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Telefunken von 1955 bis 1962

Hier beschreibt Dr. Gerhard Kuper eine relativ kurze Episode aus der Firmengeschichte von Telefunken, nämlich die Zeit in dem Telefunken-Werk in Wedel.
Aus der Wedeler Orts-Geschichte und dem Kapitel "Vom Bauernhof zum Kompetenzzentrum" entnehmen wir die Absätze, die die Telefunken-Zeit direkt betreffen.

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Um 1900 hieß der Ort noch "Schulau"

Um 1920, Hafenstraße Blick Richtung Hafen (Masten im Hintergrund). Die Straße ist 1902 ausgebaut worden.

Noch um 1900 hatte Schulau, das seit 1892 mit Spitzerdorf vereinigt war, einen weitgehend ländlichen Charakter. In der Nähe des Schulauer Hafens gab es nur kleinere Betriebe, die vom Hafen lebten: bis 1900 die Schiffswerft Behrens, ab 1902 die Firma Becker (Hersteller von Schiffspropellern), sowie von Schiffseignern betriebene Transportunternehmen.

Die Hofflächen von vier Bauernhöfen wurden schrittweise zur Grundfläche zukünftiger Hochtechnologie-Industrie - allerdings verging darüber noch mehr als ein halbes Jahrhundert.

1909 wurde Schulau in Wedel eingemeindet.

Juni 1928: Blick aus dem ehemaligem Silo elbabwärts. Links der Schornstein der ehemaligen Räucherei von Petersen & Johannsen. Das große Gebäude im Vordergrund ist das Restaurant Elblust („Mutter Behrens").

1911 wurde das Oedingsche Hofgelände an die Hamburger Firma Heylandt verkauft. Heylandt baute und betrieb ein Sauerstoffwerk auf dem Gelände. Es ist aber wohl wahrscheinlich, daß dieses Werk nicht so groß gebaut worden ist, wie es beantragt war: Die Firma meldete nämlich bereits 1913 Konkurs an.

1913 wurde das gesamte Gelände Hafenstraße 30/32 an Ludwig Karl Theodor Johannsen verkauft. Theodor Johannsen war ein sehr erfolgreicher Kaufmann, dies insbesondere auch in Anbetracht der ausgesprochen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse jener Zeit, die durch den ersten Weltkrieg, die Inflation von 1923 und die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre gekennzeichnet waren.

1921 - und dann wurde gebaut

Natürlich hat die unterschiedliche Nutzung der Gebäude auch zu entsprechenden Baumaßnahmen am Gebäudekomplex geführt, wenn auch viele Änderungen nur innerhalb der Gebäude stattfanden. Auffällig war dagegen der Bau einer Fischräucherei im Jahre 1921. Dieses Gebäude lag zwar hinter den anderen, aber der viereckige Schornstein überragte alle. Die Fischverarbeitung soll allerdings schon nach kurzer Zeit aufgegeben worden sein, wohl weil die Fischer nach der Inflation 1923 zu wenig Fische in Schulau anlandeten.

1922 begann Johannsen mit Getreidehandel, 1923 mit dem Mühlenbetrieb „Elbemühlenwerke". Dafür baute er in das Gebäude hinter der Straßenfront die eigentliche Mühle. Im gleichen Jahr errichtete er ein neues Silogebäude, das heute noch steht, wenn auch mit völlig verändertem Aussehen. Als im Oktober 1924 der Oedingsche Hof abbrannte und nicht wieder aufgebaut wurde, stand das schmuck- und fensterlose Silogebäude schon.

Probleme nach der großen Inflation nach 1923

Nach der Inflation geriet die Firma in eine Krise. 1930 hatte sich der Betrieb soweit erholt, daß Johannsen das zwischenzeitlich uninteressant gewordene Silo zum Bürogebäude umbauen konnte. Erst jetzt erhielt es Fenster und einen verklinkerten Eingang zur Hafenstraße - dort, wo heute der gläserne Fahrstuhl steht.

