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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Das Braun TG 60 Bandgerät - der erste richtige Prospekt :

Assmann Magnetbandtechnik

Das BRAUN TG 60 war Wolfgang Hasselbachs Liebling. Er beendete sein Physikstudium an der UNI Frankfurt zusammen mit seinem Freund Walter Mayer in 1951/52 mit einer Diplomarbeit über die moderne Technik der Magnetköpfe (von seinem späteren Freund Wolfgang Bogen) und den physikalischen Grundlagen der damit verbundenen Aufnahme und Wiedergabe auf Magnetband. Als er bei Assmann in Bad Homburg dann diese Magnetband-Technik bis etwa 1955/56 betreute, wurde er von den BRAUN Brüdern angesprochen und gefragt, ob er nicht bei BRAUN völlig neue Produkte entwickeln möchte. Man würde sich im aufkommenden Hifi-Bereich sehr stark engagieren wollen. Und damit fing er an, "sein" Tonbandgerät nach seinen Ideen und Vorgaben vorzubereiten. Die Hasselbachsche Diplomarbeit ist schon eingescannt, aber aufgrund des Alters und der Papierqualität sehr schwer in Text umzuformen.

Zum Verständnis muß man wissen, daß Willi Studer aus der Schweiz mit den Bandgeräten der 36er Serie bereits einige Erfolgsmodelle verkaufte und daß 1964 gerade die ReVox Version G36 - voll mit Röhren bestückt - "große" Erfolge feierte. Doch für den angedachten Home-Hifi-Bereich schien solch ein großes Gerät nicht so geeignet. Auch hatten die BRAUN Brüder ganz andere Vorstellungen von Design und Bedienung. Seit etwa 1958 wurden die BRAUN Geräte von Dieter Rams und seinen Kollegen völig anders gestaltet und deren "Konzept" mußte er natürlich auch noch "einbauen".

TG60 - seitlich und vorne zu
und dann noch völlig eingebaut

Wie er mir 2010 erzählte, entstand das TG 60 als "ein großer Haufen" teils fauler Kompromisse, die ihn doch sehr geärgert bzw. frustiert hatten. Auch die anderen großen und teuren BRAUN Edel-Hifi Geräte der 1000er Serie waren immer und immer wieder Kompromisse gegen seinen Willen.

Bei dem BRAUN TG 60 hatte er anfänglich Front-, Rück- und Seitenteile als Lochbleche vorgesehen. Die Wärmeentwicklung bei laufendem Betrieb war erheblich und einen Lüfter "durfte" er auch nicht einbauen. Die damaligen Wickelmotoren erzeugten eine offensichtlich doch erhebliche Abwärme, die sich später in dem Gehäuse staute. Insbesondere bei waagrechtem Betrieb wurde das TG60 nach einer Stunde innen nahezu glühend heiß. Jedem Ingenieur standen die Haare zu Berge. Doch es mußte schnellstens auf den Markt, denn der wartete auch damals nicht.

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Herbst 1965 - Januar 1966
TG 60 - Ein Heimstudiogerät für Aufnahme- und Wiedergabe

Als Heimtonbandgerät konstruiert, erfüllt das TG 60 doch Ansprüche, wie sie sonst nur an Studiomaschinen für professionelle Zwecke gestellt werden, es ermöglicht auch dem privaten Musikliebhaber Aufnahme und Wiedergabe in studiomäßiger Vollkommenheit.

In Technik und Form
ist es den Spitzenprodukten unserer HiFi Anlagen angepaßt, in den Grundqualitäten auf die übrigen Bausteine von HiFi Geräten abgestimmt und kann als hochwertiger HiFi Baustein für die großen Braun Studio Anlagen verwendet werden.

In jedem Detail birgt das TG 60 besondere Techniken und Materialien
, jedoch wurde bei der Konstruktion bewußt auf alle Spielereien, wie Playback und Tricktasten, verzichtet. Im Vordergrund aller Überlegungen stand das Ziel, mit optimalen Mitteln höchste Werte in Frequenzumfang, Verzerrungsfreiheit und Naturtreue der Wiedergabe zu erreichen.

