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7 Tage im Leben des Max Grundig.

Ein Freund schreibt über einen Freund. Egon Fein für Max Grundig zum 75. Geburtstag.

Kapitel 5 (aus obigem Buch) - Der Steuermann

Die Erfolgs-Chronik geht weiter : 1954

Die große überarbeitete Chronik aus 2006 teilweise mit Produktnamen finden Sie hier.

Das war eine Zeit für Max Grundig, die 50er und 60er Jahre!
Das war seine Zeit. Sein Ideenreichtum, seine nie erlahmende Arbeitskraft, sein Durchsetzungsvermögen, seine ganze Genialität fielen auf fruchtbaren Boden.

Sein Unternehmen wurde von Jahr zu Jahr größer, der Aufwärtstrend erreichte ein Ausmaß, das sich nur stichwortartig, im Telegramm-Stil, beschreiben läßt:
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  • 1954: auf dem Fürther Werksgelände an der De-Mack-Straße, neben den Werkshallen, ein achtstöckiges Fabrikhochhaus, ein Neubau in Georgensgmünd
  • 1956: die Werke 5 in Augsburg, eine Holzgehäusefabrik, und 6 in Dachau, eine Rundfunkgerätefabrik
  • 1957: Aktienmehrheit der Triumph-Werke in Nürnberg und der Adler-Werke in Frankfurt (1968 an die amerikanische Firma Litton-Industries wieder veräußert)“ In Bayreuth Werk 7, die größte Tonbandgeräte-Fabrik der Welt“
  • 1958: Werk 8 in Senden, Holzgehäuse für Tonmöbel (1967 geschlossen, ein Jahr danach Ascha bei Straubing als Werk 8 eröffnet), in der Nürnberger Ludwig-Feuerbach-Straße, auf dem Gelände der früheren Viktoria-Fahrradfabrik, Werk 9 für Kunststoff-Fertigung, die Grundig-Bank in Nürnberg eröffnet.
  • 1959: neben dem Tonbandgerätewerk in Bayreuth ein neues Musikschrank-Werk
  • 1960: verschiedene Fertigungs-Zweig-betriebe in wirtschaftlichen Notgebieten Nordbayerns (Altenstadt, Vohenstrauß, Pleystein, Schwarzenbach, Hirschau, Lichtenau), aber auch in Fürstenfeldbruck und Trostberg; in Fürth Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes, die Steinbaracken aus der Gründerzeit weichen.
  • 1961: an der Würzburger Straße in Fürth Werk 10 für die Elektronik-Fertigung. Kauf des fast 600.000 qm großen Geländes in Nürnberg-Langwasser, die „Grundig-Stadt“ entsteht, als erstes 1963 das Tonbandgerätewerk 11,
  • 1965: Werk 12 in Landau/Isar für Musikschränke und Tonmöbel, Vohenstrauß wird Werk 13, produziert Boxen und Zubehörteile. Zweigbetriebe in Dormitz und Adelsdorf.
  • 1967: Werk 14 in Miesau stellt Bauteile für Schwarz- Weiß- und Farbfernsehgeräte her; Werk 15 in Karlsruhe, zwei Jahre vorher von Tonfunk gekauft, nimmt die Fernsehgeräte- Produktion auf.

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Grundig war jetzt auch weltweit sehr erfolgreich.

Parallel dazu wurden auch die Auslandsaktivitäten Jahr für Jahr weiter ausgedehnt. Der Export erreichte 1959 bereits fast 48% der Grundig-Produktion und ein Drittel des gesamten bundesdeutschen Exports an Rundfunk-, Fernseh-, Tonband-, Diktiergeräten, Musikschränken und Kofferempfängern :
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  • 1954: Grundig-Geräte erscheinen auf dem USA-Markt, bis dahin ein (nach dem verlorenen Krieg) unvorstellbarer Vorgang, die Majestic International Corporation vertreibt in den ersten drei Monaten 11.OOO Heimempfänger und Koffergeräte sowie 1.000 Musikschränke.
  • (Anmerkung: Die Brüder Braun verkaufen 1954 ihr Rasierer-Patent an RONSON in den USA, der größte Außenhandelsauftrag nach dem Krieg !)
  • Im Jahr darauf reist Max Grundig mit seinem Direktor Otto Siewek zum erstenmal selbst in die USA
  • Grundig-Great-Britain in London entsteht
  • 1959: Gründung der Grundig "Electronic Incorporated" in New York
  • 1960: das Warenzeichen "Grundig" in saudi-arabischer Sprache angemeldet, Gründung des Tonbandgeräte-Werks in Dunmurry-Belfast in Nordirland
  • 1961: GATAG in Zug in der Schweiz gegründet, Max Grundig reist nach Bangkok, Hongkong und Tokio
  • 1963: USA-Verkauf durch „Grundig-Triumph-Adler-Sales Corp“, New York
  • 1965: Bau- und Fertigungsbeginn des Werkes 18 Braga der Grundig Electrönica Portugal Lda bei Porto
  • 1966: Gründung der Grundig Italiana SpA in Lavis/Irento, übernimmt den gesamten Italien-Vertrieb mit zunächst zwölf Filialen
  • 1967: Kooperations-Vertrag mit Universal, Warschau über den Nachbau von Grundig-Tonbandgeräten, Aktienmehrheit der Ets.Consten S.A. Courbevoie/Paris, Gründung der Grundig-France“
  • 1968: Grundig Sales Corporation New York und Grundig Business Machines Incorporated Newlfork neu firmiert, die Minerva-Radio Werke in Wien werden übernommen; Zusammenarbeit mit Ferranti Limited in Edinburgh auf dem Gebiet der Werkzeugmaschinensteuerung und Meßanlagen,
  • 1969: Grundig-Austria GmbH beginnt ihre Arbeit; Werk 19 Rovereto der Grundig Elletronica S.p.A. in Norditalien produziert Fernseh-Apparate; Grundig-Electronique S.A. Creutzwald als Werk 20 gegründet; Produktionsbeginn in Saarlouis.