1933 ging es abwärts

1936/37, Schulauer Hafen. Links unten angeschnitten das Strandbad mit seinem beliebten Zeltplatz. Im Hafen: SB Propellerfabrik Becker.

Nach dem Tod von Theodor Johannsen 1931 erteilte seine Tochter und Erbin Hertha ihrem Manne Wilhelm Ladiges im Jahre 1932 Handlungsvollmacht. Der übernahm diese Verantwortung kurz bevor sich neue Schwierigkeiten ankündigten: Im März 1933 erließ die nationalsozialistische Reichsregierung ein neues Fettverteilungsgesetz, das unter anderem nur noch eine Rendite von 20 Pfennigen für das 1Pfund Gebinde Margarine zuließ.

Fakt ist, daß dieses Gesetz gültig blieb und zum langsamen Untergang von Petersen & Johannsen führte. Anscheinend versuchte der Chef Wilhelm Ladiges, ein neues Standbein zu finden: Er gründete eine Kaffeerösterei. Über diese ist wenig bekannt, sie hat wohl keine Bedeutung mehr erlangt.

1943 sollten es U-Boot Bunker werden

Im August 1939 wurde Wilhelm Ladiges zum Militär eingezogen, 1940 hat er von dort aus die Firma endgültig geschlossen; die Immobilien blieben sein Eigentum (seine Frau Hertha war schon 1935 gestorben). 1943 wurden die Gebäude von der Organisation Todt zum Teil noch als Quartier für Arbeitskräfte, die den U-Bootbunker an der Schulauer Straße bauen sollten, umgerüstet. Gegen Kriegsende standen sie weitgehend leer.

Die Episode AROMAX

Luftaufnahme zur AROMAX-Zeit etwa 1951/52. Links der Kopfbau mit den hohen Fenstern, hinter denen die Nährmittelspeicher zu ahnen sind. Parallel zur Straße das ebenfalls 1948/49 von AROMAX gebaute Hauptgebäude. Rechter Abschluß durch das ehemalige Silo von Petersen & Johannsen. Links vom Kopfbau: an der Straße das Haus von Therese Jens, hinten die von AROMAX gebaute Kantine

Kurz vor Kriegsende kam auf Schuten verladen die Firma AROMAX aus Lobositz im Sudetenland (nahe der Eger-Mündung in die Elbe) nach Wedel.

Ins Sudetenland war sie nach ihrer Ausbombung in Hamburg verlagert worden. Jetzt bezog sie die leerstehenden Gebäude in der Hafenstraße 32.

Der wirtschaftliche Erfolg von AROMAX war so groß, daß eine intensive Bautätigkeit begann - auch schon zur Zeit der Währungsreform:

1948 wurde der senkrecht zur Hafenstraße stehende Kopfbau zwischen dem ehemaligen Verwaltungsgebäude von Heylandt-Johannsen und dem quadratischen Haus der Therese Jens errichtet.

Dieses Gebäude wies eine Besonderheit auf: die unteren 3 Etagen hatten keine Zwischendecken, weil in ihnen die großen Nährmittelbehälter standen.

1952 - und wieder ging es bergab - mit AROMAX

1949 wurden alle alten Gebäude - außer dem ehemaligen Silo - ersetzt durch den bekannten langen Klinkerbau parallel zur Hafenstraße. Leider hielt der Erfolg von AROMAX nicht lange an; 1952 mußte man aufgeben. Der Gebäudekomplex stand 3 Jahre lang zum Verkauf durch den Hamburger Makler Markmann.

1955 - Telefunken kommt nach Wedel

Und es stehen schon Autos vor der Firma, ein VW und ein DKW

Nach längeren Verhandlungen kaufte Telefunken im August 1955 den Gebäudekomplex. Telefunken - damals eine Tochter der AEG - hatte 1954 die Magnetophonherstellung von AEG übernommen, die 1945/46 von Berlin nach Hamburg verlagert worden war.
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Der „Vaters der Magnetophontechnik" Eduard Schüller

Der Neuanfang unter Leitung des „Vaters der Magnetophon- technik" Eduard Schüller (1904-1976) war sehr erfolgreich; unerwartet schnell und in "großer" Stückzahl - (Anmerkung : die "großen" Stückzahlen sind immer auf die damalige Zeit und auf Telefunken und auf den deutschen Markt zu beziehen) - hatte man sowohl den Markt der Studio-Magnetophone zurückerobert wie auch die ersten Serien von Amateurgeräten am Markt absetzen können.
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  • Anmerkung : Wir schreiben bereits das Jahr 1955 und zu der Zeit fing Max Grundig an, den deutschen und europäischen Bandgerätemarkt - ähnlich wie den Rundfunkgerätemarkt - von unten und über den Preis aufzurollen.

