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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Hier geht es um die aus dem Kriegs-Chaos geretteten historischen Magnetband-Aufnahmen

ein AEG Kartonaufkleber 1941 mit Chargen-Nummer
dazu ein original 6,5mm AEG Bandwickel aus 1940/41

Unbestritten hat das Magnetbandgerät der AEG die Welt verändert, ob direkt oder indirekt, es ist ein Meilenstein in der Entwicklung unserer weltweiten Kultur geworden. Vor allem der Durchbruch des Mediums Fernsehen wäre ohne eine Bildspeichertechnik wie die des Magnetbandes kaum möglich geworden.

Bei den nachfolgenden Titeln handelt es sich um eine Kompilation (eine Zusammenstellung) der noch verfügbaren Oiginalaufnahmen.

Es sind natürlich Kopien, die in hoher Qualität in das MP3 Format gewandelt wurden, damit sie überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich sein werden. Die heutzutage mögliche Qualität der digitalen Speicherung im MP3 Format übertrifft die damals mögliche analoge Qualität um ein Vielfaches, darum ist es hier besonders sinnvoll.

Zeitzeugnisse der Tonband- Geschichte

Mehrere frühe erhalten gebliebene Tonband-Aufnahmen aus Mannheim und Ludwigshafen in zeitlicher Aufeinanderfolge aus dem Nationaltheater Mannheim vom 27. April 1935 und aus dem Feierabenhaus Ludwigshafen:
Am 19. November 1936 / am 6. 17. Januar 1937 / am 1. Mai 1940 sowie eine alte Rundfunkaufnahme aus 1948.

Für alle "ftp" Downloads vor dem 1.12.2010 !!!

Mir ist eine freud'sche Fehlleistung unterlaufen beim Track-07 "Beethoven Die-Wut-ueber-den-verlorenen-Groschen.mp3" - das war vormals ein Unix Dateiname mit einem Umlaut,
ein regelrechtes Verbrechen eines Programmierers, Track 07 ist am 1.12.2010 repariert. Bitte versuchen Sie es nochmals.

Frühe Magnetbandaufnahmen aus Mannheim und Ludwigshafen

Die Sensation war perfekt - bereits das AEG K2

Zugegeben, es ist kein reines Vergnügen, die folgenden Aufnahmen anzuhören. Es sind freilich historische, zumindest technikhistorische, zwischen 1935 und 1948 in Ludwigshafen am Rhein und Mannheim entstandene Dokumente, die gewissermaßen die ersten Gehversuche der Musikaufzeichnung auf Magnetband überliefern.

Im Herbst 1932 (so eine Quelle, eine andere Quelle spricht von 1934) vereinbart, hatte die Zusammenarbeit zwischen der AEG in Berlin und der I.G.-Farbenindustrie AG, Werk Ludwigshafen, zu einem 1935 vorgestellten Aufzeichnungssystem geführt, dem Magnetophon.

Die AEG konstruierte und lieferte die technischen Geräte, die I.G. entwickelte und produzierte die Ton-Bänder. Fast möchte man es als eine Frühgeburt bezeichnen, denn was das Magnetophon in den ersten Jahren von sich gab, war damals der Schellackplatte - ganz zu schweigen von der beim Rundfunk und für die Schallplattenproduktion benutzten Wachsplatte - qualitativ weit unterlegen, sodaß das Magnetophon nur als Diktier- und Protokolliergerät beworben wurde.

Allerdings war es hier dank seiner Spielzeit von 25 Minuten (bei 1500 Meter Magnetophonband mit einer Bandgeschwindigkeit von 1 m/s) allen Platten- und Walzenmaschinen klar überlegen. Natürlich konnten sich weder die AEG noch die I.G. Farben mit einem so eingeengten Anwendungsbereich anfreunden, auf dem sich die Entwicklungskosten kaum wieder hätten hereinbringen lassen. Das Magnetophon sollte und musste „musiktauglich" werden. Das machten spätestens seit der Funkausstellung 1935 die Wünsche und Anregungen der Fachleute unter den potentiellen Käufern klar.

27. April 1935: Probeaufnahmen in Mannheim

im Bild das AEG Magnetophon K2 von 1936

Mitte April 1935 kam ein Exemplar des vierten (und letzten) Magnetton-Laborgerätes der AEG nach Ludwigshafen. (Vorgestelltwurde das Magnetophon K1 der Öffentlichkeit erst zur Funkausstellung im Herbst 1935.)

Man kann sich leicht vorstellen, wie gespannt der 39jährige Entwickler des Magnetophonbandes, Friedrich Matthias, und der Elektroingenieur Paul Friedmann darauf warteten, sich (und der über das Entwicklungsbudget wachenden Werksleitung) eine Vorstellung von der Leistungsfähigkeit dieses Geräts zu machen.

