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Das Resume zu den beiden vorangegangenen Heften über das Telefunken Werk in Wedel und Dipl. Ing. Eduard Schüller

Aufarbeitung von Gert Redlich im Dezember 2015 - Bei meinem Besuch bei Dr. Kuper in Wedel im Herbst 2015 bekam ich zwei (von ihm geschriebene) Hefte (oder Broschüren) mit, die offensichtlich nur wenigen lokalen Lesern zugänglich waren.
Das eine Heft ist ein Rückblick aus der Sicht eines Wedeler Einwohners, das andere Heft ist eher eine Broschüre und ein Rückblick auf den Erfinder Dipl. Ing. Eduard Schüller, den Mitarbeiter der AEG von 1934 und nach dem Krieg technischer Chef des Telefunken Werks in Wedel. Dr. Kuper führt auch fast alle Schwächen der Firma Telefunken und der damaligen Produkte und der dortigen Entwickler auf.
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Und natürlich schreibe ich hier meine Meinung . . .

Dazu ein Rückblick in meine Zeit von 1966/1967. - Als Praktikant beim Fernmeldedienst der Deutschen Bundespost mußte ich täglich mit der Bahn von Wiesbaden nach Frankfurt und so fuhr ich auch mal an einem Samstag dorthin und besuchte das Biberhaus am Ende der Zeil. Der Zufall wollte es, daß ich dort adhoc als (samstägliche) Aushilfe angestellt wurde.

Ich stand also viele Wochen im riesigen Obergeschoß hinter der Tonband-Theke und sollte nichts weiter als Bandgeräte verkaufen oder zumindest "bewachen". Da ich bereits mit 14 Jahren im Gymnasium an einem TK46 sehr viel geübt hatte, fiel das auch gar nicht schwer. Das weithin bekannte Bieberhaus in Frankfurt war damals das Vorbild eines Elektro-Marktes, heute vergleichbar mit den großen Elektromärkten. Und in der Tonbandabteilung standen bestimmt 30 oder mehr verschiedene Bandgeräte so gut wie aller damaligen Hersteller. Im Rückblick ist mir augefallen, daß wir, also meine fest angestellten Kollegen und ich, fast nur Grundigs und vielleicht auch mal ein PHilips oder ein SABA verkauft hatten.

Die Telefunken Bandgeräte standen in den Regalen wie Blei, auch das relativ große M85 oder auch KL85. Diese "Dinger" waren hausbacken rund und scheinbar 5 Jahre hinter der Zeit her. Jedenfalls die Optik war unglücklich und die Preise waren zu hoch. Mit den Preisen hatten wir damals bereits mit den frühen UHER Produkten zu kämpfen.

Man sah den AEG/Telefunken Geräten nicht an, was dort an toller Technik eingebaut war und die Optik spielte im Consumer-Bereich eine große Rolle.
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Der Marketing-Flop mit AEG und Telefunken

"Warum ist denn das hier von AEG und das hier von Telefunken ?" Es wurde somit immer Erklärungsbedarf "erzwungen". Die potentiellen Kunden wollten etwas von uns jungen Verkäufern wissen, das wir nicht wußten. Denn ich hatte die Spulendurchmesser, die Frequenzgänge und die Rauschabstände und fast alle Preise !! im Kopf, aber doch keine verworrene Firmenpolitik.

Also verkauften wir Grundig, und wenn der Kunde nicht ganz schlüssig war, gaben wir ihm eine Grundig Revue mit und wir zeigten ihm noch stolz den Max Grundig höchst persönlich gleich auf der zweiten Seite. Das strahlte Vertrauen aus, "der Max, der machts richtig".

Die meisten Kunden kamen einen Samstag später wieder, und hatten in der Grundig Revue die Preise, unsere Preise eingetragen und ich rannte in den Keller und holte ein Grundig nach dem anderen hoch - an die Warenausgabe.

Das also zu den unvergessenen Erfahrungen in einem riesen Laden, in dem es brummte. Das Biberhaus an der Zeil machte alleine an einem Samstag vor Weihnachten so viel Umsatz wie die Hälfte aller Frankfurter Radio und Fernseh-Händler. Und Grundig war immer ganz oben mit dabei. Ich war aber nur viel zu wenige Monate "mit dabei". Es hatte nämlich viel Spaß gemacht.
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Telefunken und AEG machten zu viele Fehler

Wenn Sie auf den weiter oben verlinkten Seiten das Geschehen bei Telefunken in und um Wedel und im Werk Hamburg so nachlesen, wird Ihnen klar, daß das ganze Konzept mit den über Deutschland verteilten Produktionen nicht stimmte. Doch das alles wußten wir damals doch nicht. In den Pressenotizen konnte man nur nachlesen, Grundig baute ein Werk nach dem anderen, sogar in Irland und in Portugal. Von Telefunken kamen fast nur uninteressante Personal-Informationen.

Nach dem bisher Gelesenen war es auch extrem unglücklich, die Bandgeräte- Profis und die Consumer "Jungs", also die Entwickler und Konstrukteure, in ein Werk zu verfrachten. Denn von dem Erfahrungstopf der Profis konnten die Consumer-Leute so gut wie nichts gebrauchen bzw. verwenden, eher im Gegenteil.

