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Die Stärken und Grenzen des Ringkopfes und des Bandes

AEG Vollspurkopf 1944
hier von vorne

Als das Tonband "erfunden" wurde, hatte man leidliche Erfahrung mit dem ganz dünnen Stahlband der Stille-Bandmaschine und zwei Stahlspitzen als "Tonkopf", aber man hatte damit keine besonders berauschenden Ergebnisse bzw. Erfahrungen. Es funktionierte nur leidlich.

Als dann Eduard Schüller etwa 1934 den Magnet-Ringkopf mit dem Magnet-Spalt erfunden hatte, und Pfleumer die Idee mit dem Papierband hatte, ging es Schlag auf Schlag.

Von dem 12mm Filmband (oder war es sogar ein 16mm Filmband) gingen die AEG Entwickler mehr oder weniger durch Zufall auf ein 6,5mm breites beschichtetes Papierband runter und später bei der BASF auf ein 6,5mm breites beschichtetes Kunststoffband.

Der Tonkopf war auf eine Voll-Spur- Breite - "so irgendwie um die 5mm" - ausgelegt. Mit fortlaufender Entwicklung bis hin zum AEG K4 (ab etwa 1938) wurde das Ganze wirklich präziser und das gesamte 6,5mm Band wurde - erst mit einer Spur, später ab 1942 sogar mit 2 paralellen Spuren - natürlich mit etwas Spur-Abstand - beschrieben und auch gelesen.
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Nach 1945 bestimmten die Amerikaner, wie es weiter ging.

Bei uns ging es nach dem April 1945 fast gar nicht weiter, und von einer internationalen Einigung (bezüglich einer oder der Spurbreite) war man weit entfernt. Die "Anderen" hatten ja noch gar nicht kapiert, was da für eine weltbewegende Erfindung funktionierte. Es dauerte bis etwa 1947, bis in USA der Groschen gefallen war, es war ein Showmaker, ein Entertainer, der das Tonaband gewaltig forcierte. Und da die Amerikaner sich mit den Millimetern so schwer taten, wurde ein in etwa ähnliches Breitenmaß 6,35mm = 1/4" festgelegt.

Alles war noch Mono in Vollspur, von Stereo hatten die Amerikaner zwar schon geträumt, aber die deutsche K7 Stereomaschine samt der seltenen Aufnahmen war ihnen "entgangen".
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Aus 1/4" Mono wird erst mal Halbspur, dann 1/4" Stereo

Uher-Halbspur- Kombikopf

Die Profis konnten mit der 1/4" Vollspur leben, die Qualität war (für damals) super und die Bandkosten waren unwichtig oder nebensächlich. Bei den Hobbyisten hier in Deutschland ab der 1952er Jahre war das anders, da waren die Bandkosten extrem wichtig. Und so entwickelte sich aus der Vollspur die 1/4" Halbspur (Mono) und später die 1/4" Viertelspur- (auch Mono) Hobby-Technik. Damit waren die 4 Spuren bereits ganz schön schmal geworden und es traten diverse Problem auf.

Und jetzt sind wir endlich beim Thema :
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Bei 1/4" sind es 6,35mm - das Band ist aber nur 6,25mm breit

Und zwischen jeder Spur braucht man etwas Spur-Abstand, sonst hört man jeweils von der oder den benachbarten Spuren einiges im Hintergrund mit. So wurde dann auch die sogenannte Viertelspur- Spurlage genormt, nämlich 1+3 in die eine Richtung und 2+4 in die andere Richtung.

Das 1/4" Band ist mit den genormten 6,25mm mechanisch recht stabil und man kann (bzw. muß) es sich sogar leisten, etwas Abstand von den beiden Bandkanten oben und unten einzuplanen. Denn je nach der Qualität bzw. der Präzision der Bandführungen wandert das Band in dem Toleranzfeld der 6,35mm fortlaufend rauf und runter.

Die Japaner waren dann ab etwa 1970 auch die Ersten, die auf dieser Basis der 1/4" Tonköpfe mit 4 gleichzeitgen Spalt-Elementen - also echte Vierkanal-Technik - Erfolge vorzeigen konnten. Denn die allersten 4-Kanal Profi-Bandgeräte von Studer hatten das breitere 1/2" (=12mm) Band mit quasi 4 dicken Spurbreiten wie bei der 1/4" Halbspurtechnik.
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Als die Studio-Profis auf den "Geschmack" kamen

Das stressige Aufnehmen vonLive-Aufnahmen auf vorerst 4 Kanäle und dann das Abmischen in aller Ruhe auf 2 Stereokanäle, das weckte recht schnell Begehrlichkeiten. Könnte man nicht 8 oder 16 oder sogar 24 Spuren gleichzeitig beschreiben / aufnehmen ?