So verabredete man sich mit Musikern des Nationaltheaters Mannheim unter ihrem Generalmusikdirektor Philipp Wüst für Samstag, den 27 April 1935, zu Probeaufnahmen. Das Magnetbandgerät machte seine Sache im Großen und Ganzen gut, und Generalmusikdirektor Philipp Wüst kommentierte seine Leistungen durchaus sachkundig.

Und die Werksleitung zeiqte sich großzügig. Wenig später überwies sie 150.- Reichsmark als Honorar für die Beteiligten. (Ein guter Facharbeiter hatte damals einen Monatslohn von etwa 250.- Reichsmark).

[1] N N   Sonatensatz für Violoncello und Klavier (mit Unterbrechung kurz nach Beqinn sowie Fehlerstellen). Dauer 2.48 min
[2] Kommentar von Generalmusikdirektor Philipp Wust nach dem Hören der Versuchsaufnahmen (kurze Unterbrechung, Fehlerstellen. Nebengeräusche]; Dauer 2.19 min

19. November 1936: Konzertaufnahme des "London Philharmonic Orchestra"

historisches Foto dieses Konzertes im Feierabendhaus

Am 19. 11. 1936 gastierte das "London Philharmonic Orchestra" unter seinem Gründer und Leiter Sir Thomas Beecham im Feierabendhaus in Ludwigshafen.

Das war natürlich ein großes kulturelles Ereignis und eine Herausforderung an die Herren Matthias und Friedmann, mit dem zweiten Produktionsmodell des Magnetophons (später "Magnetophon K2" genannt) ihr gerade in Serienfertigung gegangenes Magnetophonband Typ C (Magnetpigment Fe3O4) in der Praxis zu erproben. (Das AEG Magnetophon K1 war bereits zur Funkausstellung 1935 gezeigt worden.)

das Mikrofon im Konzertsaal 1936
Kondensatormikro Museum Brunn
das AEG Magnetophon K2 1936

Dafür stand ihnen ein modernes Kondensator-Mikrophon zur Verfügung, das, wie ein Foto zeigt, unmittelbar hinter dem Dirigentenpult aufgebaut war. Zeitzeugen stimmen darin überein, daß sich Sir Thomas nach Ende des Konzertes lange Zeit nahm, um das neuartige Aufzeichnungsgerät kennen zu lernen.

Doch von "überraschender Klarheit und Reinheit", wie sie Zeitungsberichter wahrgenommen haben wollen, war die Magnetophon- Wiedergabe doch noch weit entfernt. Sir Thomas, durchaus über den Stand der Technik informiert, wird wohl nach wie vor die Wachsplatte als technisch führendes System betrachtet haben (in späteren Jahren hat er für seine Aufnahmen das mechanisch / optische Philips-Miller-Gerät bevorzugt).

Wolfgang Amadeus Mozart. Sinfonie Nr 39 Es-dur, KV 543
[3] II. Satz Dauer 8.09 min
[4] III. Satz Dauer 4.22 min
[5] Nikolai Rimsky-Korsakov. Einleitung und Festlicher Zug aus „Der goldene Hahn"  Dauer 8.09 min

6./ 7. Januar 1937: Edwin Fischer gastiert in Ludwigshafen

Im Rahmen der kulturellen Veranstaltungen der I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft gaben der weltbekannte Pianist Edwin Fischer und das Saarpfalz-Orchester unter Prof. Ernst Boehe am 6. und 7. Januar 1937 ein Konzert, von dem einige Ausschnitte erhalten blieben.

Das Aufnahmeteam bildeten vermutlich auch wieder Friedrich Matthias und Paul Friedmann, und als Aufnahmemaschine diente mit großer Wahrscheinlichkeit wieder jenes AEG "Magnetophon K2", das auch für die Aufzeichnung des Beecham-Konzerts eingesetzt worden war und erhalten ist. Die damalige Bandgeschwindigkeit war nach wie vor 1 m/s.

[6] Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert G-dur, op. 58 (Nr. 4) - Edwin Fischer, Klavier; - Saarpfalz-Orchester unter Prof. Ernst Boehe - Anfang des 1. Satzes bis Ende des Originalbandes. Dauer ca. 12min
Weiterhin drei Zugaben Fischers:
[7] Beethoven  Die Wut über den verlorenen Groschen (Anfang fehlt); Beifall am Schluß, reißt ab; Interpret: Edwin Fischer (5.14 min)
[8] Beethoven: Pathetique langsamer Satz (Anfangstakt unvollständig); Interpret Edwin Fischer, Beifall reißt ab. Dauer (5.30 min)
[9] Beethoven aus "Eccossaisen" (Anfang jault hoch); Interpret Edwin Fischer. Beifall reißt ab, Dauer (2.02 min)

1. Mai 1940: Trauerfeier für Geheimrat Prof. Dr. Carl Bosch in Ludwigshafen

das AEG Magnetophon K4

Zuerst kurz zu Geheimrat Carl Bosch, der für die ganz wichtige Entwicklung des eigentlichen Ton-Bandes bei der BASF die treibende Kraft war. Er hatte das Potential dieser genialen Erfindung von Anfang an als besonders zukunftsweisend (auch für sein Unternehmen) eingeschätzt.

