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7 Tage im Leben des Max Grundig.

Ein Freund schreibt über einen Freund. Egon Fein für Max Grundig zum 75. Geburtstag.

Kapitel 5 (aus obigem Buch) - Der Steuermann

Einsichten, die heute bereits verloren gegangen sind.

Zurück zum millionsten Rundfunkempfänger: Bei der Feierstunde in der neuen Fernseh-Halle der Grundig-Radiowerke, am 12, Mai 1952, dementierte Bayerns damaliger Wirtschaftsminister Dr. Hanns Seidel das Gerücht über angebliches Fremdkapital, das der Bayerische Staat der Firma Grundig zugeschossen habe.

 

Wirtschaftsminister Dr. Hanns Seidelr sagte:

  • „Das Geheimnis des Erfolges der Grundig-Radiowerke liegt darin, daß wir es mit einer Geschäftsleitung zu tun haben, die mit Umsicht alle geschäftlichen Entwicklungen einleitet, die mit Weitsicht alle Entwicklungen erkennt und mit Tatkraft das, das erkannt ist, in die Wirklichkeit umsetzt und nicht zuletzt, daß in diesen Werken Menschen an der Arbeit sind, die gewohnt sind zu arbeiten und die wissen, warum sie arbeiten, Menschen, die über den nötigen Fleiß und die nötige Handfertigkeit verfügen.
  • Das ist ganz einfach und schlicht ausgedrückt das Geheimnis dieses Erfolgs. Solange in der deutschen Funkindustrie mit soviel Umsicht und Eifer gearbeitet wird wie hier in diesen Werken, brauchen wir tatsächlich keine Sorge vor einer krisenhaften Entwicklung in der Zukunft haben.“

 

 

Regierungspräsident Dr. Hans Schregle:

  • „Die Firma Grundig... war nie bei uns, wohl auch ein Kennzeichen dafür, daß sie in einem so guten Muttergrund wurzelt und in ihrer eigenen Kraft gesichert ist, daß sie der Unterstützung der Regierung von Mittelfranken, die sich ja letztlich doch nur in platonischem Rahmen bewegt hätte, nicht bedurfte.“

 

 

Landtagspräsident Dr. Alois Hundhammer, der Max Grundig bei dieser Gelegenheit das Bundesverdienstkreuz überreichte, besichtigte anschließend das Werk. Er kam an einer riesigen Presse vorbei, vor der eine junge Frau aus Stadelmühl saß, einer kleinen Ortschaft bei Fürth. Mit dieser Presse wurde Blech verplombt. Das Ding sah enorm wuchtig aus, und man mußte glauben, es gehöre eine ungeheure Anstrengung dazu, den Hebel runterzudrücken. Zum Glück war dem nicht so.

 

Blieb der Dr. Hundhammer stehen und fragte Max Grundig vorwurfsvoll: „Ja, Herr Grundig, warum muß denn eine junge Frau so schwere Arbeit leisten?“ „Fragen Sie sie doch selber.“

Max Grundig kannte die junge Arbeiterin, und er wußte, wie sie über ihre Arbeit dachte und was sie antworten würde:

  • „Horchen's, Herr Minister, wenn der da (gemeint war Max Grundig) mich von der Maschin' wegnimmt, dann komm' ich morgen nimmer. Damit Sie Bescheid wissen.“


Der bärtige Landtagspräsident nahm's zur Kenntnis und ging schweigend weiter.
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Der Chef war für alle da.

Während Grundigs erstes großes Fernsehgerät für 1.800 DM bei den Händlern erschien, es war die vorhin schon beschriebene Truhe, half Max Grundig seinen Arbeitern, die diese Apparate herstellten, bei der damals recht schwierigen Wohnungssuche. Er gründete die Grundig-Wohnungsbau GmbH, kaufte an der Fürther Adler-, Amalien- und Bendit-straße Grundstücke und baute als erstes sofort 30 Werkswohnungen mit einem, zwei und drei Zimmern.

 

In derselben Werkszeitung, die über den Betriebs-Wohnungsbau berichtete, es war das Dezemberheft 1952, fand sich eine bemerkenswerte Notiz: „Trotz der Größe unseres Betriebs ist Herr Grundig gern bereit, jedem Angehörigen unseres Betriebs in besonderen Fällen die Möglichkeit einer mündlichen Aussprache jeden Mittwoch in der Zeit zwischen elf und zwölf Uhr zu geben.“

 

Auch nicht eben alltäglich, wenn ein Mann, der mehr als 6,000 Arbeitern und Angestellten Lohn und Brot gab, sich für die kleinen Sorgen und Nöte dieser Menschen interessierte. Wie schäbig sich vor dieser Tatsache die bösartigen Hetztiraden schräglastiger kommunistischer Blätter ausmachten, die Max Grundig als bärbeißig bösen Ausbeuter zu karikieren versuchten.

