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Februar 2019 - Die "Wahrheit" in den Internet-Foren

Surft man im Internet (einige Zeitgenossen nennen das immer noch Internetz) und stolpert man dann beim Suchen sogar über mehrere Tonband- und Hifi-Foren, dann lernt man einige seiner Mitmenschen besser kennen.

So bin ich von einem Leser darauf aufmerksam gemacht worden
, daß es da ein Thema vom 30. Juni 2016 gibt mit dem Titel : Tonbandmuseum "Server nicht gefunden". Indirekt gefragt wird, ob ich (der Autor Gert Redlich) noch am Leben sei. Wir hatten an diesem Tag anscheinend für mehrere Stunden ein DNS-Server Problem und alle Museen-Seiten waren für 6 oder mehr Stunden "verschwunden" und ich war wegen eines Geburtstages auswärts.

Interessanter ist aber die nach dieser ersten Meldung beginnende Diskussion, bei der sich mehrere Forenmitglieder sehr "unterschiedlich" über die Museen-Seiten geäußert haben.
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Denn schon kam die Frage nach der "Wahrheit" auf . . . .

Und jetzt passierte bei den Forenmitgliedern das Gleiche wie bei den Radio-Sammlern, die so gut wie immer die jeweils von Ihnen geliebten und vermutlich auch besessenen (gesammelten) Geräte gegen jegliche Art von irgendeiner Kritik verbal militant verteidigen. Und immer wieder fällt mir der Satz meiner Berliner Oma ein - damals in Berlin von den roten "Garden" und später von den braunen "Vandalen" - (unsere Oma wurde 1890 in Berlin geboren) :

"Willst Du nicht meiner Meinung sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein."


- Denn hier habe nur ich "immer" Recht. -

So weit so gut, es sind natürlich allermeist nur rethorische Entgleisungen über Andersdenkende, die dort an vielen Stellen artikuliert werden. Und unter einem Pseudonym läßt sich soetwas trefflich publizieren.

Aus diesem Grund habe ich auf meinen Museen-Seiten überall mit meinem vollen Namen die Verantwortlichkeit eindeutig klar gestellt. Das haben übrigens die Kritker Anselm Rapp und Friedrich Engel auch getan, die allermeisten anderen Kritiker aber nicht.
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Doch das mit der Wahrheit ist so eine ganz eigene Sache. Auf meinen Neuigkeiten-Seiten in allen 3 Museen habe ich ganz eindeutig dazu Stellung genommen, wie ich versuche, mit der "Wahrheit" umzugehen. Denn ich weiß sie ja auch nicht 100%ig. - Die meisten Forenmitglieder jedoch stellen ihre Meinung fast immer als unumstößliche Wahrheit hin und lassen daran auch nicht rütteln. Weiterhin habe ich ganz selten Foreneinträge aus alter Zeit gefunden, bei denen die Autoren ihre damaligen (unpräzisen oder ihre sich als falsch herausgestellten) Aussagen korrigiert hätten.
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Und darum : Die gedruckten Bücher und die wikipedia . . . .

Aufgefallen ist mir auch, daß so oft auf vorhandene teils eigene Bücher ("Zeitschichten") als alleinige (weil schriftliche) Wahrheit verwiesen wird. Bei mir jedenfalls ist ganz besonders positiv angekommen, daß ein Herr Kotschenreuter (das DUAL Buch) und ein Herr Bung (das Thorens Buch) wie auch ein Herr Engel ("Zeitschichten") die zweite und die dritte oder sogar die (jeweils korrigierte) 4. Ausgabe Ihrer Bücher bzw. Werke publiziert hatten, weil sie eben doch feststellen mußten, einigen oder gar vielen Falschinformationen aus dem Reich der Legenden und der Mythen und der Wunschvorstellungen aufgelaufen zu sein.