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Grundig wächst und wächst und baut immer mehr Produkte

Im gleichen Maß, wie Werke und Unternehmungen sich ausdehnten, wuchs die Produktion, wurde vielgestaltiger, umfangreicher, erfaßte mehr und mehr Bereiche der Elektronik.

Auch diese Entwicklung läßt sich nur skizzenhaft in ihren Höhepunkten darstellen, und selbst das kann nicht vollständig sein:

  • 1954: 3-D-Klang bei Radio und Musikschränken; mit der .Stenorette“ beginnt die Diktiergeräte- Fertigung; das zwei-millionste Grundig- Gerät seit 1945 erhält der berühmt gewordene „Stalingrad-Arzt“ Dr, Kohler, 529.984 Geräte im Jahr produziert, darunter 19,677 Fernseher; 128 Millionen Jahresumsatz, 8,369 Beschäftigte.
  • 1955: Grundig ist größter Tonbandhersteller der Welt; „Volksfernsehgerät 330“ mit 43-cm-Bildröhre für 698.- DM; Fernsehschrank FS 950; das erste deutsche Fernseh-Gerät mit 72-cm-Bildschirm und die erste Fernseh-Miniaturkamera; Tonbandkoffer TK 5 unter 500.- DM; 92 Prozent der deutschen Tonband- Fertigung bei Grundig, 672,287 Geräte, davon 35,520 Fernseher; 150 Millionen Umsatz, 8,597 Beschäftigte.
  • 1956: Erster deutscher Reiseempfänger mit Transistoren; Grundig größter Musik-schrank-Hersteller der Welt; kombinierter Telefon- Anrufbeantworter mit Ansagegerät „Teleboy“; Fernsehgerät „Zauber-Spiegel“; Weitempfangstechnik für Fernsehempfang. 902.001 Geräte, 226 Millionen Umsatz, 11.984 Beschäftigte.
  • 1957: Fünf Millionen Geräte seit der Gründung; bei Triumph-Adler glänzt die Erfolgsschreibmaschine „Gabriele“; die ersten Strahlungswarngeräte, Bohrloch-Sonden-Fernsehkamera; erster deutscher tragbarer Fernsehapparat (36 cm, schwarz-weiß). 1.092.589 Geräte, 312 Millionen Umsatz, 14.777 Beschäftigte.
  • 1958: Erster deutscher Stereo- Konzertschrank und erstes Vollstereo- Tonbandgerät; elektrische Schreibmaschine „Matura-Electric S“ für 1.595.- DM eine Sensation; Diktiergerät „Stenomatic“. 1.274.630 Geräte, 360 Millionen Umsatz, 16.470 Beschäftigte.
  • 1959: Sieben Millionen Geräte seit 1945, davon 500.000 Fernsehapparate; erstes deutsches Stereo- Tonbandgerät; erste drahtlose Ultraschall- Fernsteuerung für Fernseher; erste Fernsehkamera „für Jedermann“ unter 2.000.- DM. 1.337.760 Geräte, 399 Millionen Umsatz, 15.384 Beschäftigte; zwei Drittel der deutschen Tonbandgeräte- Fertigung von Grundig, 20 Prozent aller Rundfunkgeräte, 34,2 Prozent der Musikschränke, 27,3 Prozent der Fernseh- Musikschränke, 13,2 Prozent Anteil an der gesamten deutschen Fernsehgeräte- Produktion.
  • 1960: Zehn Millionen Geräte, davon eine Million Fernsehgeräte seit Beginn; kleinster deutscher Taschenempfänger „Mini-Boy“; erster Fernsehapparat mit UHF (Zweites Programm); erstes Digital-Voltmeter Europas; Fakturier-Maschine „Faktura 3“; Goldmedaille für Adler-Tippa- Schreibmaschine. 1.578.739 Geräte, 426,9 Millionen Umsatz, 16.495 Beschäftigte.
  • 1961: Taschentransistor „Solo-Boy“; Tonband- Ansagegerät; automatischer Telefon- Anrufbeantworter, 1.293.459  Geräte, 398,7 Millionen Umsatz, 15.323 Beschäftigte.