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Telefunken konnte in Hamburg nicht expandieren

Als Telefunken ausbauen wollte, kam man im kriegszerstörten Hamburg schnell an die Grenzen des Möglichen. Deshalb war das Wedeler Angebot durchaus attraktiv, waren doch die wichtigsten Gebäudeteile neu und solide gebaut, eine Heizung und ein Kantinengebäude standen zur Verfügung, in den meisten Büroräumen waren sogar noch die Möbel vorhanden.
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  • Anmerkung : In den Aufzeichnungen bzw. Büchern des Hamburgers Dr. Wagenführ und des Berliners Eduard Rhein - die Redaktion der HÖR ZU entstand in Hamburg - finden sie noch viel mehr Informationen über den Zustand der im Krieg völlig zerstörten Stadt zum Zeitpunkt des Umzuges nach Wedel.

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1955 - noch 4.000 Wedeler lebten noch in Notunterkünften

1958 - Bau der neuen Shedhalle.
1961, gegen Ende der Telefun- kenzeit. Wesentliche Baumaßnahme aus dieser Zeit war 1958 der Bau der Shedhalle („Sägezahn"-Dach) auf dem Hof.
Oktober 1962, Luftaufnahme. Von der Sturmflut Anfang des Jahres ist nichts nachgeblieben. AEG übernimmt das Werk zwar erst zum Jahresende von Telefunken, hat aber schon die Werbung aktualisiert. Von hier deutlich zu sehen: die 6 „Zähne" der 1958 gebauten Shedhalle.

Sondermaßnahmen waren allerdings wegen der typischen Nachkriegsprobleme erforderlich: Auch Wedel war weitgehend zerstört und hatte außerdem Flüchtlinge und Ausgebombte aufnehmen müssen - von 19.000 Einwohnern lebten 1955 noch 4.000 in Notunterkünften. Wo sollte man insbesondere die etwa 150 Fachkräfte unterbringen, deren Kenntnisse man zwingend brauchte?

Man behalf sich erst mal, indem ein Buspendelverkehr von Hamburg nach Wedel eingerichtet wurde. Eine dauerhafte Lösung konnte natürlich nur aus Wohnungen vor Ort bestehen - wenn möglich in der Nähe des Werkes.

Dort lag hinter dem Willkomm-Höft das Elbhochufer, für welches die Wedeler Verantwortlichen und insbesondere der Bürgermeister Heinrich Gau große, heiß diskutierte und sehr teure, riskante Pläne hatten.

Diese mündeten unter Einbeziehung des sozialen Wohnungsbaus in das Projekt „Gartenstadt Elbhochufer". Glücklicherweise war das Projekt in dieser Form ein Erfolg.
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Ein Trick : Arbeitsplätze gegen Wohnraum

Schon lange bevor sich Telefunken für Wedel entschied, hatten Eduard Schüller und Heinrich Gau eine Übereinkunft folgender Art erzielt: Telefunken stellt Wedel Arbeitsplätze zur Verfügung, dafür schafft Wedel Wohnraum. Im April 1955 wurden die Verträge zwischen der Stadt Wedel und den Bauträgern fixiert, Ende 1956 waren die Erschließungsarbeiten abgeschlossen. Da fertigte Telefunken schon seit einem Jahr in der Hafenstraße. Im Herbst 1957 war es dann so weit; alle 144 Werkswohnungen in den „Telefunkenhäusern" standen zur Verfügung.
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Schüller hatte bereits an den weiteren Ausbau in Wedel gedacht

Zusätzlich hatte Telefunken für erwartete Ausbaustufen das Vorkaufsrecht für die beiden Bauernhöfe auf der Ostseite der Hafenstraße erworben. Mit dem Einzug Telefunkens begann die Entwicklung und Produktion einer modernen, weltweit führenden Technik in der Hafenstraße.