Herr Engel war lange bei AGFA und der BASF, doch auch hier gab es Informationen von höherer Ebene, die nicht jeder wußte bzw. wissen sollte oder gar wissen durfte. Werner Singhoff (2012†) von AGFA zum Beispiel (der Chef von Herrn Engel) hat sehr detailliert die Tops und Flops bei AGFA in seinen 70 Seiten Memoaren (schriftlich) festgehalten.

Auch Herr Anselm Rapp erläutert auf seinen Webseiten ganz offen sein fundiertes Detail-Wissen ganz speziell aus dem Bereich des UHER Report 4000, an dem er mitgearbeitet hatte, und er erwähnt, daß er deutlich weniger Wissen von den anderen UHER Produkten hatte und habe.

Aus den jetzt 15 Jahren Erfahrung mit der deutschen wikipedia ist diese in keiner Weise als unfehlbar und gar als ein absolutes "Abbild der Wahrheit" zu betrachten. Auch dort werden - wie in den Foren - jede Menge Ansichten, Erlebnisse und vielleicht Erkenntnisse als "die Wahrheit" publiziert.

Und viele dieser Ansichten sind dermaßen unkritisch gegenüber der Wirklichkeit, daß es fast schon ein Hohn oder ein Scherz ist, sie jedesmal als unfehlbare Referenz zu benennen.
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Die UHER Seite der wikipeadia

Beispiel dafür ist bezüglich dieses Themas "Wahrheit" die UHER wikipedia Seite (Stand Feb. 2019), an der Herr Rapp nach eigener Aussage kräftig mitgewirkt hatte.

Auf dieser wikipedia Seite fehlt - aus meiner Sicht ein Meilenstein von UHER - das ruinöse letzte Flaggschiff von UHER, das große 3-Motoren Bandgerät UHER SG 630/SG 631 völlig.

Nach glaubhafter Aussage eines leitenden Mitarbeiters vom UHER Service kamen fast alle 6.000 oder 8.000 Maschinen wieder zurück in die Werkstatt, manche dreimal und noch öfter. Die Rechnungen liegen bei uns vor. Und dann wurden diese fabrikneuen "SG 630" Rückläufer in "SG 631er" umgebaut und andere absolut notwendige Eigenschaften wie die in der Rückwand versenkten Cinch-Buchsen hinten und Kopfhörer Klinken-Buchse vorne auf der Frontplatte komplett nachgerüstet.

Das alles klang fast wie die Aussage des Chefs der GRUNDIG- Werksniederlassung München, der nach wenigen Monaten über 1.000 "funkel nagel neue" aber defekte VCR/Video 2000 Videorecorder vor der Tür und im Ladenlokal auf Euro-Paletten stehen hatte und in der Zentrale in Fürth um Hilfe rief und keiner kam. Von ihm haben wir übrigens die beiden großen GRUNDIG Bücher bekommen, von denen das eine Große aus 1983 komplett in der Max Grundig Biographie enthalten ist. Von diesen Videorecordern waren an die 120.000 Stück gebaut worden und alle hatten die die gleiche Macke, nämlich ausgasendes Silikon-Fett im Bereich der Kopftrommel.
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Die Zeitzeugen und die "Wahrheit"

Nach 15 Jahren Zeitzeugen- Befragungen habe ich inzwischen einen ziemlich unverschleierten Blick dafür bekommen, welche Zeitzeugen einer Glorie nachhängen und welche Zeitzeugen mit einem gehörigem zeitlichen Abstand "aus der Schule plaudern" und realitätsnah erzählen, was damals wirklich (vor und hinter den Kulissen) abging. Vieles hat mit den Glorien in den Foren nicht das Geringste gemeinsam.

