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Was ist das Besondere an der Firma Wollensak / Revere ?

Die gleiche Frage stellte ich bei Grundig, BRAUN und anderen bei uns in Deutschland sehr bekannten Firmen. Alle haben etwas Einmaliges geschafft. Max Grundig entwickelte sich von der 3 Mann Firma zum Großunternehmen mit 33.000 Mitarbeitern und zeitweise in einigen Bereichen zum größten Hersteller der Welt.

BRAUN schuf eine völlig neue Optik bzw. Design-Philosophie bei Haushalts- und Hifi-Geräten, die Robert Bosch-Fernseh GmbH war über Jahre der Marktführer bei professionellen Broadcast Kameras und UHER und Studer Revox setzten mit ihren Bandgeräten "UHER Report 4000" und "ReVox A77" Weltmaßstäbe. Auch DUAL setzte für 10 lange Jahre Weltmaßstäbe bei Plattenspielern.

Und alle haben gemeinsam, es gab einen begeisternden Aufstieg und einen langen quälenden Abwärtsgang bis zum bitteren Ende, und das, obwohl alle ihre Produkte einmal auf sehr sehr hohem Niveau lagen.
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Wir haben in 2017 zwei Wollensak Bandgeräte bekommen

Das Wollensak T-1500
Das Wollensak T-1515-4

und wir haben die beiden Bandgeräte komplett zerlegt und fotografiert. Natürlich ist da Einiges aufgefallen.

Eines der Geräte ist ein T-1500 aus 1956 und ein zweites ist ein T-1515-4 aus 1959. Beide Geräte sind in einem katastrophalen Zustand, weil sie über viele Jahre irgendwo im Keller gelagert worden waren und vieleicht mal repariert werden sollten, - aber nie repariert wurden.
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Was zuerst auffällt, die Gummi-Riemen und Räder . . . .

Ganz verblüfft war ich, als ich die Gummi-Reibräder und Gummi-Riemen betrachtet hatte. Konträr zu den meisten deutschen oder europäischen Bandgeräten sind die Reibräder noch voll in Ordnung und auch die Riemen sind erstaunlich gut erhalten.

Da bröckelt und bröselt nichts. Die Oberfläche ist glatt wie vor 50 Jahren, obwohl die Menge der verhungerten Fliegen, Spinnen und Käfer sehr anschaulich war. Auch davon kommt noch mehr.
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Das Revere-Wollensak T-1500
Das 3M-Wollensak T-1515-4 STereo

Doch fangen wir ganz vorne an - die Optik

Die Optik dieser Geräte von 1956 bis 1964 ist uns Deutschen fremd. Drei Tasten, zwei Regler, ein großer Griff, das wars fast schon. Schaut man sich die Bauart beider Geräte von Außen und Innen etwas genauer an, so fällt sofort auf, außen UI und innen, na ja - das kommt noch.

Die beiden wirklich massiven Seitenteile links und rechts sind aus massivem schwerem Zink-Druckguß und außen gebürstet und poliert und im Neuzustand sicher mal blitz blank gewesen. Von vorne und von oben sieht man das aber gar nicht.

Der Deckel über den Wickeltellern und dem Kopfträger ist aus dickem 2mm Zink-Druckguß, ebenfalls ein Druckgußteil, aber hell lackiert.

Die ganze weitere Front ist ein Lochblech mit ganz kleinen Löchern, die den nach vorne schallenden erstaunlich großen Lautsprecher verkleiden.

Der Handgriff vorne mit dem Firmenenamen drauf ist massiv und würde einem Maschinengewehr zur Ehre gereichen. Warum dieser Vergleich gewählt wurde, das kommt später beim Chassis.

Die Unterseite ist mit einem dünnen ALU-Blech verkleidet, das einer stärkeren Belastung eines Transportes nicht gewachsen ist.

Die Rückseite ist spartanisch nützlich mit ganz wenigen Buchsen, alle in den USA sehr gebräuchlichen 6,3mm Klinkenbuchsen sowie die Netzstecker-Buchse.
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Kein Händchen für die Optik / Haptik gehabt

Unser T-1500 war noch einigermaßen ansehnlich und vollständig. Schaut man auf das geöffnete Oberteil, fallen die 12 deutlich sichtbaren Schlitzschrauben sofort ins Auge. So hatte ich mein erstes Laborgerät an der Fachhochschule zusammen gebaut. Leider existieren davon keine Fotos mehr. Doch von diesem Gerät hier wurden zig Tausende produziert.