Was zeichnet TG 60 als hochwertiges Heimstudio-Gerät besonders aus?

Das Laufwerk des TG 60 wird von drei Motoren, zwei für Auf- und Abwickeln und einem polumschaltbaren Hysteresis Synchronmotor angetrieben. Capstan-Antrieb und Bandzug-Feinfühlautomatik gewährleisten den Gleichlauf und konstanten Bandzug, unabhängig von der Größe der Wickel; Tonhöhenschwankungen werden soweit herabgedrückt, daß sie nicht mehr hörbar sind. Da TG 60 drei Motoren besitzt, enthält es keine dem Verschleiß ausgesetzten Antriebselemente, wie Reibrad und Riemen. Tonmotor und Kopfträger sind durch eine schwere Gußbrücke unverrückbar starr verbunden.

Mit drei getrennten Köpfen für Löschen, Aufsprechen und Wiedergeben werden optimale Werte verwirklicht; sie machen u. a. Hinterbandkontrolle möglich. Diese Ausstattung ist im allgemeinen nur bei Studiogeräten üblich. Serienmäßig ist TG 60 mit Halbspurköpfen ausgerüstet, d. h. auf ein Band können zwei Spuren aufgesprochen werden. Das Band kann wahlweise mono-einzeln oder stereo-gemeinsam aufnehmen und abspielen. Für Stereo-HiFi-Tonbandgeräte bevorzugt man die Halbspurtechnik. (Anmerkung: In den Studios gab es damals auch Vollspur-Geräte.)

Die Bedienung

Die Bedienungselemente sind übersichtlich angeordnet, der Bedienungsaufwand ist auf ein Minimum reduziert. Da alle Tasten über Mikroschalter Relais betätigen, reagieren sie auf leisestes Antippen.

TG 60 wird mit 19 cm/s oder 9,5 cm/s Bandgeschwindigkeit betrieben. Nur eine hohe Band- geschwindigkeit ermöglicht hochwertige Musikaufnahmen. Bei beiden Bandgeschwindigkeiten werden die in DIN 45500, Blatt 4, für HiFi Wiedergabe geforderten Daten erreicht und übertroffen. Natürlich ist die bei 19 cm/s erreichte Qualität höher als bei 9,5 cm/s.

Tonbandspulen bis 18cm

TG 60 kann Tonbandspulen bis 18cm spielen. Hohe Qualität in Aufnahme und Wiedergabe verbürgen die Langspielbänder Braun TB 631 oder Agfa PE 31. Auf das Braun (BASF) Band TB 631 wird das TG 60 speziell eingemessen. Bei Laufgeschwindigkeit 19 cm/s beträgt die Laufzeit für Stereo-Aufnahme oder Wiedergabe 45 Minuten (bei Mono 45 Minuten je Spur). Das Umspulen des Tonbandes geschieht in kürzester Zeit, bei einer 18er Spule (Langspielband) in 72 Sekunden.

Mikrofone richtig wählen

Entscheidend für optimale Aufnahmequalität (und damit gute Wiedergabequalität) ist die richtige Wahl des Mikrofons; denn die Aufnahmequalität z. B. eines Musikstückes wird wesentlich von den Übertragungseigenschaften des Mikrofons beeinflußt.

Für jeden Anwendungszweck gibt es speziell ausgerichtete Mikrofone, für Sprach- oder Konzertaufnahmen, für Soloinstrumente oder Jazzbands. Shure baut eine Vielzahl dieser Mikrofone, Spezialtypen für jeden Anwendungsbereich. Für Tonbandaufnahmen mit dem TG60 haben sich die Shure Mikrofone 578, 545,580 SB, 546 und 575 SB gut bewährt. Wir unterrichten Sie gern über Shure Mikrofone. Fordern Sie den Spezialprospekt darüber bei der Braun AG, 6 Frankfurt, Rüsselsheimer Straße, an.

