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7 Tage im Leben des Max Grundig.

Ein Freund schreibt über einen Freund. Egon Fein für Max Grundig zum 75. Geburtstag.

Kapitel 5 (aus obigem Buch) - Der Steuermann

Grundig schreibt Fernsehgeschichte in Südeutschland

Am 27. September 1951 inszenierte Grundig zur „Leistungs- und Gewerbeschau“ auf dem Gelände der Fürther Gartenschau die „erste drahtlose Fernseh-Sendung eines Films in Süddeutschland“. Diese Sendungen wurden bis zum 10. Oktober täglich wiederholt, und die „Nürnberger Nachrichten“ schrieben darüber voller Begeisterung:
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„Damit - und das verdient festgehalten zu werden - hob nicht der Rundfunk, sondern ein Werk der Nürnberg-Fürther Industrie das Fernsehen in Bayern aus der Taufe“.

Auf dem Leuchtschirm des Empfängers sah man Ausschnitte aus dem bekannten Grock-Film. Wenn man bedenkt, daß es sich hier um einen oftmals abgespielten Film handelt, nicht aber um für Fernsehzwecke hergestellte Spezialaufnahmen, dann ist das Ergebnis - Schärfe und Klarheit des Bildes - einfach verblüffend. Die Grundig-Ingenieure, die in Hamburg das Gerät monatelang ausprobierten, erklärten voll berechtigtem Stolz auf ihre Leistung, daß die dort empfangenen Bilder - bei denen es sich um die Wiedergabe von echten Fernsehsendungen handelte - noch viel, viel besser sind als das, das man unter den gegebenen Voraussetzungen in Fürth zeigen kann. So anspruchsvoll sind heute schon die Techniker, während der Laie buchstäblich Mund und Nase aufreißt vor dem, was ihm schon mit dem alten Spielfilm in Fürth an Fernsehen geboten wird.

Direktor Siewek erklärte, daß die Grundig-Werke gern ihren Sender zur Verfügung stellen würden, um dem Femsehen in Bayern echten Auftrieb zu geben, denn wenigstens im Umkreis von zehn Kilometern - etwa bis an die Grenzen von Nürnberg - wäre damit ein Empfang sichergestellt. Die Nürnberg-Fürther Bevölkerung könnte nur wünschen, daß aus diesem Anerbieten ernst wird.

Natürlich müßte der Bayerische Rundfunk, der eine unbegreifliche Zurückhaltung übt, auch tatkräftig einspringen und - neben dem Aufbau eines eigenen Sendenetzes - mit Grundig zusammenarbeiten, besonders, was das Programm und dessen Kosten angeht.

Hier hätte der Bayerische Rundfunk aber eine Möglichkeit, sich auf einem Gebiet in etwa zu rehabilitieren. Die Nürnberg-Fürther Industrie bietet die Hand - aber ob der Bayerische Rundfunk einschlägt?

Natürlich wird das Fernsehen zunächst noch ein teures Vergnügen sein, denn ein Empfänger kostete anfänglich 1.800 Mark. (Anmerkung: das sind zu dieser Zeit mehr als 10 Monatslöhne.) Immerhin: Man könnte öffentliche Fernsehstuben einrichten, wie es früher einmal in Berlin war. Aber worauf es in erster Linie ankommt: Daß es erst einmal wirklich los geht! Wenn einmal die Empfänger in Serie gebaut werden, sinken auch die Preise.“

 

So weit die „Nürnberger Nachrichten“

 

Wie recht der Schreiber doch hatte, und wie sehr sich schon jetzt herauskristallisierte, daß Max Grundig nicht nur ein Pionier des Radiobaus war, sondern nun auch der deutsche Pionier des Fernsehgerätebaus werden sollte. Die Entwicklung machte Max Grundig Mut. Er arbeitete weiter an seinen Fernsehgeräten, und Ende 1951 standen - wie gesagt - die ersten 94 auf Halde“.

Und Max Grundig baut die deutsche Erfindung, das Tonbandgerät, jetzt für alle.

Vor diesen Ereignissen trat eine weitere Neuerscheinung der Grundig-Werke zur selben Zeit in den Hintergrund: Die ersten Heim-Tonbandgeräte wurden fabriziert und, unter anderem, zunächst in die Musikschränke eingebaut.