Eduard Schüller
und ein Rückblick auf die alten Zeiten 1933

Dafür garantierte schon die Leitung des Werkes durch Eduard Schüller, einem der ganz großen Erfinder des zwanzigsten Jahrhunderts. Als Diplomand hatte er 1933 mit seinem „Ringkopf das Problem des Tonkopfes gelöst, das in den vorangegangenen 35 Jahren niemand in den Griff bekommen hatte. (1898 hatte Valdemar Poulsen seine ersten Versuche zur magnetischen Aufzeichnung durchgeführt).

1935 startete der Welterfolg "Magnetophon"

Das AEG K1 von 1935

Jetzt startete die industrielle Tonbandfertigung bei den Firmen AEG in Berlin und IG Farben in Ludwigshafen; schon 1935 wurde das erste „Magnetophon" auf der Berliner Funkausstellung ein großer Erfolg. Der genannte Ringkopf ist auch heute noch Basis aller magnetischen Ton- und Bildaufzeichnungen wie Tonband, Kassettenrecorder, Minidisk, Videorecorder, Videokamera usw.

Alle brauchen die Schüllersche Erfindung

Selbst die modernen Köpfe zur Aufzeichnung von Daten auf der Festplatte von Computern arbeiten nach dem Schüllerschen Patent von 1933. Auch die weitere Entwicklung der Aufzeichnungstechnik hat Schüller bis kurz vor seinem Tode mit fast 100 Patenten beeinflußt, darunter waren ganz entscheidende, wie der Stereotonkopf von 1938, das Pilottonverfahren zur Synchronisation von Ton und Bild beim Kino und das sogenannte Schrägspurverfahren von 1953, das heute weltweit Basis aller Videorecorder ist.

Telefunken 1958/59: Serienfertigung von Studio-Magnetophonen Typ M10 in der neuen Shedhalle.

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  • Anmerkung : In der Funkschau von 1960 sind erste Bilder aus japanischen Elektronik-Fabriken zu sehen. Die Unterschiede sind erschreckend, denn wir hatten damals diese (unsere) Bilder hier nicht gesehen, aber die japanischen. Die Bilder werden noch gescannt. Dort sieht man wohlgeordnete lange Fließbänder, die durchorganisiert ausschaun. Hier schaut es eher nach Labor und Werkstatt aus, aber nicht nach Produktion.

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Auf den Lizenzeinnahmen ausgeruht ?

Ab 1938 bis in die 1990er Jahre hinein verwendeten die (deutschen) Rundfunkanstalten und später die Fernseh- und Filmstudios ebenso wie die Schallplattenindustrie zur Tonaufzeichnung die Magnetophone von AEG-Telefunken. Als Mitte der fünfziger Jahre der Wettbewerb auf dem Heimgerätemarkt explosionsartig anstieg, konnte Telefunken erhebliche Lizenzeinnahmen von den Konkurrenten verbuchen - eben wegen der Schüllerschen Patente.

  • Anmerkung : Hier schreibt Dr. Gerhard Kuper über "seine" Firma - und wie steht es bei Grundig : "Ein Freund schreibt über einen Freund." Die von einem externen Betrachter wie mir recherchierte Wahrheit sieht etwas anders aus. Telefunken hatte es nicht geschafft, auf dem Weltmarkt nachhaltig Fuß zu fassen. Grundig hatte es versucht und nicht geschafft, BRAUN hatte es versucht und auch nicht geschafft, dagegen Leitz hatte es geschafft, und Zeiss hatte es geschafft, und auch Willi Studer hatte es geschafft. Und von den Japanern wollen wir da gar nicht reden.

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Tonbandgeräte nach Telefunkenlizenz

Selbst 1960 fertigten japanische Hersteller wie SONY noch Tonbandgeräte auf Telefunkenlizenz.