 

Für Anschuldigungen wie: „Frauen werden mit Aufputschmitteln wachgehalten, damit sie nicht an den Maschinen zusammenbrechen“, hatte die junge Stadelmühlerin, auf die Landtagspräsident Hundhammer aufmerksam geworden war, nur ein mitleidiges Lächeln.

 

Mäßiger in der persönlichen Beurteilung gab sich zwar der .Spiegel“, verrannte sich aber total in einer falschen Prognose, Er mutmaßte am 26, August 1953 in einem Beitrag über die Aussichten der Rundfunkgeräte- Industrie, daß „sich nicht nur der eigenwillige Nürnberger Industrielle Max Grundig, der ein rundes Drittel des deutschen Marktes versorgt, zu der Ansicht durchgerungen hat, daß die goldenen Zeiten des Nachholbedarfs vorbei sind. Ob aber die Ersatzbeschaffungen auf die Dauer eine jährliche Geräteproduktion ....wie im Jahr 1952 zulassen ist eher zweifelhaft.“

 

Zweifelhaft war eher diese Prophezeiung des „Spiegel“, der ja bekanntlich seine eigenen Worte wie ein gemeißeltes Evangelium betrachtet. Es kam nämlich deutlich anders. Erstens wiesen die folgenden Jahre, von gelegentlichen Einbrüchen abgesehen, weiter steigende Absatzzahlen auf, und zweitens sollten gerade auf dem Gebiet sogenannter „Ersatzbeschaffungen“, und dazu zählten wohl in allererster Linie die Fernsehgeräte, die goldenen Zeiten erst beginnen.
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Die Chronik zm Staunen:

Dazu eine kleine Lektion in Zahlen:
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  1. 1953 produzierte Grundig 7399 Fernsehgeräte,
  2. 1954 genau 19.677,
  3. 1955 bereits 35.520,
  4. in den Jahren danach 80.470,
  5. dann 125.937,
  6. dann 222.450,
  7. dann 249.254,
  8. um 1960 den absoluten Höchststand von 256.214 Geräten zu erreichen.

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Zum Vergleich die Grundig- Produktionsziffern der Rundfunkgeräte (mit Musikschränken):
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  1. 1953 waren es 473.015 (489.508),
  2. 1956 kletterte die Zahl auf 548.496 (638.331),
  3. 1958 weiter auf 580.290 (704160),
  4. um 1960 bei 749.729 (850.808) anzukommen.

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Grundig weiß, was Hörer und Seher wünschen.

Wie weit die selbsternannten Herren Propheten mit ihren Voraussagen daneben lagen, besonders wenn es um die Zukunft des Fernsehens ging, zeigte ein anderes Beispiel: Die Hamburger „Fernseh- Fachleute“ des damaligen NWDR schüttelten ungläubig die Köpfe, als das Publikum lieber alte Filme sehen wollte als „neue, sorgfältig geplante echte Fernsehsendungen“. Damit sei das Fernsehgerät als Heimkino „.zweckentfremdet“, meinten die von ihrem Publikum belehrten Oberlehrer der Nation.

 

Max Grundig kannte die Wünsche der deutschen Hörer und Seher besser, denn er war nie der Wirklichkeit entrückt. Er reagierte noch 1953 auf den Fernseh-Boom mit dem ersten Empfänger unter 1.000 Mark, er kostete genau 998.- DM, aber auch mit einem übergroßen Luxus-Bildschirm für besonders Anspruchsvolle. Auch im Vorfeld der Video-Entwicklung hatte Grundig den Fuß in der Tür. Bei der Düsseldorfer Funkausstellung 1953 zeigte er die erste deutsche Vidikon-Kamera, das von Walter Mayer entwickelte Grundig- Fernauge.

 

Seinen Angestellten richtete Max Grundig schon im Sommer 1953 eine Ruhegehaltskasse ein, die der Betrieb voll übernahm: Wer der Firma zehn Jahre lang angehörte, bekam nach dem 65. Lebensjahr oder wenn er arbeitsunfähig werden sollte, 25 Prozent des letzten Jahresverdienstes. Witwen stand die Hälfte der „Mannesrente“ zu.

 

Das Grundig-Tempo hielt an, die Firma blähte ihre Segel und fuhr im vollen Wind des sogenannten Wirtschaftswunders, das im Grunde nichts weiter war als die gemeinsame Anstrengung aller, das Schiff wieder flott zu machen. Wenn es auch unterschiedliche Meinungen gab über die Methoden, über das Ziel herrschte Einigkeit. Unternehmer wie Arbeiter, Kaufleute wie Angestellte, Beamte wie Künstler (Beruf und Stand waren nebensächlich), der gemeinsame Wille, eine bessere Zukunft zu schaffen, alle Energie und allen Fleiß dafür zu verwenden, brachte dieses „Wunder“ zustande.
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