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Das Thiele Interview mit den alten AEG Entwicklern:
Vorwort und Erläuterung

Heinz Thiele (FU Berlin) hatte 1981 nochmal die "Alten von damals" nach Berlin eingeladen und dieses Gespräch auf Magnetband aufgenommen. Die vorhandene Abschrift ist in vielen Abschnitten vom Sinn her schwer zu verstehen bzw. mißverständlich.

Wir nehmen an, daß der Redakteur, der die erste Abschrift dieses Bandes anfertigte, beim damaligen Abhören des Bandes nicht alle Zusammenhänge des technischen Umfeldes vorliegen hatte, bzw. daß diese nicht so einfach zugänglich waren wie heute. Aus der Abschrift und den Tonaufzeichnungen und unserem eigenen Erfahrungs-Hintergrund haben wir versucht, die doch recht komplexen zeitlichen Zusammenhänge abzugleichen und zu verdeutlichen und so haben wir das damalige Gespräch / Interview in einer eigenen Version ergänzt, kommentiert und hoffentlich verständlich nacherzählt.

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Einleitung und Begrüßung

Heinz Thiele:

Im Rahmen meiner Bemühungen, die Entwicklung der magnetischen Speicherverfahren sowie der zugehörigen Geräte zu erfassen, spielt das Magnetophon naturgemäß eine besondere Rolle. Bekanntlich war das 1935 auf der Berliner Funkausstellung gezeigte AEG-Magnetophon K 1 das erste industriell gefertigte Magnetbandgerät überhaupt.

 

Heute am 23.09.1981 habe ich als Gäste bei mir in Schwarzenbek eine Anzahl von Experten, die alle in irgendeiner Weise mit dem Magnetophon befaßt waren oder noch damit zu tun haben.

 

Es spricht zuerst Herr Westpfahl:

 

Ich möchte mich herzlich bedanken für die Einladung und freue mich über die Gelegenheit, aus den Kindertagen des Magnetophons berichten und unsere Erinnerungen auf Tonband festhalten zu können. Ich bin der einzige berlebende aus dem kleinen Team, das das Magnetophon aus der Taufe gehoben hat, also auch der Einzige, der aus dieser Zeit berichten kann. Es ist in der Zwischenzeit sehr sehr viel über die magnetische Aufzeichnungstechnik geschrieben worden, leider vielfach entstellt durch falsche Zeitangaben, falsche Typbezeichnungen und so weiter.

 

Ich möchte ähnlich wie eine Biographie von Anfang an berichten, wie ich zur AEG kam. Als ausgebildeter Ingenieur hatte ich mich (1933) dort beworben und wurde zu Herrn Patzschke der Fabriken-Oberleitung am Friedrich-Karl-Ufer bestellt, der mich nach meiner Berufserfahrung befragte. Er zeigte sich überrascht, daß ich mich schon seit fünf Jahren mit der Rundfunktechnik, teilweise durch den Eigenbau von Empfängern und Verstärkern, beschäftigt hatte. Nach kurzer Zeit wurde ich eingeladen, mich im Kabelwerk Oberspree (KW0) bei Dr. Volk vorzustellen.

 

An einem dunstigen Novembermorgen sah ich schemenhaft die neuen riesigen Schornsteine des KWÜ in den Himmel ragen, dann die langgestreckten Fabrikhallen am Spree-Ufer und die großen Bauten, in denen alle Labors und Forschungsinstitute untergebracht waren. Ich bog in die Wilhelminenhof-Straße ein und ging an der scheinbar endlosen Mauer entlang, bis ich zum Fabriktor Nr. 5 kam, wo ich mich melden sollte. Hier mußte ich einen Passierschein ausfüllen; die Stempeluhr zeigte den ersten November 1933 um 10.19 Uhr. So begann für mich eine Laufbahn, der ich bis heute treu geblieben bin.

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