonköpfe waren mit Trägern auf dem Labortisch angebaut. Unter anderem war eine konische Spule auf einem Messingträger zu sehen, durch die das Band lief: das war der Löschkopf.

 

Der Raum neben dem Schüller'schen wurde mir zugeteilt. Dort befand sich ein Filzzelt mit einem Kondensatormikrofon, mit dem die Versuchsaufnahmen für die Endlos-Apparatur gemacht wurden. In diesem Raum arbeitete auch Karl Siegfried Müller. Meine erste Arbeit war das sehr vorsichtige Entgraten einer Handvoll halbkreisförmiger, gestanzter Blechringe mit einer Nadelfeile. Mir wurde gesagt, das Material sei sehr teuer und hochempfindlich, jedes Fallenlassen oder Verbiegen würde sofort die Permeabilität verändern und damit wäre das Material unbrauchbar. Das war damit mein Anfang im AEG Labor.

Schon damals waren das A und O die Tonköpfe.

Nach einigen Tagen mußten wir etwas anderes eichen. Am 10. November 1933 sollte eine große Übertragung sein, für die ein Verteilerkasten aufgestellt werden mußte. Außerdem kamen Leute von der Post. Vorgesehen waren ein Plattenspieler und eine Mikrofonanlage, die auf dem Hof aufgebaut war. Außerdem bauten wir die Ultra-Effekt-Lautsprecher von Telefunken und die großen 20-Watt-Verstärker auf. Zuvor hatten wir Schallplatten ausgesucht, um mit Marschmusik die Vorlaufzeit überbrücken und die Zuhörer in Stimmung bringen zu können.

 

Zur Demonstration (im Text: Dekoration?) war auch eine große Apparatur aufgebaut, ein Magnetophon- Doppellaufwerk (Bild oben), das 1932/1933 gebaut worden war. Es arbeitete mit Querstromköpfen. Die Papier-Bänder können nur von Herrn Pfleumer gestammt haben, denn es gab ja noch keine andere Stelle, die sich damit beschäftigte. Die Sache ging gut ab; danach kam wieder der graue Alltag. (ergänzte Anmerkung: Die Bänder könnten theoretisch bereits von BASF geliefert worden sein; allerdings arbeitete AEG zu dieser Zeit noch viel mit Pfleumer'schen Bändern)

 

Wir arbeiteten weiter an den Magnetköpfen. Schüller hatte anhand von Meßreihen mit Isoperm und Mumetall viele Erkenntnisse gesammelt. Die Köpfe wurden alle von Hand gefertigt, und zwar hatte man dafür in der Werkstatt Fritz Voigt abgestellt, der ausschließlich Köpfe für Schüller zu fertigen hatte. Inzwischen überzeugte sich Geheimrat Bücher (Anmerkung: vom Vorstand der AEG) mehrfach vom Fortschritt unserer Arbeit. Im Forschungsinstitut in Reinickendorf, bei Steinbrenner, wurde ein neues Laufwerk gebaut, damit wir nicht nur mit der Endlos-Apparatur arbeiten mußten, sondern regulär aufnehmen, zurückspulen und wiedergeben konnten.

Das Laufwerk - eine für damals völlig neue Technik

ein späterer Prototyp

Dieses Laufwerk war folgendermaßen aufgebaut: eine Aluminiumplatte trug ein Winkeleisen-Gestell, in dem ein 100-Watt-Asynchronmotor befestigt war. Er war in acht Federn aufgehängt und trieb über eine Spiralfeder eine große Schwungmasse an: ein mechanisches Filter. Vorn war in der Platte eine Tonrolle gelagert, unten waren zwei Lager vorgesehen, die große Flanschspulen trugen. Auf der Rückseite waren große Celionscheiben zu sehen, die durch eine kleine Friktionsscheibe, durch eine Feder zusammengedrückt, vom Motor angetrieben wurden. Die ablaufende Spule wurde einfach durch Filz gebremst. Mit einem Schalter in der Mitte konnte man den Motor ein- und ausschalten; weiter durch Hin- oder Herschieben Vor- oder Rücklauf anwählen.

 

Die Köpfe waren folgendermaßen angeordnet: Das Band lief über eine Gummirolle und gleich danach über einen fest montierten Hörkopf. Weiter gab es eine schwenkbare Einrichtung mit einem Permanent-Löschkopf und einem Sprechkopf. Klappte man diese an das Band heran und rastete sie ein, konnte aufgenommen werden. Vor dem Rückspulen klappte man die Schwenkvorrichtung wieder weg. Für das Abhören gab es separate Verstärker.

 

Diese Maschine wurde mehrfach verbessert, aber schließlich zeigte sie nicht mehr behebbare Mängel: wenn es im Sommer sehr heiß oder die Maschine sehr warm wurde, drückte sich die Celionscheibe stark ein und fing an, stark zu knattern. Ein einwandfreier Lauf war so nicht zu erreichen. Es mußte also etwas Neues konstruiert werden.

 

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