Über die Konstruktion

Auf diesem Bild sieht man die Kehrseite der Medallie - keine Chance für die Umluft


Der Werbetexter sieht das aber ganz anders :
TG 60 wurde so konstruiert, daß es sowohl horizontal als auch vertikal betrieben werden kann. Es ist maßlich auf das HiFi-Stereo-Steuergerät TS 45 oder audio 2 abgestimmt und läßt sich mit TS 45 und den Lautsprechern L 450 in einer Reihe an die Wand hängen, bei waagerechtem Betrieb mit TS 45 oder audio 2 nebeneinander stellen. TG 60 kann aber auch mit den anderen großen Studio Anlagen kombiniert werden. Mögliche Kombinationen und Variationen finden Sie auf der Rückseite dieses Prospektes.
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Das TG60 - ein reines Laufwerk

Eine 3-Motoren Bedienung mit Tipptasten - das war absolut super.


Der Werbetexter schreibt weiter :
Im TG 60 sind keine Endverstärker und Lautsprecher eingebaut, es wird, wie andere Tonfrequenzquellen - Plattenspieler, Radioempfangsteile - an einen Verstärker angeschlossen, der einen (für Stereo-Wiedergabe zwei) Lautsprecher speist.

Mit dem Spurwahlschalter wird die Spur, die man abspielen will, eingestellt, für Mono-Wiedergabe also Spur 1, für Stereo-Wiedergabe Spur 1+2. Die gewünschte Lautstärke, Balance und Klang werden dann an dem jeweils angeschlossenen Verstärker eingestellt. Direkt jedoch kann man ein bespieltes Band auch ohne nachgeschalteten Verstärker mit zwei Kopfhörern (ca. 400 Ohm)
abhören.

Eine Besonderheit: Das Aufsuchen und Wiederfinden einer bestimmten Stelle im Band geht beim TG 60 durch den schnellen Vorlauf und Rücklauf ähnlich leicht und schnell vonstatten wie bei einer Schallplatte das Aufsuchen der Rillen. Man kann von «Vorlauf» auf «Rücklauf» umschalten, ohne die Taste «Stop» betätigen zu müssen.

Details und Enzelheiten:

(1) Scharniergegenstück für den aufsetzbaren Plexiglasdeckel, Schraubverriegelung.

(2) Für die erforderliche Aufnahme- und Wiedergabeentzerrung sind zwei Normen im Gebrauch. Beim TG 60 erfolgt die Aufnahme grundsätzlich nach NARTB. Damit aber jede Art bespielter Bänder wiedergegeben werden kann, läßt sich die Wiedergabe mit diesem Schalter wahlweise auf CCIR umschalten.

(3) Das TG 60 Bandgerät kann Tonbandspulen bis 18cm Durchmesser spielen. Eine Spule enthält 540m (also nicht 540cm !!) Langspielband und läuft bei 19 cm/s Bandgeschwindigkeit 45 Minuten und bei 9,5 cm/s Bandgeschwindigkeit 90 Minuten.

(4) Kontrolle mit einem Blick : Die Aussteuerung der beiden Kanäle läßt sich bequem an dem mit parallelen Skalen angeordneten Doppelinstrument ablesen.

(5) Das Band wird mit konstanter Kraft an die Laufflächen der Köpfe gedrückt. Das wird mit Hilfe des Bandzuges und durch die Umschlingung des Bandes um die Köpfe erreicht. Die Höhenführung des Bandes gewährleisten auf der Brücke fest montierte Gleitpfeiler zu beiden Seiten des Kopfträgers und eine zusätzliche Gabelführung zwischen Aufsprech-und Wiedergabekopf. Die Kraft, mit der die Andruckrolle an die Tonwelle drückt, wird durch die Haltekraft des Andruckmagneten und eine Feder bestimmt.

(6) Die hohe Umspulgeschwindigkeit und die schnellwirkenden Bremsen erleichtern das Aufsuchen bestimmter Stellen im Band. Das dreistellige Zählwerk hat Drucktasten-Nullstellung.