Gut drei Jahre später konnte das Magnetophon jetzt Fortschritte hören lassen: Das neu entwickelte Magnetophon K4 und das neue Magnetophonband Typ C (jetzt mit dem neuen Magnetpigment y-Fe2O3) hatten den Stand der Technik von 1936 weit hinter sich gelassen. (Anmerkung: Das ist natürlich etwas arg übertrieben, es waren ca. 5 db mehr Rauschabstand, also jetzt 35 Dezibel, doch das war damals sehr sehr viel.)

Bei der Trauerfeier für den (um diese Technik) hochverdienten Carl Bosch (27.8.1874 - 26.4.1940) waren zwei Geräte vom Typ K4 im Einsatz, um die Reden der prominenten Gäste (seitens der Reichsführung nicht unbedingt die erste Garnitur) aufzuzeichnen.

Eher beiläufig - das Mikrophon stand vor dem Rednerpult - wurde dabei auch die abschließende Orchesterdarbietung aufgenommen, wobei anscheinend nicht auf die Aussteuerung geachtet wurde, was die deutlich übersteuerten Fortissimo-Passagen erklären würde. Im Vergleich zur Beecham Aufnahme sind bereits eindeutige Qualitäts-Fortschritte zu verzeichnen (die HF Vormagnetisierung war dort noch nicht eingebaut). Und nicht ohne Grund hatte ja auch die Reichs-Rundfunkgesellschaft (RRG) Anfang 1938 die AEG Magnetophone in ihre strategische Geräteausstattung aufgenommen.

[10] Richard Wagner Trauermarsch aus "Götterdämmerung". Dauer 7.08 min. Orchester des Mannheimer Nationaltheaters unter Leitung von Dr. Ernst Cremer.

Zur gleichen Zeit (Mitte April 1940) hatte Dr. Walter Weber in den Labors der Reichs- Rundfunkgesellschaft Berlin das (Hochfrequenz-Vormagnetisierungs-) Verfahren (wieder) entdeckt, mit dessen Hilfe das Magnetophon jetzt endgültig qualitativ an die absolute Spitze aller Aufnahme-Verfahren rückte. Viele AEG K4 wurde damals nachgerüstet. Das Magnetophon wurde zum bevorzugten Aufnahmegerat des deutschen Rundfunks (die anderen Länder Europas bekamen davon fast nichts mit), und in der Folge entstanden Aufnahmen - teilweise sogar stereophon -, die auch heute noch beeindrucken.

Nach dem Krieg: 1948 Neubeginn in Ludwigshafen

das AEG Magnetophon K8

Als 1948 die letzte Aufnahme aus dieser Zusammenstellung entstand, war nach dem Chaos der Zweiten Weltkriegs in Ludwigshafen die Magnetophonband- Fabrikation unter großen Beeinträchtigungen wieder angelaufen.

Wann das Dvorak-Violoncello-Konzert aufgenommen wurde, von wem, mit welchen Geräten und zu welchem Zweck, ist derzeit nicht zu ermitteln. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Rundfunkaufnahme, die während der Sendung mitgeschnitten wurde, der Klangqualität nach zu urteilen jedoch nicht über einen Rundfunkempfänger.

So sehr man dieser Aufnahme doch ihr hohes Alter anhört, so deutlich sind die Verbesserungen gegenüber dem Stand von 1940.

[11] Antonin Dvorak: Konzert für Violoncello und Orchester hmoll op. 104, 3. Satz- Ludwig Hoelscher und Pfalzorchester Ludwigshafen unter Bernhard Conz. Dauer 12.00 min - Aufnahme von 1948
[12] Original-Absage (SWF?) nach Sendung des Dvorak-Konzertes.

Wir haben für die MP3 Dateien ein Anfrage-Formular hinterlegt.

Bitte erwarten Sie keine Wunder dieser Aufnahmen. Es sind historische Zeitzeugen Dokumente, die mit den Bandmaschinen der ersten Generation aufgezeichnet wurden. Der Rauschspannungs- abstand betrug damals ca. 30 Dezibel, der Klirrfaktor deutlich über 5%. So war das damals.

Als das AEG K4 dann mit dem "neuen" Band 35 Dezibel Rauschabstand "konnte", haben die AEGler tagelang gejubelt. Das nur zu Ihrer Erwartungshaltung an die Aufnahmen von 1935.

Erst mit der Vormagnetisierung von Mitte/Ende 1940 gelang der dramatische Sprung in die moderne Hifi- Technik und dann später auch noch verbotener Weise in Stereo. Das waren dann ca. 52 Dezibel Rauschabstand und deutlich unter 5 % Klirrfaktor.

Wenn Sie Interesse an diesen Aufnahmen haben (es sind etwa 63MB MP3 Daten) , bitten füllen Sie bitte dieses Formular aus.


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