Durch die Kontakte zu den pensionierten AGFA Mitarbeitern/Kollegen
aus München, Leverkusen und Köln, zu den Mitarbeitern/Kollegen der Philips Labors in Hamburg und Aachen, dem Produktionsleiter der Bildröhrenwerke und den Werkstatt-Chefs anderer großer deutscher Hersteller glaube ich, inzwischen ziemlich genau herausfiltern zu können, wer realistisch von damals erzählt oder wer nur noch verklärt von damals schwärmt. Selbstverständlich laufe auch ich immer wieder irgendwelchen scheinbar fundierten Legenden oder Glorien auf, die sich bei genauerer Recherche als Luftnummern herausstellen. - Das wird dann aber korrigiert.

Sehr erhellend war der Kontakt zu einem inzwischen auch pensionierten Herrn im Unruhestand aus dem hessischen Odenwald, der über 18 lange Jahre bei ASC (Hösbach), dann bei UHER (Bad Homburg) und dann bei ASSMANN (Bad Homburg) jeweils im Vertrieb war. Nach mehreren Stunden im persönlichen Gespräch kommen auf einmal ganz andere Sichtweisen und "Wahrheiten" über die Produkte und Stückzahlen zutage, als sie in den Foren verbreitet werden.
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"Gut gemeinte" Vorschläge speziell in diesem Forum

Wenn ich etwas nicht wisse (was viel zu oft vorkommt), solle ich es doch in diesem Forum posten und dann bekäme ich schon eine Antwort. - Also habe ich dort ein wenig geblätter und stoße auf folgende Kompetenz-Bestie.

Das Forenmitglied TK240 schreibt :

23. April 2016 - Und hier das beste Tonbandgerät that was ever made: das TK 240 - Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.

Mit etwa Nachsicht gehe ich hier eher von einer Glosse aus. Das TK 240 und die folgenden Grundig TK Modelle waren richtige Erfolgsmodelle von Max Grundig, von denen die UHER Verkäufer nur hätten träumen können. Aber Wunderwerke waren sie schon gar nicht und einem "UHER Royal de Luxe" konnten diese Grundigs das Wasser auch nicht reichen. Dafür wurden aber an die 400.000 Stück davon (von dieser Serie mit diesem Chassis) gebaut und verkauft.

Leider sind auch andere Texte in den Foren nicht so geeignet, sie als wertneutrale Tatsachen oder Berichte anzunehmen. Es sind eben nur persönliche Meinungen. In vielen Texten blinzelt der verklärt befangene Eigner bzw. Sammler heraus und manche weltfremde Lobhudelei (bezüglich "seines" Gerätes) ist fast nicht zu ertragen. Wenige Postings sind wirklich realistisch kritisch bezüglich des Qualitätsniveaus des Gerätes oder bezüglich der in der Werbung versprochenen Funktionen und Eigenschaften, immer im Vergleich zu zeitgleichen Wettbewerbsprodukten.
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Die Schlussfolgerung oder Quintessenz ist daher diese :

..... so viele Quellen wie möglich mit möglichst wertneutralem Blick zu vergleichen und dann abwägen, zu welcher "Wahrheit" man "neigt" oder welche jetzt neu zugetragenen "Tatsachen" aufgrund der Vergleiche plausibel erscheinen.

Da fast keiner der Schreiberlinge - ich ja auch nicht - vor 1960 noch irgend etwas technisch fundiertes Wissen zu der "Wahrheit" beitragen kann, (mit nur noch ganz wenigen Ausnahmen) die allermeisten waren noch in der Pubertät oder noch viel jünger, wird es an der "Wahrheit" öfter etwas zu korrigieren geben.

Und das ist wichtig : daß man seine einmal geschriebenen Texte korrigieren oder zumindest mit Nachträgen und einem Datum und einer Quelle ergänzen kann.
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Nachtrag aus Februar 2019 - Neu Züricher Zeitung

Trolle im Internet sind in Wirklichkeit einsame Neider

Egal ob Twitter, Facebook oder Instagram: Shitstorms und Hasskommentare machen Internet-Usern das Leben schwer. Doch hinter dem Hass verbergen sich häufig Neid, Isolation und Einsamkeit. Eine Analyse.
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