(7) Netzschalter und Schalter für die Wahl der Bandgeschwindigkeit: 9,5 oder 19 cm/s.

(8) Schalter für die Wahl der Spur, auf die aufgezeichnet oder wiedergegeben werden soll: für Mono-Aufnahmen auf 1, für Stereo-Aufnahmen auf 1 + 2. Diese Spurlage ist heute üblich und international genormt.

(9) Drucktastensteuerung über Relais und Zugmagnete: Die Tasten «vorlauf» und «rücklauf» bewirken schnelles Umspulen nach rechts oder links, durch die Taste «stop» wird das Band angehalten. Taste «start» setzt das band mit der vorgewählten Bandgeschwindigkeit in Bewegung. Das Band läuft auf Wiedergabe. Werden die Tasten «aufnahme» und die Taste «stop» - die als Aufnahmesperre dient - zugleich gedrückt, wird der Aufnahmeverstärker eingeschaltet, anschließend setzt die Taste «start» das Band in Bewegung.

(10) Mit dem kombinierten «Knopf und Knebel» kann die Aussteuerung beider Aufzeichnungen (Spur 1 + 2) getrennt geregelt werden. Das Anzeigeinstrument zeigt an, bei welcher Reglerstellung richtig ausgesteuert ist.

(11) Mit diesem Schalter wird die aufzunehmende Tonquelle gewählt. In Stellung «radio» wird die über einen Verstärker angeschlossene Tonquelle aufgenommen. In Stellung «phono» kann von Plattenspielern mit Kristallsystemen aufgenommen werden.
In Stellung «mikro» Aufnahme über Mikrofon.

(12) Alle Anschlußbuchsen sind versenkt auf der Unterseite des Gerätes angebracht. So stören an keiner Seite herausstehende Stecker und Kabel. Über die Buchse «radio» geht die Verbindung zu einem Verstärker für Aufnahme und Wiedergabe. An Buchse «phono» können Plattenspieler mit Kristalltonabnehmer angeschlossen werden. Die Buchse «mikro» dient zum Anschluß von Mikrofonen: a) eines einzelnen Mikrofones oder b) zweier Mikrofone für Stereo-Aufnahmen. Die Buchse «sync» ist zum Anschluß von Zusatzgeräten für synchrone Steuerung von Dia- und Filmprojektoren bestimmt und außerdem Ausgang für die Hinterbandkontrolle über Kopfhörer.

Anmerkung :
Die Befestigung der Scharniere erwies sich im intensiven Gebrauch als Bandgerät als sehr instabil und hinderlich.
Die beiden hochgelobten Anzeige-Instrumente zur Aussteuerung waren mitnichten leicht abzulesen, eher im Gegenteil. Damit war die Bezeichnung "Studio" sehr weit her geholt.
Und die im Boden eingelassenen DIN Buchsen waren für Mikrofone überhaupt nicht brauchbar.
Der "kombinierte" Aussteuerungsregler war eine einzige Fummelei. Getrenntes Aussteuern zweier Mikrofone war nahezu unmöglich.
Alleine die Tipptasten, die waren ein "Gedicht", das war absolut mustergültig.

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Elektrischer und mechanischer Aufbau

Ein Tonbandgerät hat die Aufgabe, tonfrequente elektromagnetische Schwingungen in Änderungen des Magnetisierungszustandes eines Magnetbandes umzusetzen. Außerdem muß die so gespeicherte Information wieder in den Ausgangszustand zurückverwandelt werden; d. h., das Signal muß möglichst präzise seinen Zustand vor der Aufnahme wiedererlangen. Die Präzision, mit der die Speicherung und die Wiedergabe der Information erfolgen, stellt die Qualität eines Magnetbandgerätes dar. Die wesentlichen Qualitätsmerkmale bei Tonbandgeräten finden sich in den technischen Daten unter folgenden Angaben; Tonhöhenschwankung, Ruhegeräusch-spannungsabstand bei vorgegebenem Klirrfaktor und Frequenzgang.

