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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Revox Capstan Welle
Sony Doppelcapstan
Tandberg Capstan mit Andruckrolle
Studiomaschine Telefunken M15

Nichts ist schlimmer als ein wimmerndes oder jaulendes Klavier.

Nehmen Sie einfach mal Klaviermusik auf und Sie wissen, ob das Bandgerät in Ordnung ist.

Manches können Sie vertuschen, einen "variablen" Bandantrieb nicht. Das analoge Tonband muß absolut gleichmäßig am "Ton"-kopf vorbei laufen. Tut es das nicht, sprechen wir von Tonhöhenschwankungen und dafür gibt es eine sehr sensible untere Hörbarkeitsgrenze, für die Sie nicht mal ein Meßgerät brauchen.

Beim Bandgerät wird daher das Band zwangsweise auf eine gleichmäßige Geschwindigkeit getrimmt. (Es gibt da ein paar unrühmliche Ausnahmen.) Dazu gibt es die Capstan Achse (eine rotierende Welle) und die (Gummi-) Andruckrolle (oder sogar mehrere davon). Dieser Capstan sitzt entweder auf einer riesigen Schwungmasse oder direkt auf der Motorachse eines Spezialmotors.

Wir zeigen ein bißchen, wie die Konstrukteure (und wie erfolgreich sie) das Problem damals gelöst haben und wie es heute geht.

Wir verweisen auch auf die wenigen Geräte, bei denen ein anderes Konzept verfolgt wurde und bei denen es dann eben nicht funktioniert hatte.

Konzept 1 - Bandandruckrolle deutlich breiter als das Band

Diese Technik war die übliche Version eines Capstan Antriebes. Da die Bänder ganz am Anfang um 1952 und davor auf "so blank wie möglich" getrimmt wurden, damit der kostbare Kopf nicht zu sehr abschleift, hatte die Tonwelle fast keine Chance das Band continuierlich zu transportieren. Ausnahmen sind Studiobänder, die aber auch erheblichen Verschleiß (Anschliff beim Kopf und Abrieb beim Band) der Köpfe in Kauf nahmen.

Ist also die Andruckrolle doppelt so breit wie das Band, dann wird die Bandinnen-Seite, also die Schicht, von der Tonwelle bewegt und die Bandaussen-Seite von der Gummiandruckrolle. Pyhsikalisch können aber die Tonwelle und die Andruckrolle nie gleich schnell laufen, da ja immer das Band dazwischen ist. Also muß irgendwo ein Schlupf sein, sonst wäre die Physik erstmalig überlistet.

Die Magnetband Entwickler und Verfahrenstechniker von AGFA wurden bereits in frühen Jahren zu Grundig nach Fürth "eingeladen", weil angeblich (nur mit deren AGFA Band natürlich) die Gleichlaufschwankungen ausserhalb jeder Toleranz seien.

Als Abhilfe wurden per Revisionsänderung der laufenden Serie Gummiandruckrollen verwandt, die von nun an exakt genauso breit waren wie das Magnetband, also in diesem Falle genau 6,3mm.

Konzept 2 - Bandandruckrolle genauso breit wie das Band

Andruckrolle immer noch etwas breiter als das Band

Ist die Andruckrolle genauso so breit wie das Band, dann ist alleine die Reibung zwischen Band und Capstanwelle verantwortlich für den gleichmässigen Transport. Das jedoch bedeutete, daß von nun an eine nachträglich künstlich aufgerauhte Tonwelle eingebaut werden musste. Doch, war diese Welle zu rauh, setzten sich die Unebenheiten mit Magnetstaub zu (die Welle hatte nur Kontakt mit der Schichtseite des Bandes) und klumpten. War die Welle zu glatt (also poliert), rutschte das Band ab und zu durch. Die Magnetschichtseite des Bandes konnte man nur mit Mühe rauh gestalten, denn darunter litten dann wieder die Tonköpfe mit übermäßigem Abrieb.

Die späteren Consumer Bänder waren alle rückseitenbeschichtet, aber eher wegen des glatten Band-Wickels als wegen der hochgenauen Bandgeschwindigkeit. Diese Rückseitenbeschichtung war aber nie für die Bandgeschwindigkeit respetive Tonhöhenschwankungen verantwortlich.

Konzept 3 - die Omega-Umschlingung.

Um von diesem leidigen Schlupfproblem weg zu kommen und auch das Band zu schonen, holten der oder die UHER -Entwickler die uralte (nahezu drucklose) Omega-Umschlingung aus der Schublade. Diese Technik gab es bereits viel viel früher. Dabei steht der Name Omega für das griechische Zeichen (den Buchstaben) und die Umschlingung einer Tonwelle mit nahezu drei Fünfteln des Wellen-Umfanges. Das Wort alleine klang hypermodern - Omega.

Wenn also das Magnetband einen ausreichend hohen Anpressdruck "erhält", dann könnte die Reibung der drehenden Tonwelle das umschlungene Band problemlos auf Nenngeschwindigkeit halten. Doch das war nur die Theorie. In der Praxis und speziell bei dem UHER 630/631 war der Anpressdruck des mäßig rauhen Bandes und der speziell aufgerauhten Tonwelle eben nicht ausreichend, den konstanten Vortrieb zu gewährleisten. Laut Aussagen alter UHER Leute mußte man den elektronisch geregelten Bandzug höchsstgenau einstellen, damit der geringe Vortrieb der Umschling das Band konstant gewegte. Es gelang aber nur mittelmäßig, schon gar nicht Hifi- tauglich.


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