 

Als 1952 Max Grundig mit seinem Werk die 100 Millionen-Umsatzgrenze übersprang (exakt 105.937.209 DM, davon 10,6 Millionen Auslandsumsatz), 6.287 Beschäftigte zählte, 33 Prozent Marktanteil erobert hatte, sein 1.000.000stes Radiogerät vom Band lief, täglich weitere 2.500 Stück hinzukamen, die noch immer nicht ausreichten, die Nachfrage zu decken, als er mit dem „Reporter 300 L“ für 998.- DM den ersten Tonbandkoffer unter 1.000 Mark auf den Markt brachte und in der Kurgartenstraße eine Werkshalle für die Fernsehfertigung aufgestellt hatte, als alle Welt den Millionär Max Grundig kannte, da entschloß er sich endlich, seine kleine, bescheidene Dreizimmer- Mietwohnung in der Fürther Moststraße 17 aufzugeben und in eine Villa in der Nürnberger Virchowstraße am Stadtpark zu ziehen. Das war am 7. Mai 1952.
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Ein Blick in Max Grundig‘s Privatleben

Aber auch das geschah nur aus Zufall. Der Geschäftsführer der Handelskammer hatte ihn angerufen: „Herr Grundig, bei mir sitzt der Herr Vollrath, der will seine Villa verkaufen. Für 60.000 Mark. Die braucht er zur Abwicklung seiner Wiedergutmachung. Er möchte die Geschichte schnell hinter sich bringen und wieder zurück in die Schweiz.“

Vollrath war ein Nürnberger Spirituosen-, Wein- und Getränkehändler, 1933 ausgewandert und enteignet. Max Grundig traf sich mit Vollrath, drei Tage später hatten sie den Verkauf notariell beglaubigen lassen.

Noch ein Haus fand er in diesem Jahr, eigentlich mehr ein eigenes Ländchen. Max Grundig hatte schon eine ganze Weile ein altes Bauernhaus gesucht, damit er ab und zu mal die Tapeten wechseln und abschalten konnte.

Er rief den Direktor Samstag von der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in München an: „Ich suche was Ruhiges, als Wochenendhaus, ich komm ja doch nie in Urlaub. Wenn Sie mal was hören, sagen Sie es mir.“

Ein paar Wochen später war Direktor Samstag am Telefon: „Herr Grundig, ich hab da eine feine Sache für Sie.“ „Und wo ist das?“ - „Hinter Lenggries bei Tölz.“ – „Gut, ich komm hin und schau es mir an.“

Die beiden Herren fahren gemeinsam von München nach Lenggries, steigen aus, gehen ein Stück, stehen plötzlich vor einem nicht gerade kleinen Schloß, dahinter ein mächtiger Gutshof.

Max Grundig will weitergehen, weil er sein „Bauernhäusle“ sucht. Direktor Samstag hält ihn fest: „Wo wollen Sie denn hin? Das ist es!“ - „Das ist was?“ Max Grundig schaut erst das riesenhafte Gebäude an, dann seinen Begleiter. „Ja, sind Sie verrückt? Ich will doch bloß ein kleines Bauernhaus, so für 30.000, 40.000 Mark. Was soll ich denn mit diesem Palast?“

„Jetzt hören Sie sich die Geschichte doch erst mal an. Der Besitz heißt Hohenburg, gehörte dem Großherzog von Luxemburg, hat 2 Millionen Quadratmeter und kostet nur 300.000 Mark, mit allem Drum und Dran. Eine ganze Landschaft für diesen Betrag. Ist denn das nichts?“

 

Nun, da hatte der Direktor Samstag wohl recht, und Max Grundig wäre kein Geschäftsmann, hätte er sich diese Gelegenheit entgehen lassen. Also kaufte er den großherzoglichen Besitz, schenkte den Schwestern vom Orden der Ursulinerinnen das Schloß mit über 300 Zimmern, einem Sportverein etliche 1000 qm Boden, baute den Gutshof aus, züchtete später darauf Bullen, Schweine und anderes Getier, um 1973 das ganze Hohenburg seiner Tochter Inge und ihrem Mann Wilhelm Scheller zu übergeben. Die beiden hatten übrigens am 8, September 1952 in der Nürnberger Lorenzkirche geheiratet, nur ein paar Wochen, nachdem Max Grundig das Gut Hohenburg gekauft hatte.

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