Insbesondere die gezielte und geplante Konstruktion eines Gerätes im Hinblick auf spätere Massenfertigung ging doch den Profis völlig ab. Das ging doch bei den Stückzahlen einer M5 oder M10 überhaupt nicht. Von der Telefunken M15 mit all ihren Varianten ist nach unseren Informationen später eine "gewaltige" Stückzahl von 6.000 Geräten gebaut worden. Da hätte Max Grundig nicht mal mehr gelächelt, er hätten den ganzen Laden sofort gefeuert.

Also die frühe Trennung und Verlagerung von Massenproduktion in (oder nach) Berlin und Professional in (oder nach) Wedel hätten viele Probleme vermieden.
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Design und Design sind zwei Dinge

Telefunken Hobby-Bandgeräte von 1952 sahen urig aus und waren bald nicht mehr gefragt. AW1 und AW2 waren sowieso Flops. Das AEG/Telefunken Markting konnte die inneren Werte nicht gut verkaufen. Da kamen nur blöde Sprüche, man habe ja schließlich das Tonbandgerät erfunden. Das mit den beiden Fühlhebeln, also der aktiven Bandzugsregelung - auch der ganz alten Geräte - kam bei uns (Interessenten, Fans, Kunden, Verkäufern) nie richtig an. Das Äußere sah einfach zu hausbacken (eine wohlwollende Umschrebung) aus.

Bei der auf den Bildern gezeigten Produktion in dem/den Werken konnte an ein Produktwechsel so schnell nicht gedacht werden, das würden die Ingenieure und Mitarbeiter nicht verkraften oder nicht stemmen. So wurden manche Typen viel zu lange ohne "Aufhübschung" produziert. Selbst ein modifziertes moderneres Design machte offensichtlich Probleme.

Und daß in Wedel die Telefunken M5 so "erfolgreich" produziert wurde, ist nicht recht nachzuvollziehen. Denn auch dort war der Kundenstamm klein und hatte ganz andere Anforderungen, nämlich gelerntes Wissen und die Erfahrung in der Bedienung "so lange wie möglich" (in den "Anstalten") zu verwenden. Also mußte die Type M5 möglichst lange optisch unverändert produziert und nur innen verbessert - sprich transistorisiert - werden. Im Consumer Bereich galt genau das Gegenteil. Dort wurde nicht nach Gebrauch und Erfahrung bestellt oder gekauft, die Teile mußten aktuell gut aussehen und mit der Zeit gehen.

Ich erinnere mich genau an die ersten Grundig Revuen etwa 1963, in denen ganz ganz groß herausgestellt wurde, daß in diesem "neuen" Fernseher jetzt bereits 3 (in Worten "drei") Transistoren die Röhren ersetzen. Und das waren Transitoren von Telefunken aus Ulm !!

Und natürlich bekam dieser "neue" Fernseher ein aufgehübschtes Äußeres. Innen war der gleiche alte Schmus von vorigem Jahr drinnen, nur - durch die Transistoren wurde die Herstellung wieder billiger (oder noch billiger) und die Kunden kauften diese Max Grundig Zukunft wie blöd.

Das alles konnte Telefunken bei den Bandgeräten bereits nicht mehr.
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Wenn Du mal oben angekommen bist, gehts nur noch abwärts

Das letzte Thema ist diese TED Bild-Platte von 1970 bis 1976. Eduard Schüller war ein technisch und (durch den Krieg auch menschlich) erfahrener Diplomingenieur. Um so betrübter war ich beim Lesen der vielen Video- und Hifi- und Funk-Magazine, in denen diese TED Platte - bzw. das ganze System - auch von ihm über viele Jahre immer wieder "verteidigt" wurde.

Dem Ingenieur mußte doch klar sein, wenn Philips eine veschleißfreie 30cm Laserdisk (mit 60 Min in Farbe) funktionierend vorstellt, daß jegliche mechanische Abtastung mit all den gravierenden Problemen ab sofort bzw. von nun an endgültig im Eimer ist. Und das war Ende 1972 der Fall. Mein Namensvetter Horst Redlich war damals Direktor bei Telefunken und war auch so verliebt in sein Kind, daß er die Notbremse - auch nicht - gezogen hatte. Und damit hatten Sie Telefunken richtig ausgeblutet. Da wurde sehr viel Geld versenkt, das dann an so vielen anderen Stellen gefehlt hatte

Das spricht leider nicht mehr für Eduard Schüller. Auch dem Sponsor Axel Springer könnte man nachsagen, er hatte nur seinen Vorteil gesehen und die Augen vor der veralteten Technik veschlossen. Das hätte dem erfolgreichen alten Fuchs auch nicht passieren dürfen.
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Wie bereits gesagt, war das Geld (also das Kapital) bei AEG/Telefunken immer knapp. In zu vielen Bereichen oder Werken wurde vielleicht eine schwarze Null geschrieben, wenn überhaupt. Bei den ganzen Militärprojekten konnte man einfach nachfordern, was vorher "ungünstig" (alos politisch) kalkuliert worden war. Im gesamten Consumer Bereich funktionierte diese Art der gewohnten und geliebten Kalkulation überhaupt nicht mehr. Und da lag meines Erachtens der Hase im Pfeffer.

In dem AEG Buch wird gnadenlos mit dieser Situation abgerechnet, während das Telefunken Buch die reinste Lobhudelei eines Ex-Mitarbeiters zu sein scheint.
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