Auf dem Markt der Studiogeräte stand Telefunken fast unangefochten da; selbst in die USA wurden Geräte aus Wedel verkauft, und besonders wichtige Kunden erhielten goldene Magnetophone, wie etwa der belgische König oder der Schah von Persien.
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  • Anmerkung : Die Telefunken Patente (also alle Kriegesverlierer-Patente) von vor 1945 waren weltweit für nichtig erklärt worden, nur nicht in Deutschland. Warum Japan dann dafür bezahlen mußte, ist nicht schlüssig. Selbst Willi Studer mußte nicht für das 3-Motoren Patent der AEG zahlen, weil er in der Schweiz residierte. Es gab ja einen Grund, warum Max Grundig viele Jahre keine 3-Motorengeräte gebaut hatte. In der Schublade waren die auch dort fertig. Übrigens ebenso wie bei Dr. Schoeps in Karlsruhe und bei Wolfgang Bogen in Berlin. Bei BRAUN (TG60 bis TG1000) und bei SABA (600SH) waren die Stückzahlen so klein, daß es nicht mal für die Kantine gereicht hätte. Und als UHER und Grundig anfingen, war der große Run sowieso schon vorbei und die Patente waren abgelaufen.

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Der Zwang zur Expansion

Wie in führenden „Kompetenzzentren" üblich, trugen die Kunden ihre Aufgaben und Probleme dem Hersteller vor, der für diese Probleme spezielle Lösungen entwarf. So kam es auch bei Telefunken in Wedel kontinuierlich zu Weiterentwicklungen, die immer neue Anwendungen für die magnetische Aufzeichnung erschlossen und damit auch eine Vergrößerung des Betriebes erforderlich machten.

1957 hatten sie fast 700 Mitarbeiter

Als man sich 1957 einer Mitarbeiterzahl von 700 näherte, wurde ein Ausbau des Werkes beschlossen. Zu einer Reihe von Architektenentwürfen wurden Modelle gefertigt. Diese zeigen einen heute kaum vorstellbar großen Komplex an der Hafenstraße. Glücklicherweise hatte Telefunken in Ulm gerade zu dieser Zeit mit sogenannten "Shedhallen", erstellt nach einer neuen Spannbetonbauweise, gute Erfahrungen gemacht.

Deshalb wurde 1958 eine zweistöckige Shedhalle nach dieser Technik und etwas versteckt hinter den Klinkergebäuden gebaut. Diese brachte eine wesentliche Erleichterung der Fertigung.

Ende der 1950er - die Produkte stimmten nicht mehr

Das KL35 war kein Erfolg

Trotz aller technischen Erfolge traten Ende der fünfziger Jahre wirtschaftliche Probleme auf: Die (semiprofesionellen) Heimgeräte aus Wedel waren besonders hochwertig, aber auch besonders teuer und deshalb nicht in den geplanten Stückzahlen abzusetzen.

Preisgünstigere stellte Telefunken im eigenen Konzern aufgrund einer Entscheidung der Geschäftsführung in Berlin her, zu allem Überfluß mit Spezialisten, die aus Wedel abgeworben worden waren.

Eine Fehlentscheidung von ganz oben

Schließlich entschied die Konzernleitung (in Hannover oder Frankfurt), die Magnetophonfertigung von Wedel nach Berlin und Konstanz zu verlegen. Bis 1962 wurde der Übergang abgeschlossen.

Als Erfinder hat Eduard Schüller nicht nur zu seiner Zeit den 700 Mitarbeitern in Wedel Arbeit und Brot gegeben, vielmehr lebt noch heute eine unüberschaubare Zahl von Menschen weltweit von seinen Erfindungen und Patenten (Stand von 2003). Sein Grab befindet sich auf dem Wedeler Friedhof am Breiten Weg.

