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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Juni 2010 - Unser erster Erfolg mit dem freien OCR Programm "tesseract" für Frakturschrift (teilweise Ersatz für Finereader)

Bislang hatten wir tausende von historischen Seiten mit Finereader 8 eingelesen, doch eine Fraktur- Schrift kann das Programm nur bedingt bzw. nicht. Und bislang (Juni 2010) gibt es (offensichtlich weltweit) nur 2 Softwareprodukte, die die alte deutsche Frakturschrift von vor 1945 professionell erkennen können und so auch diese Arbeit extrem erleichtern. Die eine kommerzielle Version ist für uns zu teuer und die andere freie Software war lange Zeit leider "unzureichend" dokumentiert. Dies ist der gelungene Anfang, wieder ein Stück Technik-Historie mit vertretbarem Aufwand überhaupt machbar aufarbeiten zu können.

Ein Artikel von 1936/37
"Das Magnetophon"

Eine gemeinsame Erfindung der AEG Berlin und der I.G. Ludwigshafen.
(Aus der Werkszeitung der I.G. Farben in Ludwigshafen im Jahr 1936 oder 1937)

Als Sir Thomas Beecham und die Londoner Philharmoniker nach ihrem eindrucksvollen Konzert im I. G. Feierabendhaus Ludwigshafen Gäste der I. G. im Kasino waren, wartete auf sie eine besondere Überraschung !

Aus dem Lautsprecher tönte ihnen ihr Konzert, dem zweitausend Menschen begeistert gelauscht hatten, in überraschender Klarheit und Reinheit entgegen.

Die Reproduktion war eine Versuchsaufnahme
aus dem Magnetophon, einem neuen Gerät zur Schallaufzeichnung, das in jahrelanger enger Zusammenarbeit der AEG. Berlin, und der I. G. Ludwigshafen a. Rh. entwickelt worden ist.  

Die neue Vorrichtung zur Tonauszeichnung hat uns außerordentlich interessiert. Wir haben daher die nächstbeste Gelegenheit benützt, um von den Sachbearbeitern im Werk Ludwigshafen einige Auskünfte darüber zu erhalten.

Anmerkung der Redaktion: Diese Aufnahmen können Sie bei uns per Anfrage über unser Formular herunter laden. Mehr darüber steht hier.

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Wir wollen nun versuchen, auch den Lesern unserer Werkzeitung einiges in allgemeinverständlicher Weise von dem Gehörten zu vermitteln. Zur Aufzeichnung von Schallschwingungen - Musik und Sprache - kamen bisher vornehmlich zwei Methoden zur Anwendung:

1. das Lichttonverfahren, als dessen hauptsächlichster Vertreter der Tonfilm gelten darf und
2. das Nadeltonverfahren, das durch das Grammophon allgemein bekannt geworden ist.

Es gibt aber noch ein weiteres wichtiges Verfahren
, nämlich die Auszeichnung von Schallschwingungen aus elektromagnetischem Wege. Daß man über diese Art in der Öffentlichkeit verhältnismäßig nur sehr wenig oder fast gar nicht unterrichtet ist, mutet umso erstaunlicher an, als die ersten Versuche aus diesem Gebiete schon beinahe vierzig Jahre zurückliegen.

Der Physiker Poulsen war wohl der Erste, der sich eingehend mit der elektromagnetischen Tonaufzeichnung beschäftigte und mit seinen Arbeiten um die Jahrhundertwende die Grundlagen für die neue Methode entwickelte. Seine Arbeitsweise war in großen Umrissen etwa folgende:

Die in einem Mikrophon durch Schallschwingungen
bewirkten elektrischen Stromschwankungen erzeugen in einem Gleichstrommagneten - dem sogenannten Sprechkopf - ein Magnetfeld wechselnder Stärke. Durch dieses wird ein Band oder Draht aus ferromagnetischem Material (z. B. aus Stahl) hindurchgezogen und dabei dem Rhythmus der Schallschwingungen entsprechend magnetisiert. Nach dem Verlassen des magnetisierenden Feldes behält es einen bestimmten magnetischen Zustand.

Um nun die aus solche Weise festgehaltenen Schwingungen wieder als Schallschwingungen hörbar zu machen, läßt man den Träger (z. B. das Stahlband) mit der gleichen Geschwindigkeit, wie sie bei der Aufnahme eingehalten wurde, wiederum an einem Elektromagneten vorbei gleiten, der ähnlich wie der Sprechkopf gebaut ist. Wir können ihn als Hörkopf bezeichnen. In seiner Drahtwicklung werden dabei Stromschwankungen induziert, die, entsprechend Verstärkt, im Lautsprecher hörbar gemacht werden können.

Zieht man den ferromagnetischen Tonträger (z. V. das Stahlband) weiterhin durch ein Magnetfeld bestimmter Stärke hindurch, so können die aus ihm magnetisch ,,aufgezeichneten“ Schallschwingungen gelöscht und der Schallträger damit für neue Aufnahmen verwendbar gemacht werden.

Dieses Verfahren sieht außerordentlich einfach aus. So ist es nicht verwunderlich, daß sich seit Poulsens richtungweisenden Arbeiten unzählige Patentanmeldungen mit der neuen Methode befassen, Schallschwingungen zu konservieren. Soweit die darin niedergelegten Gedanken überhaupt zur praktischen Ausführung gelangten, fielen die Apparaturen jedoch kompliziert und teuer aus, oder sie waren unhandlich oder schließlich derart unvollkommen, daß die Wiedergabe der ausgezeichneten Töne nicht befriedigen konnte. Nach und nach erst stellten sich die mannigfaltigen Schwierigkeiten heraus, mit denen die Verwirklichung des scheinbar so einfachen Prinzips verknüpft ist.