3 Motoren

Die Tonhöhenschwankungen werden durch Schwankungen der Bandgeschwindigkeiten verursacht. Im TG 60 werden Bandgeschwindigkeits- schwankungen durch die Aufteilung der Bewegungsfunktionen an 3 Motoren klein gehalten. Zwei Asynchron-Rohrläufer bewirken den Bandtransport. Für jede Bewegungsrichtung des Bandes ist also ein Wickelmotor vorhanden, das ermöglicht ein Hin-und Herspulen des Bandes mit außerordentlich hoher Geschwindigkeit. Bandbremsen halten die Bremszeiten sehr kurz. Zudem werden sämtliche Steuerfunktionen über Relais ausgeführt, die über leichtgängige Drucktasten und Mikroschalter betätigt werden. Das Zusammenwirken dieser Konstruktionsmerkmale mit einem vom Vorwickelmotor angetriebenen dreistelligen Bandzählwerk ermöglicht es, bestimmte Bandstellen äußerst schnell und zuverlässig zu finden. Zum Bandtransport bei Aufnahme oder Wiedergabe wird ein Hysteresis-Synchronmotor verwendet, der als Außenläufer ausgebildet ist. Das dadurch entstehende große Läuferträgheitsmoment, zusammen mit der Synchronisierungs-wirkung des Kurzschlußläufers, haben sehr kleine Pendelschwingungen zur Folge. Dieser Tonmotor ist polumschaltbar, die Tonwelle ist also unmittelbar Teil des Motors.

Die Bandführung

Sämtliche Bandführungselemente, der Andruckhebel, der die Andruckrolle an die Tonwelle drückt, der Kopfträger und der Tonmotor sind auf einer stabilen Gußbrücke zu einem Baustein zusammengefaßt. Bei Aufnahme oder Wiedergabe muß das Band mit einem gewissen minimalen (An-)Druck über die Köpfe laufen. Andererseits soll der Bandandruck nicht zu hoch sein, da die Köpfe sonst zu schnell verschleißen. Bei einem konstanten Bremsmoment am Abwickelmotor ergäbe sich bei normalen Spulengrößen eine Änderung des Bandzuges und des Kopfandruckes im Verhältnis 1:3 (volle Spule: nahezu leere Spule). Im TG 60 wird der Bandzug durch eine Regelung auf einen konstanten Wert gehalten. Ein Fühlhebel tastet den Bandzug ab. Treten durch Störgrößen oder durch Wickeldurchmesseränderungen Abweichungen vom Sollwert auf, so wird durch den Fühlhebel die Bandbremse am Abwickelmotor so verstellt, daß sich der vorgegebene Bandzug einstellt.

Der Weg des Fühlhebels ist in zwei Bereiche unterteilt. Fällt der Bandzug unter einen bestimmten Wert, so kommt der Fühlhebel aus dem Regelbereich in den Schaltbereich und betätigt einen Schalter, der das Gerät abschaltet. Das geschieht am Ende des Bandes oder beim Lösen einer Klebstelle. Die Bänder brauchen also keine Schaltfolien. Die Bandbremsen werden über einem Elektromagneten gelüftet. Ebenso wird der Andruckhebel von einem Elektromagneten betätigt.

Die Laufwerks-Steuerung

Im TG 60 sind zur Steuerung 5 Relais eingesetzt. Die Relais sind zusammen mit den Drucktasten in einer gedruckten Schaltung zu einem Baustein zusammengefaßt. Auch die elektronischen Elemente sind zu Baugruppen zusammengefaßt, die schnell ausgewechselt werden können. Die Verstärker für die einzelnen Kanäle sind getrennt auf gedruckten Schaltungen aufgebaut, je zwei Aufsprech- und Wiedergabeverstärker werden durch Schrauben und Distanzrohre in einem Abschirmwinkel zusammengefaßt. Die Abgleichpunkte sind von unten her, nach Abnehmen der Bodenplatte des Geräts, zugänglich. Der Oszillator ist in einem Alubecher untergebracht. Auch hier sind die Abgleichpunkte zugänglich.

