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Zum Auffrischen und Schmunzeln . . .

. . . sind diese Museums-Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit den Tonband- und den Magnetbandgeräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern, auch dieses.

Stefan Kudelski († Jan. 2013) in der Schweiz . . .

war 1949 ein polnischer Student an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne und der hatte super Ideen. Stefan Kudelski (Baujahr 1929) hatte bereits 1951 (s)eine Nagra fertig. (Das Wort kommt von dem Verb "nagra" aus dem polnischen und bedeutet in etwa "Ton Aufnehmen, Aufzeichnen und Mitschneiden") (Bei der Übersetzung des englischen Wortes "record" steht das polnische Verb "nagrać" an erster Stelle.) Ab 1957 baute er die Nagra III, die wirklich zu seinem verdienten Ruhm beitrug. Vorher gab es da einige Flops.

Der gebürtige Warschauer gründete 1951 bereits seine eigene Firma und verwirklichte seinen Traum, er baute ein Tonbandgerät. Das alles hat viel Ähnlichkeit zu Willi Studer, der auch seine Träume verwirklichte. 1952 funktionierte seine Nagra sogar im Himalaya, das war dann für ihn der symbolische Durchbruch.

Nach der Nagra 1 von 1951 kam schon 1953 die Nagra 2, ebenfalls ein Federwerk-Antrieb mit Röhrentechnik. Doch der Erfolg kam erst später, denn noch gab es die deutsche Maihak MMR 4 aus Hamburg, die etwas mehr konnte als seine Geräte. Mit der 1957 entwickelten Nagra III gab es ein Gerät, das fast alle Anforderungen der Film-, Fernseh- und Studio-Leute erfüllte. Es hatte fast alles und war volltransistorisiert und voll elektrisch und unendlich massiv und qualitativ überragend.

Mit der Nagra III zum Welterfolg

Die Nagra IIINP (Neopilot) von 1962 öffnete die Tür in die gesamte Welt der Filmtontechnik. 1968 kam die Nagra IV mit Siliziumtransistoren heraus, die den Synchronizer für den Filmton bereits integriert hatte, ein Meilenstein. Weiter ging es mit der Nagra 4.2, die noch mehr technologisch fortschrittliche Eigenschaften aufwies. Es gab dann auch noch die eichtere "Sparversion" Nagra-E, die aber bereits zum Auslaufmodell wurde, denn die Zeit der Bandmaschinen schien bereits 1984 abgelaufen zu sein. Die ganzen digitalen Bandgeräte wurden für Stefan Kudelski kein so großer Erfolg mehr.

Auch der Ausflug in die professionelle Videotechnik zusammen mit Ampex verschlang viel Manpower und Geld und wurde jeweils von der Technik überrollt. Sowohl der Ampex/Nagra 2" Recorder wie auch der Ampex/Nagra 1" Recoder waren super Entwicklungen, doch zu der Zeit gaben die Japaner bereits das Tempo bei der Entwicklung vor und sowohl Ampex wie auch Nagra hinkten hinterher. Die ganzen Europäer, selbst die angeblich unverwundbaren super Großen wie Philips und Grundig wurden in ganz kurzer Zeit völlig aus dem Markt gedrängt. Für seine Verdienste erhielt Stefan Kudelski in den Jahren 1965 bis 1986 vier Technik-Oskars und zwei Emmy-Awards.

Neben Kudelski gab es nur wenige so herausragende Namen in der Magnetbandtechnik

Bei der AEG waren es mehrere Köpfe, die im Magnetbandbereich genannt werden sollten (und alle von vor 1945), bei Studer war es der Chef Willi Studer und bei SONY war es auch der Chef Akio Morita. Bei Ampex waren es die 6 Köpfe des Dream Teams neben dem Chef Alexander Poniatoff, der aber nur die Fäden knüpfte und bei RCA waren es auch nur wenige Personen neben dem Mr. RCA, David Swarnow. Insgesamt waren es weltweit nur ein Dutzend kluger und innovativer Männer und Stefan Kudelski gehörte dazu. Der dritte Schweizer Georges Quellet von Stellavox führte da fast nur ein Schattendasein, er war in manchen Dingen auch sehr extrem.

1986 erhielt er den Ehrendoktor

Auch hier wieder gibt es Parallelen zu Willi Studer, der auch den Dr. e.h. für seine Leistungen erhielt. Mit der Verleihung der »John Grierson International Gold Medal« wurde er in die »Hall of Fame of Motion Picture and Television« aufgenommen, in der illustren Gesellschaft von Louis Lumiere, Thomas A. Edison, George Eastman, Bob Warner, Walt Disney, Leon Gaumont und Ray Dolby.

Mit Ray Dolby hat Stefan Kudelsky etwas ganz Besonderes gemeinsam. Beide Firmen sind so ziemlich die einzigen Unternehmen aus der vergangenen Magnetbandtechnik, die bis heute überlebt haben, mit ganz anderen Produkten natürlich, doch mit Intelligenz und Visionen war das offensichtlich machbar. Wer redet heute noch von der AEG oder von Telefunken oder sogar von dem Weltmarktführer Revox ?

Hier ein Blick auf eine Nagra 4.2, der Traum aller Filmtonleute aus den 70 und 80er Jahren. Es gab aber diverse NAGRAs, die bekanntesten sind die NAGRA 3 und NAGRA 4, die auf den Folgeseiten dargestellt werden. Kudelski hatte aber auch andere Sonderbauformen entwickelt und der jeweiligen Anforderung entsprechend modifiziert. Inzwischen hat die Firma Kudelski das Tonbandsegment vollkommen verlassen und ist in den EDV- und Video-Bereich (Nagravision) gewechselt.

 

Kudelski hatte auch keinen Stress mit Stückzahlen wie Uher, Telefunken und Grundig. Eine Nagra kostete eben richtiges Geld und es gab teilweise Wartelisten wie damals bei Mercedes Benz (wobei das inzwischen auch sehr lange her ist). Die Firma Kudelski produzierte angeblich nur etwa 500 Nagras pro Jahr. Im Jahr 1991 übernahm Sohn Andre Kudelski die Firma Kudelski SA.

Was natürlich aus unserer Sicht viel wichtiger ist :

Kudelski ist nicht wie alle anderen (jedenfalls fast alle) "den Bach runter" gegangen, als der Magnet- band Markt Mitte der 80er Jahre total eingebrochen war. Es war und ist ja immer noch eine kleine Firma im Vergleich zu ehemals Grundig oder AEG/Telefunken und die Schweizer hatten bestimmt nicht so viele geniale Köpfe wie die "Großen" Deutschen. Die Mannen um Kudelski hatten nur ein Genie, und das war der Chef. Und der hatte Visionen und er hatte Erfolg und hatte nicht gepennt wie die ganzen deutschen Edelschmieden und Consumer/Massen- Hersteller. Vielleicht hatte er auch nicht den finanziellen Größenwahn wie so manch andere Firma.

Vom Hessischen Rundfunk haben wir im Nov. 2010 freundlicherweise für einen symbolischen Preis eine NAGRA-E erhalten.
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