Vor einigen Jahren haben nun die AEG. und die I. G. Ludwigshafen das Problem erneut aufgegriffen, und wie schon erwähnt, in enger Zusammenarbeit ein Gerät entwickelt, das jetzt unter dem Namen Magnetophon aus dem Markt erscheint. Es arbeitet im wesentlichen nach dem von Poulsen vorgezeichneten Grundgedanken, benützt aber keinen Tonträger aus festem Eisen bzw. Stahl, sondern ein Band aus Kunststoff, in das ferromagnetisches Material in allerfeinster Verteilung eingelagert ist. Die Dimensionen dieses ,,Sprechbandes" sind interessant: es ist 6,5 Millimeter breit und nur etwa 50 Tausendstel Millimeter stark!

Es ist leicht einzusehen, daß sehr lange Gespräche
ununterbrochen auf einem solchen dünnen Band aufgezeichnet und von ihm wiedergegeben werden können, ohne daß sich daraus großer Raumbedarf für den dazu gebrauchten Lautträger ergäbe. Die Anpassung des Bandes an die Erfordernisse der praktischen Anwendungsmöglichkeiten wird durch seinen Aufbau erleichtert. Trotz der sehr kleinen Dicke erweist sich der neue Lautschriftträger als außerordentlich dauerhaft und widerstandsfähig. Seine Handhabung ist dementsprechend sicher.

(eine Skizze von 1936) "Das Schaltbild"

Das eigentliche Magnetophongerät besteht aus einem Laufwerk, das Sprech-, Hör- und Löschkopf sowie alle Vorrichtungen enthält, die zu dem mittels Drucktasten steuerbaren Vor- und Rücklauf sowie zum Anhalten des ablaufenden Sprechbandes erforderlich find. Ferner gehören dazu ein Netzanschluß-Röhren-Verstärker, ein Mikrophon zur Schallaufnahme und ein Lautsprecher zur Wiedergabe.

Magnetophonschrank für Bürozwecke

Das Gerät wird in mehreren Ausführungsarten serienmäßig hergestellt. Die beiden Hauptarten sind das tragbare Koffergerät und der fahrbare Magnetophonschrank. Bei der Koffereinrichtung sind Laufwerk, Verstärker und Lautsprecher nebst Zubehör in einzelnen Kästen untergebracht. Diese Trennung erleichtert nicht nur den Transport des Geräts, sondern vor allem auch seine Anwendung bei Aufnahme von Reden, Interviews, Gerichtssitzungen, Reportagen usw.

Das Schrankgerät ist mehr für den stationären Betrieb, z. B. als Diktiermaschine in den Büros gedacht. Bei ihm sind alle Zubehörteile einschließlich Lautsprecher in einem fahrbaren Schrank untergebracht. Lediglich das Mikrophon ist nicht miteingebaut worden, sondern kann von der übrigen Apparatur gesondert aufgestellt werden. Ein solcher Magnetophonschrank wird durch sein gefälliges Aussehen zu einem wertvollen Einrichtungsgegenstand.

Die Geräte werden auch elektrisch ferngesteuert geliefert. Die Drucktasten zur ,,Aufnahme“, ,,Wiedergabe“, ,,Vorlauf“, ,,Rücklauf“ und ,,Halt“ sind in diesem Falle in einem besonderen kleinen Kästchen vereinigt, das auf jedem Schreibtisch -gegebenenfalls mit dem Mikrophon zu einer Baueinheit vereinigt - Platz hat.

Bei der Verwendung des Magnetophons als Diktiergerät erweist sich eine besondere DiktierZusatzeinrichtung neben der Schreibmaschine, oder als Fußkontakt ausgebildet, sehr praktisch. Sie erleichtert das Abhören von Sätzen oder Satzteilen beim Nachschreiben mit der Schreibmaschine. Ihr besonderer Vorteil ist, daß das Sprechband unmittelbar nach dem Abstoppen der Bandbewegung (am Ende eines Satzteiles) um eine kurze Länge automatisch zurück gespult wird. Beim nächstfolgenden Anlauf werden dann die letzten Worte des vorangegangenen Satzteiles wiederholt, sodaß immer der Anschluß gegeben ist.

Ein umschaltbares Instrument zur Kontrolle des jeweils noch auf der Maschine befindlichen Sprechbandvorrates sowie zur Überwachung der Aussteuerung bei der Tonausnahme vervollständigen die Einrichtungen zur bequemen Handhabung des Magnetophons. Einem so praktischen und betriebssicheren Gerät, wie es das Magnetophon ist, stehen zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten offen. Bei der Erlernung von Fremdsprachen, im Musikunsterricht und bei der Ausbildung von Rednern dient es der Selbstkontrolle des Übenden. Als Reportagegerät vermag es dank seines einfachen Ausbaues und der leichten Bedienung wertvolle Dienste zu leisten. Ebenso wird es sich im Dienste des Rechts, bei großen Sitzungen und
Besprechungen usw. nützlich erweisen.

Aus der Werkszeitung der I.G. Farben in Ludwigshafen im Jahr 1936 oder 1937 - trotz alter deutscher Frakturschrift automatisch eingescannt und übertragen und korrigiert. (Juni 2010)

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