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Die ATR-60 Maschine ist (war) seit 1998 nicht mehr in Betrieb

von Gert Redlich im Jan. 2018 - Und das merkt man natürlich, denn die beweglichen Teile sind schwergängig geworden oder haben andere Probleme. Der TEAC Capstan-Motor macht ziemliche Lauf- oder Lager-Geräusche. Das verträgt der Capstan bestimmt nicht mehr lange und die (meine Hifi-) Ohren auch nicht. Die meisten Studiomaschienen laufen nahezu lautlos.
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Der Tonwellenmotor / Capstan-Motor nach 20 Jahren

im eingebauten Zustand
ausgebaut mit Abschirmung
die Regelelektronik

Er hatte die 30 Jahre (nach 1986) auch nicht klaglos abgewartet. Maschine über 20 Jahre nicht mehr Der Capstan-Motor ist zur Zeit sehr laut, viel zu laut - insbesondere bei 38cm/s. Ich höre die Kugellager und spüre die leichten Vibrationen der Kugeln. Da diesein Betrieb war, sind die lager-Fette vermutlich verharzt und jetzt rappeln die Kugeln über diese harten "Buckel" hinweg und das vibriert deutlich.

Doch so leicht kommt man an den Motor nicht ran. Von hinten sieht man ihn nur, wenn die Buchsenplatte bereits abgeschraubt ist.

Das Ausbauen ist sehr mühsam, denn die drei Schrauben sind mit "Loctite" oder einem anderen Fixier-Lack fixiert bzw. verklebt. Ich mußte da wirklich rohe Gewalt anwenden und damit auch 2 der Kreuzschlitz- Schraubenköpfe "killen". Die Köpfe dieser beiden Schrauben sind jetzt unbrauchbar.

Dieser Servo-Motor hat seine gesamte Leistungs-Steuerung und Regelung (3 elektronische Phasen) auf der Platine huckepack hinten (unten) drauf. Von der Laufwerksteuerung bekommt er nur noch die Geschwindigkeit vorgeschrieben, die der Bediener mit der Reglerplatine auf der linken Front-Seite einstellen kann oder die per Time-Code von draußen vorgegeben wird. Das bedeutet, der Capstan-Motor kann stufenlos mit fast jeder beliebiegen Drehzal betrieben werden.
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sichtbar :das Abschirmblech

Neue Kugellager müssen her

Zuerst mal muß der Capstan-Motor ausgebaut werden. Wie ich das gemacht habe, steht oben drüber. Jetzt ist er draußen und ich muß die beiden Kugellager ausbauen.

Dazu muß der Motor komplett zerlegt werden. Sinnvollerweise fotgrafiert man den Motor in allen Zerlegungs-Phasen von allen Seiten, wegen des späteren Zusammenbaus.

Ganz WICHTIG : Von jetzt an KEINE Gewalt mehr anwenden, alles geht ziemlich leicht, wenn man weiß, wie es geht.
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Es ist ein Aussenläufer in dem Rohr

Ich hatte das nicht erwartet, es ist also doch ein Aussenläufer - nach dem System Pabst. Die Patente waren (vermutlich) damals (1986) bereits abgelaufen. Der Rotor - die Glocke aus Stahl - enthält 4 schwere Magnete - und wird von einem massiven Stahlblechrohr außen verkleidet. Dazu ist der Rotor auch ausgewuchtet, wie man an der Bohrung in der Glocke erkennt.
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Das elektrische und elektronische Innenleben des Motors interessiert uns weniger, uns interessiert die Motor-Achse mit den beiden rappelnden Kugellagern.
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Auf beiden Seiten der Achse gibt es Seeger-Ringe

Verblüfft hatte mich, daß es 2 Kugellager unterschiedlicher Größe sind. Das ist eigentlich auch sinnvoll, weil nur oben ein kräftiger seitlicher Druck mit der Gummiandruckrolle ausgeübt wird. Unten ist die radiale Belastung gering. Da wird die erstaunlich lange Achse nur "geführt".


Man sieht, wie das Fett "ausgegast" ist, der braune Rand hier :

End of Life = kaputt
das ist nicht reparabel

Nachdem ich mich ab etwa 1999 mit den DLT- Data- Laufwerken von DEC und Quantum beschäftigt hatte und über mannigfaltige Fehler gestolpert war, hatte ich irgendwann das Weisbuch von DEC aus dem Jahr 1984 gefunden. (Das sind Bücher, in denen wirklich alles, aber auch alles ausführlich drinnen steht.)

Und fast am Anfang steht da ganz groß:

In einem Magnetbandlaufwerk haben Fett und Öl nichts zu suchen. !!!


