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Mit etwa 28 Jahren hatte "er" die geniale Idee - Eduard Schüller

Ein Prototyp mit zwei Spulen und dem Schlitz vorne

Irgendwie muß man das Medium "anders" füttern. Das Medium war das mit Eisenpulver beschichtete Papier des Herrn Pfleumer aus Dresden. Dieses Magnetband ist mit den beiden Stahlspitzen der herkömmlichen Magnetisierung des Stahl- drahtes nicht zu magnetisieren, es wird aufgekratzt und reißt.
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Eduard Schüller - Student der Elektrotechnik (war er bereits fertiger Dipl.-Ing. ?) - überlegte sich, daß eine Spule mit einem ringförmigen Eisenkern ähnlich dem des Transformators doch die Magnetisierungs-Feldlinien viel besser konzentrieren könne oder würde und wenn man da einen Spalt oder einen Schlitz reinsägen würde, müßte das Magnetfeld dort extrem stark bzw. konzentriert und dicht sein. So oder so ähnlich entwickelten sich die Gedanken und die führten zu seinem ersten Ringkern-Magnetkopf.
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Ein grosser Dank geht an Dipl.-Phys. Günter Joschko in Berlin

. . . . der uns diese recht seltenen Exemplare aus dem Nachlass von Eduard Schüller zur Verfügung gestellt hatte. Mit Herrn Joschko habe ich im November 2018 fast 5 Stunden hochinteressante Zeitzeugen Tonaufnahmen machen dürfen, die so nach und nach in die entsprechenden Themen beim Fernsehen (TED Bildplatte) und auch bei den Schallplatten (DMM Technik) eingebaut werden.
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In den Bandgeräten der AEG vor 1945

....... waren massive Kopfträger mit solch einem Lösch-Tonkopf eingesetzt.
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Der gesamte Kopfträger von vorne

Ein Geschenk von Jörg Wuttke, ehemals Techn. Direktor von Schoeps Mikrofonbau Karlsruhe


Die ersten Studio-Magnetophone der AEG hatten alle die 3-Kopftechnik und die Magnetschicht des Magnetophonbandes lag damals noch außen.

Damit lief das Band (auf dem Foto oben) von rechts nach links - zuerst rechts am Löschkopf vorbei, dann zum Aufnahmekopf und danach zum Wiedergabekopf.

Erstaunlich war, daß bei der AEG von Anfang an mit steckbaren abnehmbaren Kopfträgern gearbeitet wurde. Die Köpfe schliffen sich am Anfang noch merklich ab.
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Nach 1945 wurde die Kopftechnik verfeinert

Die modernen Vollspurköpfe, immer noch mit 6,5mm (alter deutscher) Bandbreite, hatten eine saubere glatte und polierte Oberfläche. Der sogenannte Kopfspiegel war jetzt ziemlich abriebsfest.

Die polierte Oberfläche bot auch den Staubklümpchen fast keine Anhaltspunkte mehr. Das Band lag glatt an und die Aussetzer waren die Ausnahmen.
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Dieser Vollspur-Kopf rechts stammt etwa aus 1954, das war noch die Mono-Zeit.
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Ab 1956 wurde mit Mehrkanal-Köpfen experimentiert

Aus Amerika schwappte die Stereo-Euphorie zu uns herüber, die dort drüben in den USA etwa in 1958 in die neue Stereo-Langspielplatte mündete. Die ersten Stereo- Musik-Aufnahmen wurden in den USA bereits früher (1954) mit experimentellen Ampex 3 Kanal Geräten vom Typ 300 und 350 auf 1/4" Band gemacht.

Hier bei uns experimentierte man später mit einem 4-Kanal Kopfträger auf 1" Band. Diese 1" Bandbreite kam auch aus USA herüber, als ab 1956 die ersten 2" Videorecorder bei AMPEX produziert wurden und die Firma 3M diese 2" Band- Technik beherrschte und dann - neben den 1/4" und 1/2" Bändern - auch 1" Bänder anbot. Inziwschen hatte AGFA hier bei uns die richtigen Studiobänder auch auf hohem Niveau lieferfähig und Telefunken baute in Wedel die professionellen M5 und M10 Studiobandgeräte jetzt auch in Mehrkanaltechnik.
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Hier noch ein (Ein-)Blick in einen 4-Kanal Löschkopf

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Etwas später wurden 8 Kanäle realisiert

Das mit den Köpfen war schon eine Wissenschaft für sich. Und es gab in Deutschland nur wenige Spezialisten wie den Herrn Wolfgang Bogen und den Herrn Bruno Wölke, die beide mit ihren Kleinstfirmen in Berlin und in Bayern (Entschuldigung, nicht in Bayern, in "Franken" natürlich) angefangen hatten.

Telefunken hatte mit etwas Mühe die alten überlebenden Ingenieure aus den Kriegszeiten wieder aufgesammelt und hatte damit einen (kleinen) technologischen Vorsprung. Das alles kommt noch in den Zeitzeugenberichten des Dr. Kuper aus Wedel.

Rechts ein 8-Kanal Schreib-Kopf.
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Der Lesekopf hatte viel schmalere Kopfspalte

Damit der Lesekopf bei der damaligen Bandführungsgenauigkeit mit Sicherheit immer in etwa in der Mitte seiner Spur (also in einer von den 8 Spuren) lag, war der Kopfspalt viel schmaler und eine Kanal-Trennschicht war auch noch zwischen den Köpfen eingebracht.

Damit war die Kopftechnik auf 1" Basis bei der AEG in Wedel ausgereizt. Ganz viel Später gab es auch eine 24 Spur Variante der Telefunken M15 mit 2" Audio-Band (bereits aus dem nach Konstanz verlagerten Werk).
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Zwischendurch entwickelte Telefunken auch Magnetköpfe für den Cinemascope-Film

Als 1954 der Cinemascope Magnetton-Film in Europa Premiere hatte, wollten oder mußten die großen Kino-Betreiber ihre Technik nachrüsten. Und die Kinoausrüster Siemens-Klangfilm und Zeiss-Ikon und auch Eugen Bauer und die anderen Projektoren-Hersteller (mit Ausnahme von Philips in Holland) hatten zu jener Zeit von der hypermodernen Magnettontechnik (noch) keine Ahnung.

Sie bauten das mechanische "Drumherum" und die Magnetbandspezialisten boten ihre 4-Kanal-Köpfe an. Alleine die Verstärkerhersteller lernten recht schnell die Technik der Magnetton-Vorverstärker zu realisieren.
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Telefunken baute auch Köpfe für die Heim- und Hobby- bandgeräte

In Wedel wurden die Magnet-Köpfe für die Berliner Produktion der AEG-Telefunken K-Serien hergestellt.

Dabei ging es um recht große Serien bzw. Stückzahlen. Sicherlich kamen diese Stückzahlen ab Ende der 1950er Jahre an die von GRUNDIG in Bayern nicht ran, doch die Entwicklung und die Produktion war auf technisch höchstem Niveau.

Von den Halbspurköpfen sind keine Muster mehr erhalten, von den Viertelspur- Entwicklungen sehen Sie rechts die Bilder.

Die Köpfe für das 1/4" Band wurden zwischen 1948 und 1949 nach der weltweiten Vereinheitlichung der Tonbandbreiten von den deutschen 6,5mm auf die von Ampex und 3M festgelegte US Norm 6,35mm (= 1/4") angepaßt.
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Weitere historische Einzel-Muster aus der Telefunken Fertigung sind nicht mehr vorhanden.
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