Die Abdeckung des Magnnetkopfes erfolgt mit zwei gelösten Schrauben, die Abdeckung des Magnetbandspaltes kann man herausziehen und dann den Deckel abnehmen.
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Das eigentliche mechanische Laufwerk ist erstaunlich und genial "primitiv"

Sehr ähnlich zu dem Viking 88 Bandgerät von 1964 ist auch hier die "Handschrift" eines "Military-" Konstrukteurs zu vermuten oder gar zu erkennen. Das eigentliche Laufwerk des Bandgerätes ist ein ganz simples aber dennoch gut durchdachtes gestanztes und gezogenes Eisenblech.

Der Motor hängt an drei "Gummimetallen", das sind spezielle Dämpfungsglieder. Alles an Mechanik und Gestängen und Hebeln samt der beiden Bandteller mit den Bremsen sowie der gesamten mechanischen Steuerung ist oben auf dieser Chassisplatte angeordnet. Im Vergleich dazu hat dieses oben referenzierte Viking 88 noch weniger bewegliche Teile und das hatte mich damals bereits in 2010 beim ersten Einblick sehr verblüfft.
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Das T-1500 Chassis offen

Unser T-1500 (1956) war noch nicht geplündert oder geschlachtet

Der Halbspur Mono Kombi-Kopf - mit dem Löschkopf zusammen in einem Gehäuse - und einem Abschirmblech rings herum war noch vorhanden. Die Gummis schienen alle noch in Ordnung zu sein, der gesamte Rest war noch erstaunlich sauber, wie das nach 50 Jahren meist nicht mehr der Fall ist. Die sehr dicke Capstan- Achse fällt auf und daß die Andruckrolle auch noch einen sehr guten Eindruck macht.

Unser T-1515-4 (1959-1964) war bereits geplündert oder geschlachtet

Das 5 oder mehr Jahre jüngere inzwischen "3M"/Wollensak T-1515-4 machte einen traurigen Eindruck. Es nicht nur bereits geplündert, keine Röhren und kein Viertelspur-Stereo Magnetkopf mehr, es war und ist sogar erheblich verdreckt und versifft. Dort sieht man die 50 Jahre ganz deutlich.

Das intakte T-1500

Auf den obigen Bildern sieht man deutlich das Revere Ur-Chassis

In der Firmenhistorie von Revere/Wollensak ist es gut beshrieben : Als Revere den Zulieferer Wollensak gekauft oder übernommen oder eingebunden hatte, gab es bereits ein mechanisches Einmotoren-Chassis, zu dem die Wollensak Ingenieure ein neues "Outfit" entwickelt hatten mit einer neuen Optik und vermutlich auch einer neuen (Röhren-) Elektronik, alles vor 1955. Alles funktionierte mit 4 Röhren und 3 Trafos und zwei Reglern.


Unter das Chassis ist die Elektronik kopfüber drunter "gehängt"

Auch hier war der Militär-Konstrukteur am Werk. Es ist das Mindestnotwendige an Elektronik zu erkennen. 4 Röhren und 3 Trafos, davon einer ein Netzrafo und einer ein Ausgangs- übertrager. Den ganzen Elektronik-Block kann man mit 3 Schrauben vom eigentlichen Laufwerk abnehmen.

rechts eine Neon-Glimmlampe

Die Aussteuerungsanzeige, lange gesucht und dann gefunden

Wie bereits mehrfach zitiert, ist alles recht simpel gemacht. Natürlich bietet sich ein Vergleich mit den Deutschen Geräten von 1955 bis etwa 1959 an, denn in diesen Jahren wurden unsere beiden Geräte beworben. Insbesondere Grundig war da der Vorreiter, der das magische Auge zum Highlight stilisiert hatte. Auch waren die Grundig Geräte nicht viel teurer als die von Revere/Wollensak. Der Dollar stand ja immer noch bei 4 DM zu 1 US$ und das Preisniveau in den USA schien dort niedriger zu sein als bei uns.
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Ein merkwürdiger Gleichrichter

Solch ein Teil - diesen Selengleichrichter - hätten man bei uns gar nicht kaufen können. Doch den Amerikanern war die Optik im Gerät ziemlich wurscht.

Die T-1515 Stereo Elektronik

Leider ist unser T-1515 ausgschlachtet und die Röhren sind nicht mehr da. Da aber auch der Magnetkopf fehlt, ist es müßig, das Teil nochmal in Gang bringen zu wollen. Auch der 3. Trafo ist weg, also Sperrmüll. Wie die das mit der Stereo-Wiedergabe hinbekommen haben, läßt sich nur noch schwer herausfinden, aber ich suche noch.

Da kommt noch etwas - Geduld . . . .

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