Diese DLT/LTO/Ultrium Technik scheiterte an den ausgasenden Ölen und Fetten, die die 1/2" Bänder hauchdünn "belegt" hatten und damit sammelten sich an den Köpfen Staubklümpchen an. Eigentlich lachhaft diese Klümpchen, aber bei über 128 Spuren auf 12,6mm Bandbreite absolut schlimm.

Ich weiß also, auch Kugellager verlieren ihre Schmierung nach 10 bis 15 Jahren und laufen trocken.
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Die beiden alten Lager
an der richtigen Stelle messen
oben war es nun mal falsch
das ALU-Gehäuse

Neue Kugellager sind bestellt (und da)

Beim Ausmessen der Vergleichsdaten oder Werte - traue niemandem über 30 - kann einem nach 30 Jahren (Mechanik-) Pause auch mal ein Lapsus passieren.

Und da wird an der falschen Stelle an der Achse ein Durchmesser ausgemessen und dafür gibts dann halt keine Kugellager. Kugellager sind seit mehr als 60 Jahren weltweit genormt, zumindest im Millimeter-Bereich.

Und wenn ein Maß raus kommt, das nirgendwo passt, dann hat man sich "allerhöchstwahrscheinlich" "vermessen", also ungeschickt angestellt.

Auch das Ablesen einer Mikrometerschraube hat es in sich, wenn da 1/50 mm angezeigt werden. Jedenfalls muß am Ende ein Wert rauskommen, der ganz in der Nähe der Norm-Maße liegt. Sonst ist etwas faul.

Die gemessenen korrekten Werte der beiden unterschiedlichen Lager-Bereiche der Achse sind : 7,00mm und 12,40mm.

Die Aussendurchmesser der beiden Kugellager sind 19,00mm und 28,6mm. Die Kugellager gehen leicht bis doch recht stramm (also etwas Kraft) auf die Achse drauf. In das Alu-Gußgehäuse des Motors gehen die beiden Kugellager saugend rein.
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Die erneute Montage des Motors ist etwas kritisch

Der mechanische Außen-Teil des Motors besteht aus 2 gefrästen Alu-"Deckeln", zwischen denen das drehbare Innenleben (der Rotor) untergebracht ist. Dazwischen ist eine Stahlblech-"röhre", die mit 4 ganz langen Schrauben diese beiden Deckel zusammen preßt. Besonders präzise ist das aber nicht, man muß es ausprobieren. Bei der erneuten Montage - nach dem Austausch der beiden Kugellager -, kann es vorkommen, daß die runde auf dem Außenläufer des Rotors aufmontierte Zackenscheibe des Tachogenerators an irgend einem Teil aneckt und der Motor sich nicht mehr dreht. Jetzt fängt eine längere Fummelei an, die einem Profi nicht gefällt. Dieser Capstan-Motor ist vermutlich zugekauft und darum fix und fertig montiert, sodaß das nie aufgefallen war.
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Natürlich gibt es bei uns noch "das Maß der Dinge"

Das ist eine Videorecorder Kopftrommel aus einem 129.- DM Lowcost Recorder von vor vielen vielen Jahren. Dort sind zwei japanische "Phänomene" eingebaut, zwei ganz ganz billige Kugellager, die sind nach dem händischen "Anwerfen einer Drehbewegung" scheinbar endlos lange (weiter-) drehen.

Das Unterteil der Kopftrommel war fest im Chassis montiert und das Oberteil (mit den Magnetköpfen) dreht sich - jetzt ohne Spindelmotor - gefühlt mehrere Minuten lang, je nachdem, wieviel Schwung ich in die Drehung rein packe.

Leider passen diese Kugellager nicht in unseren TEAC-Capstan- Motor.
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Noch mehr verharztes Öl oder Fett

Die beiden blanken Umlenk-Bolzen, die per Hubmagnet das Band beim Umspulen von den Magnet-Köpfen abheben sollen, sind in ihren Führungen auch bereits verharzt und sehr schwergängig. Vor allem, sie wandern nicht mehr zurück in den Ausgangszustand. Dann hört man halt nichts, denn das Band bleibt abgehoben. Ein kleinstes Tröpfchen Öl ganz unten unten im Laufwerk und es müsste wieder flutschen. Hier kommt der Öl-Nebel nicht mit dem Band in Berührung, da das Band außen auf dem Gerät läuft und nicht, wie zum Beispiel bei den Grundig/Philips VCR- Videorecordern und den amerikanischen DLT Laufwerken, innen im Gehäuse.
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