Die Elektronik

Von den Eingangsbuchsen gelangt das Signal über abgeschirmte Leitungen an den Eingangswahlschalter. Durch Spannungsteilung wird auf die niedrigste Eingangsspannung, also auf 200uV, heruntergeteilt. Vom Eingangswahlschalter gelangt das Signal an die Eingangsstufe des Aufsprechverstärkers, die das Signal linear verstärkt. Nach der Eingangsstufe wird der Aufnahmepegel geregelt. Das ist möglich, weil die Eingangsstufe in hohem Maße übersteuerungsfest ist. Das in seiner Amplitude geregelte Signal gelangt nun auf den Entzerrungsverstärkerteil, der aus 3 Verstärkerstufen besteht. Das Signal bekommt eine Preemphasis und wird auf den zum Aufsprechen erforderlichen Pegel verstärkt.

Am Emitter der letzten Stufe wird das Signal für die Aussteuerungsanzeige
ausgekoppelt, die aus einer Verstärkerstufe mit nachgeschalteter Greinacher-Gleichrichtung besteht. Zwischen Aufsprechverstärker und Oszillator liegt ein Tiefpaß. Dieses Glied hat die Aufgabe, die Oszillatorfrequenz vom Aufsprechverstärker fernzuhalten und bei Aufnahmen von einem Multiplex-Stereo-Tuner die Oberwellen des Pilottons zu unterdrücken, damit sich keine Schwebungen (als Pfeiftöne hörbar) bilden können. Der Oszillator ist als Gegentaktschaltung ausgebildet, dadurch wird ein symmetrischer Vormagnetisierungsstrom erzeugt und eine rauschfreie Aufnahme erreicht.

Die Magnetköpfe

Der Aufsprechkopf ist ein professioneller Stereo-Halbspurringkernkopf, der Löschkopf mit je einem Ferrit-Magnetkreis mit unterteiltem Spalt für beide Spuren versehen und der Wiedergabekopf, ebenso wie der Aufsprechkopf, als Stereo-Halbspur Ringkernkopf ausgebildet. Der Anschliff ist so gestaltet, daß Spiegelwelligkeiten, die den Frequenzgang an der unteren Grenze ungünstig beeinflussen, praktisch nicht meßbar sind. Im Kopfträger ist Platz für einen Synchronisationskopf vorgesehen. Die Synchronisationsspur wird zwischen beide Tonspuren gesetzt, so daß bei Vertonungen auf Stereo-Klang nicht verzichtet zu werden braucht.

Vom Wiedergabekopf gelangt das Signal an die Wiedergabeverstärker. Das Signal erhält die zur Linearisierung erforderliche Deemphasis und wird über 4 Transistorstufen auf den Ausgangspegel verstärkt. Am Wiedergabeverstärker wird die Entzerrung von NARTB auf CCIR umgeschaltet.

Die technische Daten :

Die gemessenen Frequenzgänge des TG 60 im Juni 1966

Eingänge: (umschaltbar)
Mikro ca. 200uV,
Radio ca. 10 mV,
Phono ca. 200mV,
Ausgänge:
Radio ca. 1V,
Kopfhörer ca. 2V,
Klirrfaktor: (bei Vollaussteuerung)
k3 = 3% f = 1 kHz bei 19 cm/s
k3 = 5% f = 1 kHz bei 9,5 cm/s
Ruhegeräuschspannungsabstand:
> 55 dB bei 19 cm/s.
> 50 dB bei 9,5 cm/s.
Fremdspannungsabstand:
> 50 dB bei 19 cm/s.
> 45 dB bei 9,5 cm/s.
Frequenzgang: (nach DIN 45 500 Blatt 4)
20 Hz... 16 kHz bei 19 cm/s
40 Hz... 12,5 kHz bei 9,5 cm/s
Übersprechdämpfung:
bei Monobetrieb > 60dB
bei Stereobetrieb > 50dB
Löschdämpfung: > 70dB
Entzerrung:
Aufnahme: NARTB
3180us und 70us für 19cm/s
3180us und 120us für 9,5cm/s
Wiedergabe: NARTB (siehe oben) oder CCIR (70 us für 19,5 cm/s, 120 us für 9,5 cm/s)
Tonhöhenschwankung:
< 0,1 % bei 19 cm/s
< 0,15% bei 9,5 cm/s
Abweichung von der Soll-Bandgeschwindigkeit: < 0,3%