  • 1962: Reisediktiergerät „Stenorette R“; Warenzeichen „Stenorette“ in 67 Ländern geschützt; erste volltransistorierte Kamera; eigener Stereo- Versuchssender in Fürth; erste elektrische Schreibmaschine unter 1.000.- DM. 1.096.992 Geräte, 384 Millionen Umsatz, 15.249 Beschäftigte.
  • 1963: Zwölf Millionen Geräte; erstes Vollstereo- Steuergerät; erster HiFi-Verstärker mit Transistoren in Europa; erste numerische Werkzeugmaschinen- Steuerung. 1.229.731 Geräte, 414,4 Millionen Umsatz, 15.371 Beschäftigte.
  • 1964:15 Millionen Geräte fertiggestellt; erste Kompakt- Kamera mit Transistoren; elektronisches Notizbuch „EN 3“; erster Weltempfänger mit 6-Bereich-KW-Tuner und vier KW-Bereichen „Grundig Satellit“. 1.284.642 Geräte, 474,3 Millionen Umsatz, 15.746 Beschäftigte.
  • 1965: Grundig größter deutscher Fernseh- Produzent, jährlich 500.000 Geräte; erstes volltransistoriertes Bild-Magnetbandgerät. 1.421.852 Geräte, 566,8 Millionen Umsatz, 16.001 Beschäftigte.
  • 1966:18 Millionen Geräte seit 1945; Auto-Super AS 40 und Auto-Cassetten-gerät AC 50 und 60; erste Fernsehgeräte mit vollelektronischer Programmwahltechnik; erste Grundig Graupner Varioprop Vollproportional- Digital- Funksteueranlage. 1.666.860 Geräte, 648,3 Millionen Umsatz, 16386 Beschäftigte.
  • 1967: Erste Farbfernsehapparate T800 mit 48-cm-Röhren für 1.865.- DM, T1000 und S1000 von 2.398.- bis 2.698.- DM; Videorecorder BK 200; erster farbtüchtiger Videorecorder BK 200 FAM; HiFi- Rundfunk- Tuner- Verstärker RTV 600 mit „Tunoscope“; Cassetten- und Tonbandgerät C 200 mit Kompakt- Cassette. 1.612.274 Geräte, 612,2 Millionen Umsatz, 16.078 Beschäftigte.
  • 1968: Erster Stereo- Concert-Boy; erste Vorläufer der Radio-Recorder; HiFi-Stereoverstärker SV 140 und HiFi-Mehrbereichs- Tuner RT 100; erstes Uhren- Musikgerät „Sono Clock“; erstes Auto-Cassetten- Gerät mit CC-Cassette. 2.155.545 Geräte, 716 Millionen Umsatz, 19.401 Beschäftigte.
  • 1969: Mehr als 25 Millionen Geräte seit 1945; Schwarz-Weiß- Videorecorder BK 100 unter 2.000.- DM; Fernsehkameras FA 43 und FA 32; Concert-Boy- Recorder C 340 mit vier Wellenbereichen; Telemanipulator mit Stereo- Fernauge „Syntelman“. 2.467.066 Geräte, 821,6 Millionen Umsatz, 21.718 Beschäftigte.

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Wahrhaft: Es war schwierig, dieser Rasanz zu folgen. Produkte, Rekorde, Ereignisse. Trockene, nüchterne Zahlen zwar, aber Zahlen, die Superlative vermittelten. Dahinter steckte eine der unglaublichsten und beeindruckendsten Wiederaufbauleistungen nach 1945.

 

So etwas ging nicht von selbst, auch nicht in einer Zeit allgemeinen Aufschwungs. Hier führte eine Hand Regie, die das Steuer fest im Griff hatte und zielsicher lenkte. Hier standen Mitarbeiter zur Seite, die in ihrer Arbeit mehr als nur einen Job sahen, mehr als nur ihre Pflicht taten. Für sie war diese Firma ein Stück ihres Lebens geworden.
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