1962 - Telefunken verläßt Wedel
Die AEG Marinetechnik kommt

Schon bevor Telefunken 1962 Wedel verließ, waren Teile der AEG Marinetechnik in der Hafenstraße eingezogen: Telefunken hatte der AEG, die im Hamburger Raum eine Fertigungsstätte suchte und in Schenefeld schon ein Bauvorhaben begonnen hatte, das Werk in Wedel angeboten. Diese nahm das Angebot an. Viele Mitarbeiter, die nicht mit Telefunken an andere Standorte wechseln wollten, wurden von der aufstrebenden Marinetechnik übernommen.

Es war allerdings abzusehen, daß das bisherige Gelände nicht für die vorgesehenen AEG-Aufgaben ausreichen würde. Da Telefunken das Vorkaufsrecht für die beiden Bauernhöfe auf der östlichen Seite der Hafenstraße hatte, wurde vor dem Besitzerwechsel noch von diesem Recht Gebrauch gemacht. Allerdings war 1962 auch das Jahr, in dem AEG und Telefunken endgültig zu einem einzigen Konzern verschmolzen.

Das Ende der Bauernhöfe

Mitte der 1960er Jahre wurden die vorhandene Räume für die anliegenden Aufgaben der AEG zu klein. Deshalb setzte jetzt eine starke Bautätigkeit ein, die selbstverständlich parallel zu Entwicklung und Fertigung erfolgen mußte und ohne diese zu stören.

Jetzt nutzte man das Vorkaufsrecht auf die Bauernhöfe Groth und Johann Körner. Schon vor dem Abriß war der Hof zunehmend „industriell" genutzt worden: Er war nicht nur Lager für Telefunken und AEG, auf seinem Gelände wurden die Fahrräder und Autos von Firmenmitarbeitern geparkt.

Expansion der AEG bis an die Grenzen

Von Telefunken ist nichts mehr zu sehen

Schon seit längerem wollte die AEG die inzwischen viel zu kleine AROMAX-Kantine durch eine größere ersetzen. Die Planung sah für die Kantine eine Verlängerung des roten Gebäudes in Richtung Wedel vor - das Gebäude der heutigen Tanzschule Riemer. Das Laborgebäude stand senkrecht zur Straße und sollte an die Kantine angebaut werden - das Gebäude des heutigen Hotels Senator Marina.

1978 war auch die AEG mit den geschilderten Maßnahmen an den Grenzen ihrer Möglichkeiten in der Hafenstraße angekommen. Ein nennenswerter Ausbau war nach Flächennutzungsplan nicht mehr möglich. Da das Geschäft damals noch weiter „brummte", setzte ein schrittweiser Umzug in die Wedeler Industriestraße ein. Anfangs bevorzugte die AEG das Leasing der benötigten Gebäude, das dort von der bekannten Hamburger Bergungs- und Taucherfirma Harms angeboten wurde.

Die Hafenstrasse nach Telefunken und der AEG

Damit war die Zeit der Wedeler Hafenstraße als Standort von hoch qualifizierten Kompetenzzentren erst mal beendet. Inzwischen werden die Räumlichkeiten von verschiedenen, vergleichsweise kleinen Firmen genutzt; es hat den Anschein, als ob sich aus einigen davon wieder neue Kompetenzzentren entwickeln könnten. (Stand von 2003).

Nachtrag - teils aus anderen Bereichen dupliziert.

Die AEG als wirklich großer Konzern hing bereits viele Jahre vor 1933 an den Tröpfen der Banken - insbesondere mit 6,5 Milliarden DM Leih-Kapital zuletzt an der Deutschen Bank - und selbst zusammen mit Telefunken haben "sie" es nicht geschafft, aus dieser Abhängigkeit der Unterkapitalisierung herauszukommen. Ein Eingeweihter aus den Reihen der pensionierten Telefunken "Leute" in Hannover hatte es mir dann telefonisch und anonym "gesteckt". Und ganz plötzlich, wenn man weiß, worauf man achten müsste, kann man es in dem dicken AEG Buch Zeile für Zeile nachlesen. Zu viele Bereiche der AEG waren fast genauso fatal defizitär wie bei dem Audio-Bereich der BRAUN AG in Frankfurt, - sie haben es nie in die schwarzen Zahlen geschafft.

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