Anschlüsse:

Vier in der Bodenplatte versenkte Normbuchsen: Radio (Eingang und Ausgang), Phono (Eingang für Plattenspieler mit Kristallsystem), Sync (Kopfhörerausgang und Anschluß des Synchronisationskopfes), Mikro (Eingang für nieder-ohmige Mikrofone)

Ausstattung:

3 Motoren: 2 Wickelmotoren, Asynchron-Rohrläufer, 1 Tonmotor Hysteresis-Synchron-Außenläufer (Hersteller sämtlicher Motoren: Papst, St. Georgen)
3 Halbspur Stereo-Köpfe: Wiedergabekopf L=30mH ö=3u, Aufsprechkopf L=30mH Ö = 10u; Löschkopf L=1mH ö=2x 100u,
1 Synchronisationskopf nachrüstbar
Hersteller sämtlicher Köpfe: Bogen, Berlin

Je zwei getrennte Aufsprech- und Wiedergabeverstärker,
Gegentaktoszillator f = 105 kHz Halbleiterbestückung: Transistoren: 6 x AC 160, 12 x AC 150, 2xAC124;
Anmerkung : Das sind Germanium Transistoren
Dioden: 14 x SL 150,1 x SE 05 s;
Gleichrichter:2 x B 30 C 350,1 x B 30 c 2200
5 Relais durch Tasten und 6 Mikroschalter betätigt. Bandzugregelung bewirkt über Fühlhebel und Ablaufbremse. Fühlhebel betätigt gleichzeitig Bandendabschalter Bandbremsen.

TG 60: Variationen und Kombinationen mit HiFi-Bausteinen

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Maßlich ist TG 60 auf das Steuergerät TS 45 (Ausgangsleistung 2x12 Watt) abgestimmt und kann mit diesem und den Lautsprechern L 450 in einer Reihe an die Wand gehängt werden. Die Anlage eignet sich für mittlere und große Wohnräume.

Kombination: Tonbandgerät TG 60 mit dem Stereo-Steuergerät audio 2 (Verstärkerleistung wie TS 45, eingebauter Plattenspieler, Rundfunkteil) und den Regallautsprechern L 300, die trotz ihrer geringen Abmessungen hohe Tonqualität erreichen.

Für mittelgroße Räume eignet sich die Kombination Tonbandgerät TG 60, Verstärker CSV 12 (Ausgangsleistung 2x12 Watt), Plattenspieler PS 400, Lautsprecher L 60-4 als hochwertige HiFi Anlage. Die Lautsprechereinheiten L 60-4 lassen sich als Regal- oder Standbox (mit Fußgestell) verwenden.

HiFi Anlage, besonders für große Wohnräume: besteht aus TG 60, Verstärker CSV 60, Tuner CE 16, Plattenspieler PCS 5 und Lautsprecher L 80. In ihren Übertragungsdaten genügt sie hohen Ansprüchen, sie ist universell und anpassungsfähig. Die Lautsprecher L 80 beeindrucken durch außerordentlich kraftvolle Tiefen.

Studio 1000, die große Braun Musikanlage, bestehend aus TG 60, CSV 1000, PS 1000, CE 1000, L 1000, bietet, mit einem Maximum an technischem Aufwand, vollkommene Musikwiedergabe, höchstmöglichen Bedienungskomfort. Mit den Lautsprechern L 1000 ist die Anlage für große Räume und Säle bestimmt, bei geringerer Raumgröße eignen sich besonders die Lautsprecher L 700 oder L 900.

So weit der erste große TG 60 Prospekt im Herbst 1965.

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