Ja, man kann, wenn man den richtigen Geldbeutel dazu hatte. Denn jetzt waren es doch die 2" Bänder, die man brauchte, um auf die 24 Spuren zu kommen und zwar in absoluter Studioquelität. Die 24 Spur Tonköpfe sind wahre Meisterleistungen der Präzisionsmechanik geworden, es sind beinahe Wunderdinge. Das Band darf nach wie vor nur unwesentlich auf und ab wandern. Ud diese Technik muß im Studio absolut funktionieren, immer. Und das kostet richtiges Geld.
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Könnte man nicht auch auf 1" Band .........

DIe Technik schreitet unaufhaltsam voran. Als die deutsche Fernseh-Gmbh aus Darmstadt den ersten 1" Studio-Videorecorder auf der Broadcast-Messe in Montreux vorstellte, standen den amerikanischen Ampex Leuten mit ihren riesigen 2" Boliden die Tränen in den Augen und die Schweißperlen auf der Stirn. Ein Traum eines sicher geglaubten ewigen Marktes ging flöten.

Bei den Audioleuten war es sehr ähnlich. Die Japaner optimierten die Tonkopf-Fertigung und schrieben dann 16 einzelne Spuren (gleichzeitig und dazu zeitrichtig) auf ein 1" Band drauf, immer - wie gesagt - in absoluter Ton-Studioqualität. Das bedeutete, die 16 Spalte waren wirklich alle senkrecht übereinander. Das braucht man, wenn man zum Beispiel 14 Instrumente im 2. Durchgang auf 2 Stereo-Spuren samt zusätzlichem (Stereo-) Gesang aufnehmen und den Gesang dazu-mischen wollte.
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Als 1963 die Philips Kassettentechnik kam . . .

Das Philips Kassettengerät war nie als Hifi-Gerät konzipiert, es war ein simples Diktiergerät mit einem besonders schmalen 3,8mm Band. Der Erfolg verblüffte die Philips Mannen sehr. Aufgrund der extrem günstigen Lizensen entwickelten vornehmlich die Japner diese Technik unaufhaltsam weiter. Auf einmal konnte das Ding Stereo in beiden Laufrichtungen. Und auf einmal konnte das Ding sogar ein bischen Hifi-Stereo.

Es war nur ein wenig Hifi, denn die Probleme ließen sich nicht unter den Tisch kehren. In den Unterlagen von Willi Studer fanden wir deren Labor-Ergebnisse. Das dünne Band war nicht besonders eigenstabil und die Bandkanten fingen nach kürzester Zeit an, sich zu dehnen und damit sich aufzuwellen.

Das bedeute, daß die beiden Außenspuren des 3,8mm Bandes immer deutlich meßbare Einbußen an Qualität hatten. Damit war auf Dauer kein hochwertiges Hifi zu machen .- bzw. nur in den Prospekten - und in der Werbung allgemein - wurde das versprochen. Halten konnte diese Verspechungen laut Karl Breh auf Dauer fast niemand. Doch auch Willi Studer wurde von den Kunden gedrängt, gegen seine feste Meinung diese CC-Kassettengeräte anzubieten.
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Doch das war noch immer nicht das Ende der Fahnenstange ....

Auf einmal kamen zwei Japaner mit einem portablen Musikstudio, also einem 6-Kanal Mischpult mit einem darin integrierten 4-Kanal CC-Kassettenrecorder und das war sogar vor der Quadro-Zeit ab 1972, als man jede Lücke besetzen wollte.

Da gab es also einen 4-Spur 4-Kanal CC-Kasstten- Tonkopf und einen ebensolchen Löschkopf. Es schien sogar leidlich zu funktionieren. Im lowcost Hobby-Musiker- Markt waren diese Geräte von Tascam und Yamaha angeblich sehr erfolgreich.

Bei den Bandspezialisten entwickelten nicht nur die TEAC Ingenieure sogar einen 4-Kanal Doppelkopf, also getrennte Aufnahme- und Wiedergabe- Magnetköpfe in einem gemeinsamen Gehäuse. Sonst hätte das in die genormten engen Öffnungen der CC-Kassette gar nicht rein gepaßt.

Auf der Tascam Seite werden diese Entwicklungen unter dem Namen "Portstudio" ausführlich beschrieben.
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